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Kinder Des Nebels

Kinder Des Nebels

Titel: Kinder Des Nebels Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Brandon Sanderson
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Sie müsse lernen, sagte er. Sie musste lernen ...
    Doch dafür schienen die Schmerzen zu stark zu sein. Es war lange her, seit es zum letzten Mal so wehgetan hatte.
    Sie hustete leicht und öffnete die Augen. Sie lag in einem Bett, das viel zu bequem war, und ein schlaksiger Junge von etwa fünfzehn Jahren saß auf einem Schemel neben ihr.
    Lestiborner,
dachte sie. So heißt er.
Ich bin in Keulers Laden.
    Lestiborner sprang auf die Beine. »Du bis wach!«
    Sie versuchte zu sprechen, konnte aber nur husten. Rasch gab ihr der Junge eine Schale mit Wasser. Dankbar nippte Vin daran und zog wegen der Schmerzen in ihrer Seite eine Grimasse. Ihr ganzer Körper fühlte sich an, als sei er kräftig durchgeprügelt worden.
    »Lestiborner«, krächzte sie schließlich.
    »Nit mehr«, sagte er. »Hat Kelsier nit gefalln, hat mich umbenannt, in Spuki.«
    »Spuki?«, fragte Vin. »Das passt. Wie lange habe ich geschlafen?«
    »Zwee Wochn«, antwortete der Junge. »Wart hier.« Er huschte davon, und sie hörte, wie er in der Ferne etwas rief.
    Zwei Wochen?
Sie nippte noch einmal an dem Wasser und versuchte ihre verworrenen Erinnerungen zu ordnen. Das rötliche Licht der Nachmittagssonne fiel durch das Fenster und erhellte den Raum. Sie setzte die Schale ab, untersuchte ihre Seite und entdeckte dort einen großen weißen Verband.
    Das ist die Stelle, wo mich der Inquisitor getroffen hat,
dachte sie.
Eigentlich sollte ich tot sein.
    Ihre Seite war grün und blau an der Stelle, wo sie gegen das Dach geprallt war, und ihr Körper hatte noch viele weitere Quetschungen, Prellungen und Kratzer davongetragen. Insgesamt fühlte sie sich schrecklich.
    »Vin!«, rief Docksohn, als er den Raum betrat. »Du bist wach!«
    »Kaum«, erwiderte Vin unter Ächzen und lehnte sich gegen die Kissen.
    Docksohn lächelte, ging zu ihr hinüber und setzte sich auf Lestiborners Schemel. »An wieviel erinnerst du dich?«
    »An fast alles, glaube ich«, antwortete sie. »Wir haben uns den Weg in den Palast freigekämpft, aber da waren diese Inquisitoren. Sie haben uns gejagt, und Kelsier hat gegen sie gekämpft ...« Sie hielt inne und sah Docksohn an. »Ist Kelsier ...?«
    »Es geht ihm gut«, versicherte ihr Docksohn. »Er hat diese Sache viel besser überstanden als du. Er kennt den Palast aus den Plänen, die wir vor drei Jahren erstellt haben, noch recht gut, und er ...«
    Vin runzelte die Stirn, als Docksohn verstummte. »Was ist?«
    »Er sagte, die Inquisitoren schienen es nicht darauf angelegt zu haben, ihn umzubringen. Nur einer hat ihn gejagt, und zwei waren hinter dir her.«
    Warum?,
dachte Vin.
Wollten sie all ihre Kräfte zunächst auf den schwächeren Feind richten? Oder gibt es dafür einen anderen Grund?
Nachdenklich ruhte sie in den Kissen und dachte über die Ereignisse jener Nacht nach.
    »Sazed«, sagte sie schließlich. »Er hat mich gerettet. Der Inquisitor wollte mich töten, aber ... Dox, was ist er?«
    »Sazed?«, fragte Docksohn. »Das ist eine Frage, die er dir selbst beantworten sollte.«
    »Ist er hier?«
    Docksohn schüttelte den Kopf. »Er musste nach Fellise zurückkehren. Weher und Kell sind dabei, weitere Soldaten zu rekrutieren, und Hamm ist letzte Woche aufgebrochen, um unsere Armee zu inspizieren. Er wird frühestens in einem Monat zurückkehren.«
    Vin nickte; sie fühlte sich benommen.
    »Trink den Rest deines Wassers«, riet Docksohn ihr. »Es ist etwas darin, das dir die Schmerzen nimmt.«
    Vin schüttete den Rest herunter, rollte zur Seite und ließ es zu, dass der Schlaf sie wieder übermannte.
    *
    Kelsier war da, als sie erwachte. Er saß auf dem Schemel neben ihrem Bett, hatte die Ellbogen auf den Oberschenkeln abgestützt, die Hände gefaltet und betrachtete sie im schwachen Licht einer Lampe. Als sie die Augen öffnete, lächelte er. »Willkommen im Leben.«
    Sofort griff sie nach dem Becher mit Wasser, der auf einem Tischchen neben ihrem Bett stand. »Was macht unser Plan?«
    Er zuckte die Achseln. »Die Armee wächst, und Renoux hat mit dem Kauf von Waffen und Vorräten begonnen. Dein Vorschlag hinsichtlich des Ministeriums hat sich als gut herausgestellt. Wir haben Therons Vertrag gefunden und stehen kurz vor dem Abschluss eines Abkommens, nach dem wir einen von uns als Lehrling ins Ministerium schicken dürfen.«
    »Marsch?«, fragte Vin. »Wird er es selbst tun?«
    Kelsier nickte. »Er hat schon immer eine gewisse ... Faszination für das Ministerium empfunden. Wenn es einem Skaa gelingen sollte, einen

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