Julia Collection Band 26
noch tiefer.
„Du siehst überhaupt nicht aus wie auf dem Foto“, fügte sie hinzu. Damien wirkte jetzt so verlegen, dass Annie fast Mitleid mit ihm bekam.
Nun war Theo an der Reihe. „Und ich war sauer auf dich, weil du mir nur eine verworrene Nachricht zurückgelassen und von mir erwartet hast, dass ich die Dinge für dich in Ordnung bringe. Deshalb habe ich Annie angeboten, dein Zimmer so lange zu benutzen, wie sie in Brisbane bleiben möchte.“
Damien wollte zuerst protestieren, besann sich dann aber eines Besseren. „Und wo sind alle meine Sachen?“
„Die habe ich bei Pop untergebracht.“
Damien wirkte erleichtert, als er das hörte, und nickte. „Vielleicht erbarmt Pop sich meiner ja und lässt mich bei sich übernachten.“
„Du verdienst kein Mitleid“, sagte Theo. „Aber wie ich deinen Großvater kenne, lässt er sich erweichen. Du musst ihm dann nur erklären, warum du kein Dach mehr über dem Kopf hast.“
„Kein Dach über dem Kopf?“ Annie fühlte sich plötzlich schuldig.
Theo sah sie warnend an. „Mach dir seinetwegen keine Sorgen. Mein Vater wird ihn schon bei sich aufnehmen.“
Damien, der sich inzwischen mit seinem Schicksal abgefunden zu haben schien, warf sich seinen blauen Rucksack über die Schulter. Plötzlich fiel Annie auf, wie ähnlich sich Neffe und Onkel sahen. Nicht nur, weil beide braune Augen und dunkles Haar hatten, beide Brille trugen und ziemlich groß waren.
Nachdem er sich bei ihr entschuldigt hatte, merkte man Damien die Intelligenz und Charakterstärke an, die sie bei Theo so sehr bewunderte. In sechs oder sieben Jahren, wenn Damien etwas reifer war, würde die Ähnlichkeit vermutlich noch stärker hervortreten.
Jetzt ging er langsam zur Tür. „Ich hoffe, du fühlst dich wohl in meinem Zimmer, Annie.“ Er sagte es mit einer Würde, die sie ebenfalls an Theo erinnerte. Aber leider grinste er dann ziemlich unverschämt. „Ich kann mir nur nicht vorstellen, dass du mit meinem guten alten Onkel Theo viel Spaß haben wirst.“
„Nun hau schon ab“, fuhr Theo ihn an.
Und Damien verschwand.
„Oh Mann!“ Sichtlich aufgewühlt ließ Annie sich auf einen Stuhl sinken.
Theo sah sie besorgt an. „Tut mir echt leid, dass du die Wahrheit über ihn auf eine so brutale Weise herausfinden musstest.“
Sie runzelte die Stirn. „Aber warum hast du ihn vor mir versteckt? Hättest du mir nicht früher beichten können, was los war?“
Er füllte die Kaffeemaschine auf. „Ich wollte dich schonen.“
„Du wolltest mir Peinlichkeiten ersparen?“ Sie lächelte schwach. „Hast du deshalb alle Sachen aus dem Zimmer entfernen lassen, damit ich nicht merke, wie jung er noch ist?“
„Ja.“
Sie nickte und seufzte dann. „Das war sehr nett von dir. Eigentlich komme ich mir ziemlich dumm vor, wenn ich daran denke, wie leichtgläubig ich war. Ich bin Hals über Kopf in die Großstadt gefahren in der Hoffnung auf ein romantisches Rendezvous – mit einem Teenager.“
Sie sah in das blendende Licht der Morgensonne, das vom Hof durch die Glastüren hereinfiel, und dachte daran, wie aufgeregt und glücklich sie damals gewesen war, so voller Hoffnung.
„Ich war so aufgeregt wegen des Treffens, dass ich deswegen sogar einen Leserbrief an den Mirrabrook Star geschrieben habe.“
„Was ist das?“
Sie verdrehte die Augen. „Unsere kleine Lokalzeitung.“
Theo lächelte. „Hat man dir einen guten Rat gegeben?“
„Ja, einen sehr guten sogar. Genau das, was ich hören wollte.“ Ein freches Lächeln auf den Lippen, stand sie auf, ging durchs Zimmer und stellte sich ins Sonnenlicht, um ihr nasses Haar trocknen zu lassen.
Hinter ihr füllte sich der Raum gerade mit dem köstlichen Duft frisch aufgebrühten Kaffees, und sie wurde langsam ruhiger. Warum sollte sie einen so schönen Morgen verderben, wenn das Geheimnis um Onkel und Neffe endlich gelöst war?
„Weshalb wohnt Damien eigentlich bei dir?“, fragte sie Theo. „Bist du sein Vormund?“
„Nein, er ist mein Neffe, aber meine Schwester ist allein erziehend. Als Damien in die Pubertät kam, wurde sie nicht mehr mit ihm fertig. Du kannst es dir sicher vorstellen, wenn du an seine letzten Verrücktheiten denkst.“
„Du hast seine Erziehung übernommen?“
„Jane hatte das Gefühl, ihm fehle eine männliche Führung, und ich bot mich an, ihr zu helfen. Irgendwann wurde daraus ein Dauerzustand.“
Sie sah ihn an, während sie das verarbeitete. „Dann hast du dich also um Damien gekümmert, solange
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