Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Kinder Des Nebels

Kinder Des Nebels

Titel: Kinder Des Nebels Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Brandon Sanderson
Vom Netzwerk:
tropfte das Regenwasser herunter. »Meister Hammond, ich benötige ein wenig Weißblech. Ich glaube, ihr Vorrat ist erschöpft.«
    Hamm stürzte herbei, als Sazed Vin auf den Küchentisch legte. Ihre Haut war feucht und bleich, und ihr dünner Körper war völlig durchnässt.
    Sie ist so klein,
dachte Kelsier.
Kaum größer als ein Kind. Wie konnte ich es zulassen, dass sie mich begleitet?
    In ihrer Seite klaffte eine lange, blutige Wunde. Sazed legte etwas beiseite - ein großes Buch, das er unter Vin in den Armen gehalten hatte - und nahm von Hammond eine Phiole entgegen.
    Er beugte sich hinunter und schüttete dem bewusstlosen Mädchen die Flüssigkeit in den Mund. Es wurde still im Zimmer, nur der Klang des prasselnden Regens drang durch die noch offen stehende Tür.
    Vins Gesicht bekam wieder etwas Farbe, und ihr Atem wurde regelmäßiger. Mit seinen allomantisch geschärften Sinnen bemerkte Kelsier, dass sie leicht in einem Rhythmus pulsierte, der dem des Herzschlages glich.
    »Ah, gut«, sagte Sazed und wickelte Vins behelfsmäßigen Verband auf. »Ich hatte schon befürchtet, ihr Körper wäre noch zu unvertraut mit der Allomantie, um die Metalle auch in bewusstlosem Zustand verbrennen zu können. Ich glaube, es besteht Hoffnung für sie. Meister Cladent, ich benötige einen Topf kochenden Wassers, einige Bandagen und die Medizintasche aus meinem Zimmer. Bitte rasch!«
    Keuler nickte und gab seinen Lehrlingen das Zeichen, die Befehle auszuführen. Kelsier krümmte sich innerlich zusammen, als er Sazed bei der Arbeit beobachtete. Die Wunde war schrecklich - viel schlimmer als jede, die er selbst überlebt hatte. Sie reichte bis tief in Vins Eingeweide; es war die Art von Wunde, die langsam, aber unweigerlich zum Tode führte.
    Jedoch war Vin kein gewöhnlicher Mensch. Weißblech hielt einen Allomanten auch dann noch am Leben, wenn der Körper schon lange aufgegeben hatte. Überdies war Sazed kein gewöhnlicher Heiler. Religiöse Riten waren nicht das Einzige, das die Bewahrer mit ihrem unheimlichen Erinnerungsvermögen speicherten. Ihre Metallgeister enthielten gewaltige Mengen von Informationen über Kultur, Philosophie und Wissenschaft.
    Keuler scheuchte seine Lehrlinge aus dem Zimmer, als die Operation begann. Sie dauerte erschreckend lange. Die ganze Zeit über drückte Hamm auf die Wunde, während Sazed langsam Vins Eingeweide vernähte. Endlich verschloss Sazed auch die äußere Wunde und legte einen frischen Verband an; dann bat er Hamm, das Mädchen vorsichtig ins Bett zu legen.
    Kelsier sah zu, wie Hamm Vins erschlafften Körper aus der Küche trug. Dann wandte er sich fragend an Sazed. Docksohn saß in der Ecke; er war der Einzige, der sich noch in dem Zimmer befand.
    Sazed schüttelte ernst den Kopf. »Ich weiß nicht, Meister Kelsier. Sie könnte überleben. Wir müssen sie mit Weißblech versorgen; das wird ihrem Körper helfen, neues Blut zu bilden. Trotzdem habe ich viele starke Männer an kleineren Wunden sterben sehen.«
    Kelsier nickte.
    »Ich befürchte, ich bin zu spät gekommen«, sagte Sazed. »Als ich feststellte, dass sie Renoux' Haus verlassen hatte, bin ich so schnell wie möglich nach Luthadel gereist. Ich habe einen ganzen Metallgeist verbraucht, um die Reise zu unternehmen. Dennoch war ich zu langsam ...«
    »Nein, mein Freund«, meinte Kelsier. »Du hast heute Nacht Großes geleistet. Du warst viel besser als ich.«
    Sazed seufzte, streckte den Arm aus und betastete das große Buch, das er vor dem Beginn der Operation beiseitegelegt hatte. Das Buch war nass von Regenwasser und Blut. Kelsier betrachtete es und runzelte die Stirn. »Was ist das denn?«
    »Ich weiß es nicht«, antwortete Sazed. »Ich habe es in der Nähe des Palastes gefunden, als ich nach dem Kind gesucht habe. Es ist in Khlenni verfasst.«
    Khlenni, die Sprache von Khlennium - das uralte Heimatland des Obersten Herrschers aus der Zeit vor seiner Erhebung. Kelsier streckte den Kopf vor. »Kannst du es übersetzen?«
    »Vielleicht«, sagte Sazed, der plötzlich sehr müde klang. »Aber ... nicht jetzt, befürchte ich. Nach diesem Abend brauche ich erst einmal eine Ruhepause.«
    Kelsier nickte und rief nach einem der Lehrlinge, damit dieser Sazed eine Kammer zurechtmachte. Der Terriser nickte dankbar und stieg müde die Treppe hoch.
    »Heute Abend hat er mehr als nur Vins Leben gerettet«, sagte Docksohn, der leise von hinten herbeikam. »Was du getan hast, war dumm, selbst für deine Verhältnisse.«
    »Ich musste

Weitere Kostenlose Bücher