Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Jenseits des Bösen

Jenseits des Bösen

Titel: Jenseits des Bösen Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Clive Barker
Vom Netzwerk:
Danke.«
    Sie ging in die Küche und ließ Grillo in einem Zimmer zurück, in dem jedes Möbelstück mit Zeitschriften, Spielsachen oder schmutziger Wäsche übersät war. Erst als er sich Platz 362
    schaffte, merkte er, daß er einen Zuschauer hatte. Philip stand am Ende des Durchgangs, der zu seinem Schlafzimmer führte.
    Sein Ausflug zum Einkaufszentrum am Vorabend war verfrüht gewesen. Er sah immer noch krank aus.
    »Hi«, sagte Grillo. »Wie geht's?«
    Der Junge lächelte überraschenderweise, ein breites, offenes Lächeln.
    »Hast du es gesehen?« sagte er.
    »Was gesehen?«
    »Im Einkaufszentrum«, fuhr Philip fort. »Du hast sie gesehen. Ich weiß es. Die schönen Lichter.«
    »Ja, die habe ich gesehen.«
    »Ich habe Ballon-Mann davon erzählt. Darum weiß ich, daß ich nicht geträumt habe.«
    Er kam immer noch lächelnd zu Grillo.
    »Ich habe dein Bild bekommen«, sagte Grillo. »Danke.«
    »Die brauche ich jetzt nicht mehr«, sagte Philip.
    »Wie das?«
    »Philip?« Ellen kam mit Kaffee zurück. »Geh Mr. Grillo nicht auf die Nerven.«
    »Keineswegs«, sagte Grillo. Er sah Philip wieder an. »Vielleicht können wir uns später über Ballon-Mann unterhalten«, sagte er.
    »Vielleicht«, sagte der Junge, als hinge das einzig und allein von Grillos gutem Benehmen ab. »Ich gehe jetzt«, sagte er zu seiner Mutter.
    »Klar, Herzblatt.«
    »Soll ich ihm hallo sagen?« wandte sich Philip an Grillo.
    »Bitte«, antwortete Grillo, ohne recht zu wissen, was der Junge meinte. »Sehr gerne.«
    Zufrieden ging Philip wieder in sein Zimmer.
    Ellen war damit beschäftigt, einen Sitzplatz für sich freizuräumen. Sie hatte Grillo den Rücken zugedreht und arbeitete gebückt. Der schlichte Morgenmantel haftete an 363
    ihrem Körper. Ihre Gesäßbacken waren schwer für eine Frau ihrer Größe. Als sie sich wieder umdrehte, hatte sich der Saum des Ausschnitts verschoben. Die Falten entblößten das Brustbein. Sie hatte dunkle, glatte Haut. Sie bemerkte seinen abschätzenden Blick, als sie ihm Kaffee einschenkte, versuchte aber nicht, den Mantel zuzuziehen. Der Spalt führte Grillo jedesmal, wenn sie sich bewegte, in Versuchung.
    »Ich bin froh, daß Sie gekommen sind«, sagte sie, als sie sich gesetzt hatten. »Ich habe mir Sorgen gemacht, als Ihre Freundin...«
    »Tesla.«
    »Tesla. Als Tesla mir gesagt hat, daß Sie krank sind. Ich gab mir die Schuld.« Sie trank einen Schluck Kaffee. Sie zuckte heftig zurück, als er ihre Zunge berührte. »Heiß«, sagte sie.
    »Philip hat mir gesagt, daß Sie gestern unten im
    Einkaufszentrum waren.«
    »Sie auch«, antwortete sie. »Wissen Sie, ob jemand verletzt worden ist? Die vielen Glasscherben.«
    »Nur Fletcher«, antwortete Grillo.
    »Kenne ich nicht.«
    »Der Mann, der verbrannt ist.«
    »Es ist jemand verbrannt?« sagte sie. »Mein Gott, das ist schrecklich.«
    »Sie haben es doch sicher gesehen?«
    »Nein«, antwortete sie. »Wir haben nur die Scherben gesehen.«
    »Und die Lichter. Philip hat von Lichtern gesprochen.«
    »Ja«, sagte sie eindeutig verwirrt. »Das hat er zu mir auch gesagt. Wissen Sie, ich kann mich nicht daran erinnern. Ist es wichtig?«
    »Wichtig ist, daß Sie beide wohlauf sind«, sagte er und verbarg seine Verwirrung hinter der Platitüde.
    »Oh, uns geht es gut«, sagte sie, sah ihn unmittelbar an, und ihr Gesicht war plötzlich gar nicht mehr verwirrt. »Ich bin 364
    müde, aber sonst geht es mir gut.«
    Sie beugte sich nach vorne und stellte die Kaffeetasse ab, und dieses Mal ging der Morgenmantel soweit auf, daß Grillo ihre Brüste sehen konnte. Er zweifelte nicht daran, daß sie genau wußte, was sie tat.
    »Haben Sie wieder etwas vom Haus gehört?« sagte er und genoß die Befriedigung, vom Geschäft zu reden, während er an Sex dachte.
    »Ich soll dort sein«, sagte Ellen.
    »Wann ist die Party?«
    »Morgen. Ziemlich kurzfristig, aber ich glaube, viele Freunde von Buddy haben mit einer Art Abschiedsfeier
    gerechnet.«
    »Ich wäre gerne bei der Party dabei.«
    »Wollen Sie darüber berichten?«
    »Selbstverständlich. Es dürfte eine beachtliche
    Versammlung werden, nicht?«
    »Ich denke schon.«
    »Aber das ist nur ein Teil der Wahrheit. Wir wissen beide, daß im Grove etwas ganz Außergewöhnliches vor sich geht.
    Gestern nacht, das war nicht nur das Einkaufszentrum...« Er verstummte, als er sah, daß ihr Gesichtsausdruck nach Erwähnung der vergangenen Nacht wieder geistesabwesend wurde.
    War dies eine selbst hervorgerufene Amnesie oder Teil

Weitere Kostenlose Bücher