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Katakomben (van den Berg)

Katakomben (van den Berg)

Titel: Katakomben (van den Berg) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Mark Prayon
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beim Prager Fenstersturz vor 400 Jahren gemacht
hatten. Aber er hatte sich unter Kontrolle. „Wir haben in der Tat noch keine
Beweise dafür, dass Yves Grangé in die beiden Morde verstrickt ist. Wir werden
ihn auf freien Fuß setzen. Wir müssen ihren Mandanten aber bitten, sich zu
unserer Verfügung zu halten.“ „Schön, dass wir uns einig sind – das hätten wir
doch schneller haben können. Dann hätte ich mich gar nicht hierher bemühen
müssen.“ Der Anwalt setzte ein arrogantes Grinsen auf und verabschiedete sich
mit einem angedeuteten Diener. „Einen wunderschönen Tag wünsche ich!“ „Schleimscheißer“,
murmelte van den Berg vor sich hin, nachdem Vercauteren sein Büro verlassen
hatte. Ein paar Minuten später setzte sich Nicole auf den Stuhl, der noch die
Körperwärme des Anwalts ausstrahlte. „Ich glaube, du hast recht - ich denke,
Grangé können wir vergessen. Er hätte sich natürlich leicht nachts aus seinem
Zimmer schleichen können. Aber die Fahrt nach Brüssel und zurück und das ohne
eigenes Auto?“ „Die beiden Morde brauchten definitiv einige Vorbereitungszeit.
Das kann man nicht mal eben von der Küste aus organisieren, zumindest nicht
allein“, sagte die Psychologin zweifelnd. „Nicole!“, holte der Kommissar aus,
„Muller“. Sie sah ihm an, dass er nervös war. „Ich weiß jetzt, dass der Typ uns
was vorgemacht hat.“ Nicole fixierte van den Berg mit ihren großen braunen
Augen. „Es lagen Hanteln auf dem Stuhl!“ „Hanteln?“ „Ja, Hanteln, silbrig
glänzende Hanteln, auch wenn ich sie mir nicht bewusst angeschaut habe, glaube
ich kaum, dass sie da als Dekoration gelegen haben.“ Nicole dachte nach. „Mir
fällt auch kein anderer Grund ein, Hanteln im Wohnzimmer zu haben, außer …“
„Man benutzt sie“, vollendete der Kommissar. Vier Minuten später saßen die drei
Polizisten im Peugeot. Als sie vor dem Haus standen, fiel van den Berg gleich auf,
dass die Vorhänge zugezogen waren. „Das sieht nicht aus, als würde da jemand ne
Party feiern.“ Sie klingelten – auch nach dem fünften Versuch rührte sich
nichts. Sie schlichen zur Hinterseite des Hauses und stiegen vorsichtig durch die
morsche Terrassentüre ein. „Viel Wert auf Sicherheit scheint der nicht zu
legen“, flüsterte Deflandre. Als sie das Wohnzimmer betraten, fiel van den
Bergs Blick als Erstes auf die Hanteln, die jetzt auf dem Sofa lagen. Die drei
tasteten sich durch die Zimmer des Hauses, in dem die Zeit stehen geblieben
schien. Deflandre durchsuchte den ersten Stock, die anderen den Rest. „Er ist
weg“, raunte van den Berg, dessen Laune sich rapide verschlechterte.
    Deflandre
besorgte Croissants und Milchkaffee. „Für die Einheit Belgiens, für Flandern
und die Wallonie“, frotzelte er sarkastisch, während er Nicole grinsend den
Becher anreichte. Sie hingen in einer Sackgasse fest, ihnen blieb nichts
anderes mehr übrig, als über die Opfer auf die Spur des Mörders zu kommen.
Muller zu finden, konnte dauern. „Wir müssen den Schlüssel bei Bouvier und
seiner Frau suchen“, der nicht fassen konnte, dass sie ganz offensichtlich
einem begabten Schauspieler aufgesessen waren. „Wir sollten uns das Haus noch
einmal gründlicher anschauen“, schlug Nicole vor, während sie den letzten Schluck
aus dem Kaffeebecher nahm. Einen Durchsuchungsbeschluss hatten sie schnell
besorgt, es gab keinen Grund, Zeit zu verlieren.
    Die
Metzgerin setzte eine grimmige Miene auf, als die Kommissare mit einem Dutzend
Schnüfflern aufkreuzten. Renquin winkte den Kommissar zu den
Schafzimmerschränken. „Marc, du stehst doch auf schmierige Geschichten“, lachte
die Spürnase und drückte ihm eine Kladde in die Hand. Van den Berg blätterte
grinsend durch die speckigen Seiten. Bouvier hatte seine Erfahrungen mit den Frauen
des horizontalen Gewerbes bis ins letzte Detail aufgeführt. Die Aufzeichnungen
verrieten, dass der Fleischer eine Vorliebe für Blowjobs hatte. In einer Schachtel entdeckten sie ein Dutzend Amateurfotos von Frauen,
größtenteils in pornografischen Posen. Die Aufnahmen waren offensichtlich im
Rotlichtbezirk hinter dem Gare du Nord gemacht worden. Auf einigen der Fotos
waren die zerrissenen Vorhänge und kaputten Rollos zu sehen, wie sie die Zimmer
in der Rue de la Prairie hatten. Van den Berg winkte Nicole zu sich. „Ich würde
dir dieses Zeug gerne ersparen, aber vielleicht erkennst du eine der beiden.“
Die Psychologin betrachtete die Porno-Bilder mit professioneller

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