Jenseits Der Schatten
Sternenfeuer, Hrothan Stahlbieger. Selbst die anderen Blutjungen hatten Namen, die etwas bedeuteten: Hu Gibbet, Scarred Wrable. Warum Durzo Blint? Ist das ein weiterer altjaeranischer Witz?«
Dehvi lachte. »Eine Fangfrage. Ich habe dir nie erzählt, warum ich diesen Namen gewählt habe. Aber um dir zu antworten, es sollte eigentlich Durzo Flint sein. Flint wie Feuerstein. Ich war betrunken. Irgendjemand wiederholte den Namen als Blint, und es war mir nicht wichtig genug, um ihn zu korrigieren. Nächste Frage?«
»Flint macht erheblich mehr Sinn, Ihr alter Bastard.«
»Nur der Natur nach, nicht der Geburt nach. Sonst noch etwas?«
Kylars Miene wurde grimmig. »Was ist der Preis der Unsterblichkeit?«
»Du kommst gleich zur Sache, hm?«, bemerkte Durzo. Er räusperte sich und wandte den Blick ab. »Jedes neue Leben kostet das Leben eines Menschen, den du liebst.«
Da war es, so einfach. Wenn Durzo ihm das vor dem Staatsstreich gesagt hätte, wäre alles anders gekommen. Natürlich hatte Durzo versucht, es ihm zu erzählen, in seinem Brief.
»Gibt es irgendeine Möglichkeit, das zu beenden?«, fragte Kylar.
»Meinst du, du willst deine Unsterblichkeit beenden, oder willst du beenden, dass jemand anderer sterben muss?«
»So oder so. Beides.«
»Der Wolf hat mir niemals die Grenzen verraten - vielleicht kannte er sie selbst nicht. Ich habe alles vermieden, was meinen Körper zur Gänze zerstört hätte, wie zum Beispiel verbrannt oder gevierteilt zu werden.«
»Und Curoch?«
Durzo warf Kylar einen scharfen Blick zu. »Ein tödlicher Hieb von Curoch würde die Unsterblichkeitsmagie zerstören. Jorsin fürchtete den Verschlinger. Er sorgte dafür, dass es zumindest eine Möglichkeit gab, einen Unsterblichen zu töten.«
Kylar fühlte sich plötzlich seltsam entrückt. Er redete mit jemandem, der Jorsin Alkestes gekannt hatte. Jorsin Alkestes! Und Jorsin hatte die Magie gefürchtet, die Kylar besaß. »Wie wäre es, zu verhindern, dass die Unsterblichkeit einen anderen das Leben kostet?«, fragte Kylar.
Durzo seufzte. »Du denkst, in sieben Jahrhunderten hätte ich das nicht versucht? Es ist eine tiefe Magie, Junge. Ein Leben für ein Leben. Der Wolf kann es hinauszögern, aber er kann es nicht verhindern, und nicht einmal das Hinauszögern ist einfach für ihn.«
Kylar räusperte sich. »Was ist, wenn ich in der Zeit zwischen
meinem Tod und dem Tod der Person, die für mich sterben wird, durch Curoch getötet würde?«
Der Ausdruck auf Durzos Gesicht machte klar, dass Kylars Frage viel zu konkret war, als dass man sie als rein theoretisch hätte abtun können. »Junge, du hast keine Ahnung, wie Curoch ist -«
»Doch, ich habe sehr wohl eine Ahnung, ich habe es in Ezras Wald geworfen.«
»Du hast was getan?!«
»Ich habe einen Handel mit dem Wolf geschlossen. Euren Brief habe ich erst später bekommen.«
Durzo rieb sich die Schläfen. »Und was hat er dir als Gegenleistung für das mächtigste Artefakt der Welt gegeben?«
»Er hat mich schneller ins Leben zurückkehren lassen - und er hat mir meinen Arm zurückgegeben, den ich mir abgeschnitten hatte.«
Durzos leerer Blick war allzu vertraut, obwohl er aus mandelförmigen Augen kam. Der Blick deutete an, dass er in bisher unausgelotete Tiefen der Dummheit schaute. »Und während du einen Gottkönig und eine cenarische Königin ermordet und einen Mann aus dem Loch gerettet und zum König gemacht hast, wann hast du da noch die Zeit erübrigt, das begehrteste magische Schwert der Welt zu finden und wieder zu verlieren?«, fragte Durzo.
»Ich habe nur eine Woche dazu gebraucht. Lantano Garuwashi hatte es. Ich habe mich deswegen mit ihm duelliert.«
»Ist er so gut, wie man sagt?«
»Besser. Und er hat nicht einmal magisches Talent.«
»Wie hast du dann gesiegt?«, fragte Durzo.
»He!«, protestierte Kylar.
»Kylar, ich habe dich ausgebildet. Du bist nicht der Beste.
Eines Tages vielleicht. Also ist er entweder nicht so gut, wie man sagt, oder du hattest Glück, oder du hast gemogelt.«
»Ich hatte Glück«, gab Kylar zu. »Aber ist das so schlimm? Ich meine, dass ich Curoch in den Wald geworfen habe?«
»Weißt du, wer der Wolf ist?«, fragte Durzo.
»Das wäre die nächste Frage gewesen.«
»Die bessere Frage ist, wer der Wolf war. Niemand weiß, was er jetzt ist.«
»Ich schlucke den Köder. Wer war der Wolf?«, fragte Kylar.
»An Jorsin Alkestes’ Hof gab es einen Magier mit goldenen Augen. Sein magisches Talent war eine Spur geringer als
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