Invasion 03: Der Gegenschlag
aufgehört. Nach Intensität und Dauer zu schließen, lief da ein größerer Angriff der Posleen, auch wenn die Geschütze des Walls sich erst vor kurzem hinzugesellt hatten.
»Ich bin einfach gut gelaunt, junge Frau«, antwortete er.
»Ja, das kann ich mir vorstellen«, sagte sie und grinste bösartig.
»Und was soll das jetzt bedeuten?«
Cally legte das Messer weg, mit dem sie Gemüse geschnitten hatte, und wischte sich die Hände ab. Sie griff unter den Tisch, holte eine Videokassette heraus und fuchtelte damit herum.
»Du erinnerst dich doch, dass das ganze Haus für Video verdrahtet ist«, sagte sie und hastete zur Tür.
»GIB DAS HER!«, brüllte er und rannte hinter ihr her.
»Für dein Alter bist du ja noch ganz schön fit!«, schrie sie und rannte um den Schuppen herum.
»KOMM SOFORT HER UND GIB MIR DAS, DU KLEINES MISTSTÜCK! WENN DU ZUGESEHEN HAST …«
»Wo zum Teufel hast du gelernt, wie man das mit den Füßen in der Luft macht?«, schrie sie zurück.
»AAAAH.«
Sie blieben beide stehen, als aus der Richtung des Walls ein gewaltiger Knall zu hören war. Der Nachmittag war hell, aber das, was das Geräusch erzeugt hatte, hellte den Himmel zusätzlich auf.
»Was war das denn ?«, fragte Cally.
»Ich weiß nicht«, antwortete Papa O'Neal. »Aber das kommt vom Wall. Ich denke, wir sollten die Farm dicht machen.«
Jetzt war aus der Richtung der Artilleriebatterien eine zweite Folge von Explosionen zu hören, und dann deutete ein lautes Dröhnen auf eine Sekundärexplosion. Papa O'Neal erhaschte einen Blick auf etwas Glattes, Silbernes, das sich sehr schnell quer über den Eingang zum Tal bewegte. »Was zum Teufel war das denn?«
»Keine Ahnung, Grandpa«, sagte Cally nervös. »Aber du hast Recht; wir sollten dicht machen.« Sie warf ihm das Videoband hin. »Für deine Sammlung. Auf dass es bald mehr werden mögen.«
Sie brauchten bloß ein paar Minuten, um ihren ganzen Viehbestand unter Dach zu bringen und die Minenfelder scharf zu schalten; als sie gerade das letzte Tor geschlossen hatten, hellte ein weißer Blitz, heller als die Sonne, den Himmel auf.
»Grandpa?«, rief Cally und rannte auf das Haus zu.
»RUNTER, RUNTER, RUNTER!«, brüllte O'Neal und warf sich selbst zu Boden.
Als die Schockwelle sie erfasste, war sie kaum wahrnehmbar, aber man konnte spüren, wie sich der Luftdruck veränderte, und die Bäume auf den Hügeln schwankten wie bei einem Sturm. Dann traf sie die Bodenwelle wie ein kleines Erdbeben.
»Was zum Teufel läuft da ab ?«, rief Cally. Sie lag etwa fünf Meter von der Haustür entfernt auf dem Bauch.
» Alles klar !«, rief Papa O'Neal, stand auf und hetzte auf das Haus zu. »Rein mit dir!«
»War das das, was ich annehme?«, fragte Cally, als sie die Tür hinter sich geschlossen hatten.
»Das war ein Nuke«, antwortete Papa O'Neal. »Ich denke, es war das SheVa des Korps; Richtung und Größe stimmen etwa, wenn ich mich richtig erinnere.«
Cally war Sekundenbruchteile vor ihm im Bunker und fing an, in ihren Kevlar-Panzer zu schlüpfen. »Auf Nukes sind wir nicht eingestellt, Grandpa.«
»Ich weiß«, sagte er und schaltete die Minenfelder und die Elektronik ein, ehe er ebenfalls nach seiner Panzerung griff. »Mich nervt, dass ich nicht weiß, was da draußen läuft.« Er schaltete von einer Kamera auf die nächste, aber die meisten waren tot. »Verdammter EMP.«
»Was machen wir jetzt?«, wollte Cally wissen.
O'Neal überlegte. Wenn es nur ein Nuke war, genauer gesagt, wenn nur das SheVa hochgegangen war, war es möglicherweise gar nicht so schlimm. Das hing natürlich davon ab, wo sich das Geschütz befunden hatte, als es in die Luft flog. Aber der Wall sollte davon nicht betroffen sein. Dort wurde immer noch gekämpft; zumindest hörte man die schweren Geschütze. Natürlich konnten das auch Posleen sein – aber er wollte positiv denken.
Im Grunde boten sich ihnen zwei Möglichkeiten: Plan A sah vor, im Bunker zu bleiben und auf alles zu schießen, was ins Tal kam, und abzuwarten, bis die Army die Posleen erledigt hatten. Plan B besagte: schleunigst abhauen. Da die Farm seit Generationen ihrer Familie gehörte, war das nicht der Plan, dem sie den Vorzug gaben.
Ohne zu wissen, wie es um das Korps stand, hatte er keine Ahnung, für welchen Plan er sich entscheiden sollte. Er griff nach dem Telefon, das im Bunker installiert war, aber da war nicht einmal ein Wählton zu hören. Er konnte zur Hügelkuppe hinaufgehen, von wo aus er das Korps sehen
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