Julia Extra Band 0213
Reichweite lag, begnügte er sich mit der weichen Stelle unter ihrem Ohr. “Du auch.”
“Was?”
“Du duftest auch viel besser als der Karton.” Für einen Moment ließ er seine Lippen auf ihrer samtweichen Haut verweilen und konnte dabei ihren Puls spüren; sie war nicht so ruhig, wie sie erscheinen wollte. Ihr Parfum war heute sehr unaufdringlich, mit nur noch einem Hauch von Isobels Moschus, gemischt mit einem frischeren und erheblich reizvolleren Duft. Am liebsten hätte er sein Gesicht in ihrem Nacken vergraben und versucht, die unterschiedlichen Aromen einzuordnen. Aber er spürte, wie sie unruhig wurde, und ließ sie los. Schwungvoll setzte er sich auf den Schreibtischrand und gab dem Karton einen Stups. “Ich habe ja schon davon gehört, dass die Juristerei manchmal unangenehm stinkt. Aber ich habe das bis jetzt immer für eine Redewendung gehalten. Was ist denn das für Zeugs?”
“Es handelt sich um einen Steuerfall. Mehr darf ich dir nicht verraten, aber ich muss sämtliche Belege und Quittungen der letzten fünf Jahre durchgehen. Ich glaube kaum, dass es Mr Jones im Endeffekt etwas nützen wird, denn meiner Meinung nach sind hierbei keinerlei Beweise, die seinen Kopf retten könnten. Die hat es vermutlich nie gegeben.”
“Er ist ein Gauner?” Cooper fragte das ohne großes Interesse.
Hannah lächelte: “Das hast du nicht von mir gehört.”
Er griff nach einer obenauf liegenden Rechnung und ließ sie wieder in den Karton fallen. “Jedes einzelne Dokument, hmm? Kein Wunder, dass du einen neuen Job suchst.”
“Ich arbeite daran.” Sie zeigte auf den Computer.
“Ich denke mal, du greifst vermutlich bei jedem Job zu, damit du dieser stumpfsinnigen Routine entkommst.”
“Nicht alles, was ich hier tue, ist so öde. Die Recherchen der maßgeblichen Rechtsprechung für einen bestimmten Fall sind sehr viel interessanter, und das ist meine Hauptaufgabe hier. Aber die Neulinge in einer Kanzlei müssen immer die langweilige Kleinarbeit leisten, irgendjemand muss das ja tun.”
“Ich wollte dich ja eigentlich zum Mittagessen abholen, aber wenn du zu tun hast …”
“Du willst doch sicher nicht meine Jobsuche behindern, nicht wahr, Cooper?”
“Wir könnten uns was bringen lassen. Oder – da du ja gestern deine Hotdogs nicht bekommen hast – ich könnte uns ein paar holen gehen.”
“Würdest du das tun? Das klingt toll. Ich bin übrigens froh, dass du vorbeigekommen bist. Ohne Telefonnummer wusste ich nicht, wie ich dir mitteilen sollte, dass es heute bei mir spät wird.”
“Nein, das geht nicht”, sagte er bestimmt.
Sie verzog ihr Gesicht. “Hör mal, Cooper, unser kleines Abkommen gibt dir nicht das Recht, meinen Tagesablauf zu bestimmen. Warum solltest du das überhaupt wollen? Dir ist doch genauso viel wie mir selbst daran gelegen, dass ich schnell einen neuen Job finde.”
“Normalerweise würde ich mich nicht einmischen, aber heute Abend ist das etwas anderes. Wir geben ein Fest. Ich hatte es ehrlich gesagt vollkommen verdrängt bis heute Morgen, aber es ist seit Wochen geplant. Deswegen musst du auch anwesend sein.”
“Weil es verdächtig wäre, wenn ich nicht da sein würde? Ich verstehe. Was für eine Party ist es denn?”
“Die schlimmste Art: Cocktails und Konversation – und was für eine – mit den Honoratioren, die sich in der wohltätigen Stiftung unserer Familie engagieren.”
“Einschließlich deiner Mutter, nehme ich an?”
“Sie freut sich schon darauf, dich kennenzulernen.”
“Darauf möchte ich wetten”, erwiderte Hannah trocken.
“Es ist eigentlich ihre Party, nicht meine. Seitdem sie das Penthouse neu eingerichtet hat, führt sie es gern vor. Deshalb hatte ich es auch vergessen – und weil diese Veranstaltungen immer todlangweilig sind.”
“Ich könnte Brenton einladen, um die Sache etwas zu beleben.”
“Ich soll ihn wohl beeindrucken?”
“Eigentlich nicht. Ich möchte, dass du durchblicken lässt, dass ich dich überredet habe, einen Teil deiner juristischen Aufträge von uns abwickeln zu lassen. Ansonsten hat er mir versichert, würde er dir anvertrauen, dass ich eine Affäre mit ihm hatte und sein Herz gebrochen habe, als ich beschloss, mich an dich heranzumachen.”
“Und das willst du natürlich nicht.”
“Natürlich nicht. Solange er denkt, dass er mich damit in der Hand hat, kommt er nicht auf noch dümmere Ideen.”
Ihre Argumentation erschien sinnvoll. Und er glaubte eigentlich nicht, dass sie in der Lage
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