Katakomben (van den Berg)
unheimlich wie für die Spurensucher zuvor – der Schacht wurde
mittlerweile von einem leistungsstarken Scheinwerfer ausgeleuchtet. „Du bist
verrückt, dass du dir das antust mit deinem Bein“, sagte Nicole, bevor sie mit
dem Abstieg begannen. „Ich spür doch kaum noch was“, beschwichtigte der
Kommissar. Als sie unten ankamen, wurden seine Schmerzen stärker – er fragte sich,
ob er nicht doch besser auf Nicoles Warnung gehört hätte. In dem Moment aber,
wo die beiden die Katakomben betraten, dachte er nicht mehr an seine Schmerzen.
Wie hypnotisiert standen sie in der riesigen Höhle und betrachteten den eigenwilligen
Mischmasch aus Plüsch und Hightech. „Das ist ja der Hammer – so was habe ich
noch nie gesehen“, meinte der Kommissar fasziniert. „Wenn man nicht wüsste, was
die Typen hier getrieben haben, könnte man sich hier richtig wohlfühlen.“ „Es
muss Jahre gedauert haben, das alles zu bauen. Schau dir das Schwimmbad an, unglaublich.“
„Ich würde gerne mit dir ne Runde schwimmen“, scherzte Nicole. Das würde ich
auch gern, dachte der Kommissar, aber er lächelte nur. Sie kamen an den Aufzug,
wo die Leichen von Hugos Wachleuten in Pfützen aus Blut lagen. „Paul ist ja
manchmal übertrieben penibel, aber dass er an die MPs gedacht hat, war schon
clever“, sagte van den Berg, als er die durchlöcherten Körper der Wachleute studierte.
„Ich habe genug, lass uns hier verschwinden“, schlug Nicole vor. Sie planten,
in den nächsten Tagen in die Katakomben zurückzukehren – die Mädchen sollten
ihnen dann erzählen, was sich in den letzten Jahren unter der Erde abgespielt
hatte.
Hugo
erreichte die Hütte, die perfekt getarnt hinter Bäumen lag. Sein Handy hatte er
längst entsorgt, das Notebook aber nicht retten können – es war in seinem
Mercedes verbrannt. Er konnte den Verlust verschmerzen, denn die gespeicherten
Informationen über die Mädchen, die Entführungspläne und die Daten der Killer
brauchte er nicht mehr. Hauptsache, die Bullen konnten sie jetzt nicht mehr in
die Finger kriegen. Die Hütte war gut ausgestattet, es gab kistenweise Konserven
und Getränke, mit denen man monatelang überleben konnte. Und es gab ein Laptop,
mit dem Hugo Kontakt zu Fontaine aufnehmen konnte. Er schrieb nur vier Worte:
„Wie geht es weiter?“ Hugo hatte keine Ahnung, was der Jäger plante, noch nicht
einmal, ob er in seiner nächsten Partie wieder mitspielen durfte. Was er aber
wusste, war, dass Fontaine es geschafft hatte, zu entkommen. Nur noch nicht
wie.
Van
den Berg trommelte ungeduldig die Kollegen zusammen. „Die Fahndung nach Hugo
und Fontaine hat nichts gebracht. Aber dass wir die Mädchen in Sicherheit
haben, bringt uns in den Medien vielleicht ein paar warme Worte.“ Die Kollegen
nickten. „Sie bekommen erst einmal psychologische Betreuung – dann werden wir
mit ihnen reden. Nicole und ich werden erstmal einen Krankenbesuch machen.
Frank, du gehst in Erics Wohnung und siehst dich da um. Ich möchte die
Geschichte unter Verschluss halten, solange es geht. Wenn publik wird, dass ein
Polizist mit Mädchenmördern zusammenarbeitet, könnt ihr euch sicher vorstellen,
was hier los ist.“ Der Verrat ihres Kollegen hatte die Polizisten genauso
geschockt, wie die ekelhaftesten Verbrechen, mit denen sie je zu tun hatten.
Van
den Berg und Nicole waren baff, als sie zu Dimitri Shevchenko ans Krankenbett
kamen. Der ukrainische Killer machte trotz seiner schweren Schussverletzungen
einen munteren Eindruck. Nur reden wollte Hugos Handlanger mit keiner Silbe.
Vom behandelnden Arzt hatten sie erfahren, dass der Patient ganz passables
Französisch mit provenzalischem Dialekt sprach. „Wir wissen, dass sie uns
verstehen“, begann Nicole, die sich von ihrer weichen Seite zeigte. „Sehen sie,
wir könnten wunderbar zusammenarbeiten. Sie erzählen uns, wo wir nach Hugo und
Fontaine suchen müssen. Dann fällt mir ganz schnell einiges ein, das wir für
sie tun könnten. Wenn sie es allerdings vorziehen zu schweigen, dann schmoren sie
für die drei Morde solange in der Hölle, bis sie tot sind!“ Nicole schaute dem
Killer warmherzig in die Augen, aber der zeigte keine Regung. „Wollen sie
wirklich den Rest ihres Lebens in einem tristen kleinen Loch verbringen und dazu
noch als Mädchenmörder? Wenn sie großes Glück haben, kommen sie in die
Psychiatrie und laufen in einer Zwangsjacke herum, bis sie tot sind.“ Der
Killer antwortete leise: „Und wenn ich ihnen sagen würde, wo sie Hugo
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