Invasion 03: Der Gegenschlag
nickte Ryan und sah erneut auf die Uhr. Er hatte gerade festgestellt, dass er ganz schwach das » Wisch-Krack !« der Plasmageschosse hören konnte, die das SheVa-Geschütz trafen. Zumindest zwischen den anderen Detonationen des Artilleriefeuers und der schweren Schiffswaffen, die im Begriff waren, den Wall zu zerfetzen. »Aber wir sollten etwa drei Sekunden Zeit haben, uns vornüber zu beugen und unserem Hintern einen Abschiedskuss zu geben, sobald die ›große Blitzbirne‹ losgeht.« Er sah sie mit einem grimmigen Lächeln an. »Sehen Sie nicht ins Licht; das Licht ist nicht Ihr Freund.«
»Wir werden es schaffen«, sagte Edwards und jagte den Abrams mit Höchstgeschwindigkeit das Flussbett des Little Tennessee River hinunter, so dass beiderseits von ihnen die Fontänen aufspritzten. »Ich schätze, diese Panzerung ist stärker, als die gedacht haben.«
»Vielleicht«, sagte Major Porter, »wenn …«
Edwards sollte nicht mehr erfahren, was der Major sich dachte, weil in diesem Augenblick die ganze Welt weiß wurde.
Das Magazin der SheVa-Geschütze war der wohl am massivsten gepanzerte Behälter, den je jemand konstruiert und gebaut hatte. Die Innenschicht bestand einfach aus Stahl, vier Schichten gehärteter Panzerstahl, mit »Superstahl« beschichtet, einer Entwicklung der allerjüngsten Vergangenheit, welche die Oberflächenhärte von Stahl fast auf das Vierfache steigerte. Darüber kamen zwei Schichten »Waben-Panzerung« aus Wolfram und synthetischem Saphir und wiederum darüber mehrere Schichten ablösbarer explosiver Panzerung, einem Material, das manchmal selbst Plasmageschützen der Posleen widerstanden hatte.
Außerdem gab es vier Komponenten, die die Explosion »regeln«, und wenn ein Geschoss detonierte, »ausblasen« sollten. Und dann gab es noch interne Prallflächen, die die Hauptwucht der Explosion von den in unmittelbarer Umgebung gelagerten Geschossen ablenken sollten. Man ging davon aus, dass man auf diese Weise die Explosion auf höchstenfalls ein oder zwei Geschosse reduzieren konnte. Besser eine kleine Katastrophe als eine große.
Die Posleen hatten für sich den Schluss gezogen, dass die Antriebsaggregate der meisten Panzer vorne und hinten angebracht waren. Und da sie Anweisung hatten, den Beschuss so lange aufrechtzuerhalten, bis das Geschütz zu feuern aufhörte und brannte, hatten sie über vierhundert Plasmaschüsse auf die Heckpartie abgegeben. Und auch die stärkste Panzerung hatte ihre Grenzen.
Das Geschoss, das schließlich durchdrang, musste nur noch eine letzte Hürde nehmen. Aber am Ende durchstieß es relativ mühelos die dünne Schale aus abgereichertem Uran, welche den Antimaterie-Kern umgab. Die Antimaterie tat daraufhin das, was Antimaterie immer tut, wenn sie mit regulärer Materie in Kontakt kommt. Explodieren. Spektakulär.
Das zufällig getroffene Geschoss entsprach nur zehn Kilotonnen, und die Konstrukteure des SheVa waren sich relativ sicher gewesen, dass der Behälter imstande sein würde, ein einzelnes explodierendes Geschoss einzudämmen. Wenn es sich im äußeren Bereich befand, würde es schlimmstenfalls nach draußen detonieren und damit für Einheiten, die bis zu einer Meile von dem Geschütz entfernt waren, einigermaßen lästig sein. Ziemlich lästig sogar, aber wenn man sich nicht zu nahe oder gar unmittelbar hinter dem Geschütz befand, war es durchaus möglich, dass man überlebte.
In diesem Fall allerdings befand sich das Geschoss im inneren Teil des Behälters, wo keine Ablenköffnungen vorhanden waren. Außerdem hatten die Plasmageschosse, die sich in das Innenleben des Geschützes eingeschlichen hatten, den größten Teil der inneren Schottenabteile zerfetzt – immer vorausgesetzt, dass diese etwas genützt hätten. Als das Geschoss daher detonierte, löste es alle weiteren im Magazin befindlichen Geschosse aus.
Das Geschütz hatte zwei Schüsse abgegeben, und ein Geschoss war abschussbereit. Also konnten nur fünf Geschosse hochgehen. Aber die zündeten dicht hintereinander, praktisch gleichzeitig. Und das Wesen des Eindämmungsbehälters und die Schäden, die ihm bereits zugefügt worden waren, vereinten sich und erzeugten eine beinahe optimale Explosion.
Man konnte den Feuerball selbst noch in Asheville sehen; die Druckwelle breitete sich aus und verschlang das Korps, das sich im Tal zusammengekauert hatte.
Verluste durch Kernwaffen sind immer auf drei primäre Quellen zurückzuführen: Überdruck, Hitze und Strahlung. Den
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