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Jenseits des Bösen

Jenseits des Bösen

Titel: Jenseits des Bösen Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Clive Barker
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entblößt hatte. Er rollte von ihr herunter, sein Herzschlag spielte Squash gegen die Wände von Brust und Schädel.
    Sie lagen eine Zeitlang nebeneinander. Er konnte nicht sagen, ob es Sekunden oder Minuten waren. Sie regte sich als erste, richtete sich auf und zog den Morgenmantel um sich. Als er die Bewegung spürte, schlug er die Augen auf.
    Sie knotete den Gürtel und zog den Mantel beinahe prüde zusammen. Er sah ihr nach, wie sie zur Tür ging.
    »Warte«, sagte er. Es war noch nicht vorbei.
    »Nächstesmal«, antwortete sie.
    »Was?«
    »Du hast schon richtig verstanden«, sagte sie. Es hörte sich 370
    an wie ein Befehl. »Nächstesmal.«
    Er stand vom Bett auf, wobei er sich im klaren war, daß seine Erregung jetzt wahrscheinlich lächerlich auf sie wirkte, aber ihre Verweigerung der Gegenseitigkeit erboste ihn. Sie sah ihm lächelnd zu, wie er auf sie zukam.
    »Das war nur der Anfang«, sagte sie zu ihm. Sie rieb sich die Stellen am Hals, wo er sie gebissen hatte.
    »Und was soll ich jetzt machen?« fragte Grillo.
    Sie machte die Tür auf. Kühlere Luft wehte ihm ins Gesicht.
    »Leck deine Finger«, sagte sie.
    Erst jetzt fiel ihm das Geräusch wieder ein, das er gehört hatte, und er rechnete halb damit, Philip zu sehen, wie er von seinem Guckloch zurückwich. Aber es kam nur Luft herein, die die Spucke in seinem Gesicht zu einer dünnen, starren Maske trocknete.
    »Kaffee?« sagte sie. Sie wartete nicht auf eine Antwort, sondern ging gleich in die Küche. Grillo stand da und sah ihr nach.
    Sein von der Krankheit geschwächter Körper reagierte auf den Adrenalinstoß, den er bekommen hatte. Seine Glieder zitterten von innen heraus.
    Er lauschte den Geräuschen des Kaffeemachens: Wasser lief, Tassen wurden gespült. Ohne nachzudenken, hielt er die Finger, die stark nach ihrem Geschlecht rochen, an Nase und Lippen.
    371
    IV

    Showmaster Lamar stieg vor dem Haus von Buddy Vance aus der Limousine und bemühte sich, sein Lächeln zu unterbinden.
    Das fiel ihm schon günstigstenfalls reichlich schwer, aber jetzt
    - ungünstigstenfalls, da sein alter Partner tot und so viele böse Worte zwischen ihnen nicht aus der Welt geschafft waren - war es ihm beinahe unmöglich. Zu jeder Aktion gab es eine Reaktion, und Lamars Reaktion auf den Tod war das Grinsen.
    Er hatte einmal etwas über den Ursprung des Lächelns gelesen. Ein Anthropologe hatte die Theorie aufgestellt, daß es eine weiterentwickelte Reaktion des Affen auf diejenigen war, die im Stamm unerwünscht waren: die Schwachen oder
    Unausgeglichenen. Essentiell besagte es: Du bist
    unzuverlässig. Hau ab! Aus diesem verbannenden Grinsen hatte sich das Lachen entwickelt, das Zähnefletschen vor einem berufsmäßigen Idioten. In seiner Wurzel drückte es ebenfalls Verachtung aus. Es erklärte den Gegenstand der Heiterkeit ebenfalls zu etwas Unzuverlässigem: mit Grimassen hielt man ihn auf Distanz.
    Lamar wußte nicht, ob die Theorie einer Analyse standhielt, aber er war schon so lange Komiker, daß er sie für plausibel hielt. Er hatte, wie Buddy, ein Vermögen damit gemacht, den Narren zu spielen. Der grundsätzliche Unterschied war seiner Meinung - und der zahlreicher gemeinsamer Freunde - nach der, daß Buddy ein Narr gewesen war. Was nicht heißen sollte, daß er nicht um den Mann trauerte; das schon. Vierzehn Jahre lang waren sie die Herren über alle gewesen, die sie zum Lachen gebracht hatten, ein gemeinsamer Erfolg, demzufolge sich Lamar nach dem Tod seines Ex-Partners nur um so
    kläglicher fühlte, trotz der Kluft, die sich zwischen ihnen aufgetan hatte.
    Diese Kluft war schuld daran, daß Lamar die prächtige Rochelle nur ein einziges Mal gesehen hatte, und das auch nur 372
    zufällig bei einem Wohltätigkeitsbankett, bei dem er und seine Frau Tammy an einem Tisch gegenüber von Buddy und seiner Braut des Jahres gesessen hatten. Diese Beschreibung hatte er -
    unter Lachsalven - in mehreren Shows gebraucht. Beim Essen hatte er die Gelegenheit genutzt, Buddy eins auszuwischen, indem er sich mit Rochelle bekanntmachte, als der Bräutigam seine champagnergefüllte Blase leerte. Es war eine kurze Begegnung gewesen - Lamar war zu seinem Tisch
    zurückgekehrt, sobald er sah, daß Buddy ihn gesehen hatte -, aber sie mußte einen Eindruck bei Rochelle hinterlassen haben, denn sie hatte ihn höchstpersönlich angerufen und zu der Party nach Coney Eye eingeladen. Er hatte Tammy davon überzeugt, daß sie sich bei der Trauerfeier nur langweilen würde, und war

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