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Jenseits des Bösen

Jenseits des Bösen

Titel: Jenseits des Bösen Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Clive Barker
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einen Tag früher angereist, damit er noch etwas Zeit für die Witwe hatte.
    »Sie sehen wunderbar aus«, sagte er zu ihr, während er über Buddys Schwelle trat.
    »Könnte schlimmer sein«, sagte sie, eine Antwort, die ihm nicht viel sagte, bis sie ihm eine Stunde später eröffnete, daß die Party zu Ehren von Buddy Vance von keinem geringeren als ihm selbst vorgeschlagen worden war.
    »Sie meinen, er wußte, daß er sterben würde?« sagte Lamar.
    »Nein. Ich meine, daß er zu mir zurückgekommen ist.«
    Hätte er getrunken, hätte er wahrscheinlich den alten Verschlucken-und-Prusten-Routineanfall abgezogen, aber er war froh, es nicht getan zu haben, als ihm klarwurde, daß es ihr todernst damit war.
    »Sie meinen... sein Geist?« sagte er.
    »Das dürfte wohl der Ausdruck sein. Ich weiß es wirklich nicht. Ich bin nicht religiös, daher weiß ich nicht, wie ich es er-klären soll.«
    »Sie tragen ein Kruzifix«, bemerkte Lamar.
    »Das gehörte meiner Mutter. Ich habe es vorher noch nie getragen.«
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    »Warum jetzt? Haben Sie vor etwas Angst?«
    Sie trank von dem Wodka, den sie sich eingeschenkt hatte.
    Es war zu früh für Cocktails, aber sie brauchte ihn zur Beruhigung.
    »Vielleicht ein bißchen«, sagte sie.
    »Wo ist Buddy jetzt?« fragte Lamar und war beeindruckt, wie gut es ihm gelang, ein ernstes Gesicht zu wahren. »Ich meine... ist er hier im Haus?«
    »Ich weiß nicht. Er kam mitten in der Nacht zu mir, sagte, daß er diese Party wünschte, und ging wieder.«
    »Sobald der Scheck eintraf, richtig?«
    »Das ist kein Witz.«
    »Tut mir leid. Sie haben natürlich recht.«
    »Er sagte, er möchte, daß alle in sein Haus kommen und feiern.«
    »Darauf trinke ich«, sagte Lamar und hob das Glas. »Wo immer du bist, Buddy. Skol.«
    Nachdem der Trinkspruch vorbei war, entschuldigte er sich und ging ins Bad. Interessante Frau, dachte er unterwegs.
    Natürlich verrückt und - so wollte es das Gerücht - süchtig nach jeder aufputschenden Chemikalie, die sie bekommen konnte, aber er selbst war auch kein Heiliger. In dem mit schwarzem Marmor verkleideten Bad richtete er sich unter den gaffenden Blicken einer ganzen Reihe von Jahrmarktsmasken eine Prise Kokain und schnupfte gelassen. Seine Gedanken kreisten wieder um die Schönheit unten. Er würde sie haben; so sah es aus. Vorzugweise in Buddys Bett, und mit Buddys Handtüchern, mit denen er sich danach abwischen würde.
    Er ließ sein grinsendes Spiegelbild zurück und ging wieder ins Treppenhaus hinaus. Welches war Buddys Schlafzimmer?
    fragte er sich. Hatte er Spiegel an der Decke, wie in dem Hurenhaus in Tucson, das sie früher einmal gemeinsam
    besucht hatten und wo Buddy gesagt hatte, während er seinen verdammten Riesenschwanz einpackte: Eines Tages, Jimmy, 374
    will ich so ein Schlafzimmer haben?
    Lamar machte ein halbes Dutzend Türen auf, bevor er das Schlafzimmer fand. Es war, wie alle anderen Zimmer auch, mit Jahrmarktsattraktionen geschmückt. Kein Spiegel an der Decke. Aber das Bett war riesig. Groß genug für drei, was immer Buddys Lieblingszahl gewesen war. Er wollte sich gerade umdrehen und wieder nach unten gehen, als Lamar im angrenzenden Badezimmer Wasser fließen hörte.
    »Rochelle, sind Sie das?«
    Aber drinnen war kein Licht an. Offenbar war einfach ein Wasserhahn vergessen worden. Lamar stieß die Tür auf.
    Buddy sagte von drinnen: »Bitte kein Licht.«
    Ohne Koks im Blut wäre Lamar aus dem Haus gewesen,
    bevor der Geist noch einmal sprach; aber die Droge machte ihn so langsam, daß Buddy seinem Partner klarmachen konnte, es bestünde kein Grund zur Angst.
    »Sie sagte, daß du hier bist«, hauchte Lamar.
    »Du hast ihr nicht geglaubt?«
    »Nein.«
    »Wer bist du?«
    »Was soll das heißen, wer ich bin? Jimmy. Jimmy Lamar.«
    »Natürlich. Komm rein. Wir sollten miteinander reden.«
    »Nein... ich bleibe hier draußen.«
    »Da kann ich dich nicht so gut hören.«
    »Dreh das Wasser ab.«
    »Das brauche ich zum Pissen.«
    »Du pißt?«
    »Nur wenn ich trinke.«
    »Du trinkst?«
    »Kannst du mir das zum Vorwurf machen, wo sie unten ist und ich sie nicht berühren kann?«
    »Ja. Zu dumm.«
    »Du mußt es für mich machen, Jimmy.«
    »Was machen?«
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    »Sie berühren. Du bist doch nicht schwul, oder?«
    »Das solltest gerade du besser wissen.«
    »Natürlich.«
    »Wie viele Frauen hatten wir gemeinsam.«
    »Wir waren Freunde.«
    »Die besten. Und ich muß sagen, es ist wirklich nett von dir, daß du mich Rochelle haben

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