Jenseits des Bösen
ebensoviel Schmerzen wie Lust.
Im Zimmer, wo sie gewesen waren, zitterten die Tassen wie bei einem gelinden Erdbeben. Staub hauchte über den Tisch, aufgewirbelt von der Bewegung eines beinahe unsichtbaren Etwas, das die hängenden Schultern von der dunkelsten Ecke des Zimmers löste und sich, mehr schwebend als gehend, der Schlafzimmertür näherte. Seine Gestalt war rudimentär, aber dennoch zu solide, daß man sie als bloßen Schatten abtun konnte; es war jedoch so wenig vorhanden, daß auch der Name Gespenst unangebracht war. Doch was immer es gewesen war oder werden würde, es hatte selbst in seinem derzeitigen Zustand ein Ziel. Von der Frau, die ihm momentan durch ihre Träume Stofflichkeit verlieh, angezogen, näherte es sich dem Schlafzimmer. Dort wimmerte es - da ihm Zutritt verwehrt wurde - vor der Tür und wartete auf Anweisungen.
Philip kam aus seinem Allerheiligsten heraus und ging auf der Suche nach etwas Eßbarem in die Küche. Er machte die Keksdose auf, holte Schokoplätzchen heraus und ging wieder dorthin zurück, woher er gekommen war. Er hatte ein
Plätzchen für sich in der linken Hand, und drei in der rechten für seinen Gefährten, dessen erste Worte gewesen waren: »Ich habe Hunger.«
Grillo hob den Kopf von Ellens feuchtem Gesicht. Sie schlug die Augen auf.
»Was ist?« sagte sie.
»Es ist jemand an der Tür.«
Sie hob den Kopf vom Bett und biß ihn ins Kinn. Es tat weh, und er zuckte zusammen.
»Laß das«, sagte er.
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Sie biß noch fester.
»Ellen...«
»Beiß halt auch«, sagte sie.
Er hatte keine Zeit, seinen bestürzten Gesichtsausdruck zu entfalten. Sie erkannte ihn und sagte sofort: »Es ist mein Ernst, Grillo«, und drückte ihm den Finger in den Mund und den Handballen ans Kinn. »Mach auf«, sagte sie. »Ich will, daß du mir weh tust. Hab keine Angst. Ich will es so. Ich bin nicht zimperlich. Und nicht zerbrechlich.«
Er schüttelte ihre Hand ab.
»Mach es«, sagte sie. »Bitte, mach es.«
»Du willst es?«
»Wie oft denn noch, Grillo. Ja.«
Sie nahm die freie Hand hinter seinen Kopf. Er ließ sein Gesicht wieder auf ihres ziehen, knabberte an ihren Lippen und dem Hals und testete ihren Widerstand. Sie leistete keinen.
Statt dessen stöhnte sie, und zwar um so lauter, je fester er biß.
Ihre Reaktion räumte sämtliche Bedenken aus. Er arbeitete sich an ihrem Hals hinab zu den Brüsten, und dabei wurde ihr Stöhnen immer lauter; dazwischen hauchte sie seinen Namen und peitschte ihn an.
Ihre Haut rötete sich, nicht nur von den Bissen, sondern vor Erregung. Plötzlich brach ihr der Schweiß aus. Er faßte mit der Hand zwischen ihre Beine, mit der anderen hielt er ihr die Hände über den Kopf. Ihre Fotze war feucht und nahm seine Finger mühelos auf. Er keuchte vor Anstrengung, sie
festzuhalten, das Hemd klebte ihm am Rücken. So unbequem er lag, das Geschehen erregte ihn: ihr Körper völlig schutzlos, seiner hinter Reißverschluß und Knöpfen eingesperrt. Sein Schwanz tat weh, weil er nicht im richtigen Winkel steif war, aber der Schmerz machte ihn nur noch härter; Schmerz und Härte schaukelten einander hoch, während er sich an ihr gütlich tat und sie, da sie darauf bestand, daß er ihr Schmerzen zufügte, noch weiter spreizte. Ihre Fotze schmiegte sich heiß 369
um seine ausgestreckten Finger, ihre Brüste waren von den doppelten Halbmonden gezeichnet, die seine Zähne
hinterlassen hatten. Ihre Nippel standen wie Pfeilspitzen vor.
Er saugte sie ein; zerbiß sie. Ihr Stöhnen wurde zu
schluchzenden Schreien, ihre Beine zuckten so heftig unter ihm, daß sie beide beinahe vom Bett geworfen wurden. Als er einen Moment nachließ, packte sie seine Hand mit ihrer und stieß ihn noch tiefer in sich hinein.
»Nicht aufhören«, sagte sie.
Er griff den Rhythmus auf, den sie vorgegeben hatte, und verdoppelte ihn, worauf sie mit den Hüften gegen seine Hand stieß, so daß seine Finger bis zu den Knöcheln in sie eindrangen. Während er sie beobachtete, troff Schweiß von seinem Gesicht auf ihres. Sie hob mit zugekniffenen Augen den Kopf, leckte ihm die Stirn und den Mund ab, ohne ihn zu küssen; dennoch war er naß von ihrem Speichel.
Schließlich spürte er, wie sich ihr ganzer Körper
verkrampfte, und sie unterband die Bewegung seiner Hand. Ihr Atem ging kurz und hechelnd. Dann entspannte sich ihr Griff um ihn, der Blut hatte fließen lassen. Sie ließ den Kopf sinken.
Plötzlich war sie so leblos wie zu Beginn, als sie sich hingelegt und vor ihm
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