Kater Serano ermittelt 01 - Katzengold
Reiner den Straßensänger in befremdlichem Glitzerfummel, die Lippen um ein altertümliches Mikrophon geschmiegt, Nils als Hamlet und daneben einen Indianer mit Federkrone und allem Drum und Dran, der düster ins Nichts starrte. Nico grinste, als Liebermann sie fragte, was sie Jürgen dafür bezahlt hatte, ihn so ablichten zu dürfen. »Er hätte mich dafür beinahe zur Teilhaberin seiner Bar gemacht! Kannst du die überflüssigen Rahmen in die Speisekammer stellen? Die Tür neben der Spüle in der Küche.«
Als Liebermann die Tür zur Speisekammer öffnete, fiel ihm von oben ein Schlittschuh entgegen und zertrümmerte beinahe seinen Schädel. Der Raum verdiente den Namen Speisekammer schon längst nicht mehr. Vielmehr war er ein kompaktes Konglomerat aus ineinander verzahnten Gegenständen, das von den Wänden nur aus Gründen des Sichtschutzes umschlossen wurde. Ein Zahnstocher hätte hier vermutlich noch Platz gefunden, nicht aber ein Paket von der Größe einer Tischplatte.
Unter Lebensgefahr machte Liebermann sich daran, ein Schaukelpferd aus der Umarmung einer Matratze und eines Scheinwerfers zu befreien, wobei er einen Regen von leeren Aktenordnern auslöste. Er stellte das Schaukelpferd vorläufig in der Küche ab, wo es sogleich von den Mädchen okkupiert wurde, dann schob er die Rahmen in die gewonnene Lücke. Als er sie halb drinnen hatte, hakten sie fest. Liebermann ruckelte und schob, aber es half nichts. Er zog den Tisch wieder heraus und kroch in die schmale Passage, um nachzusehen, was sich ihm da in den Weg gelegt hatte. Einen halben Meter hinter der Tür traf er auf einen alten Spiegel, der beim Entfernen des Schaukelpferds dorthin gerutscht sein musste. Liebermann lehnte ihn gegen die Matratze zu seiner Rechten und kroch zurück.
Nächster Versuch. Die Rahmen bewegten sich locker bis zur selben Stelle wie vorher. Als Liebermann versuchte, sie am nunmehr aufrecht stehenden Spiegel vorbeizuleiten, kippte er um.
Hinter ihm kicherten die Mädchen. Und zu allem Übel fühlte Liebermann, wie sich die Kralle in sein Rückenmark bohrte.
»Geht’s?«, rief Nico aus dem Flur.
»Kein Problem.«
Mit einem Ruck zog Liebermann die Rahmen wieder aus der Kammer, vernahm das Geräusch reißenden Stoffes, was ihm egal war, und kroch abermals in den Spalt. Diesmal nahm er den Spiegel mit hinaus. Er konnte ihn später neben die Rahmen schieben.
Die beste Idee, die er je gehabt hatte, dachte er, als das vermaledeite Paket bis zum Anschlag mit dem Gerümpel der Kammer verschmolz. Liebermann klopfte seine staubigen Jeans ab und wollte zurück ins Wohnzimmer gehen, als sein Blick auf den Spiegel fiel, der noch immer am Kühlschrank lehnte. Seufzend nahm er ihn mit zu Nico hinüber.
»Was ist damit?«
»Er ist blind. Und er passt nicht mehr in die Kammer.«
»Er ist von meiner Oma.«
»Er ist trotzdem blind. Ein blinder Spiegel bringt Unglück.«
»Sagt wer?«
»Kommissarin Allhorn.« Er merkte es im selben Augenblick, als Nico die Brauen hochzog. »Eine ... der Ermittlerinnen meines Autors.«
Er wagte es nicht, Nico länger anzusehen. Warum nicht jetzt: Hallo, ich bin von der Polizei. Sie würde ihn deshalb nicht aus der Wohnung jagen.
Als er den Mund öffnete, sagte Nico: »Na schön. Dann verfrachten wir ihn bis zum nächsten Sperrmüll in den Keller.«
Während sie die deckengeschützten Bilder im Kofferraum ihres Hebammenautos verstaute, folgte Liebermann Zyra in den Keller. »Es tut mir leid«, sagte er. »Das mit Bismarck.«
Zyra lächelte ihn an, und Liebermann wurde gewahr, dass er gerade zum zweiten Mal an diesem Tag und überhaupt in seinem Leben jemandem wegen einer Katze kondolierte.
»Nils sagt, dass sein Körper müde war. Deshalb ist Bismarck in eine andere Katze gegangen, eine kleine, vielleicht in eins von Majas Babys.«
Maja? Wer war schon wieder Maja. Aber Liebermann kam nicht dazu nachzufragen. »Eins, zwei, drei, vier«, zählte Zyra. Sie blieb stehen und schob eine angelehnte Tür auf. »Hier.« Dann ging sie wieder nach oben.
Im Vergleich zur Speisekammer war der Keller fast leer. Durch ein Fensterchen fiel ein wenig staubiges Licht auf zwei Fahrräder und ein Paar Skier. Links stand ein Schlitten mit einer Decke darauf.
Aber dahinter war Platz genug. Liebermann trug den Spiegel am Schlitten vorbei und lehnte ihn gegen die Wand. Dabei fiel sein Blick auf die Decke, die zusammengefaltet auf dem Schlitten ruhte. Unwillkürlich machte er einen Schritt rückwärts.
Es lag nicht
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