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Kinder Des Nebels

Kinder Des Nebels

Titel: Kinder Des Nebels Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Brandon Sanderson
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schwergefallen, die Treppe zu erklimmen - und ging durch den Korridor zur Bibliothek. Sazed saß an einem Schreibtisch neben einem Kohleofen im hinteren Teil des kleinen Raumes und schrieb etwas auf ein Blatt Papier. Er trug das übliche Gewand des Haushofmeisters, und auf seiner Nasenspitze hockte eine dünnrandige Brille.
    Vin blieb in der Tür stehen und beobachtete den Mann, der ihr das Leben gerettet hatte.
Warum trägt er eine Brille? Ich habe schon gesehen, dass er ohne sie gelesen hat.
Er schien von seiner Arbeit völlig gefangengenommen zu sein. Immer wieder schaute er in ein großes Buch auf dem Schreibtisch, dann kritzelte er Notizen auf sein Papier.
    »Du bist ein Allomant«, sagte Vin leise.
    Sazed hielt inne, legte die Feder ab und sah sie an. »Wieso sagt Ihr das, Herrin Vin?«
    »Du bist zu schnell nach Luthadel gekommen.«
    »Graf Renoux hat einige sehr flinke Botenpferde in seinen Stallungen. Ich hätte eines von ihnen nehmen können.«
    »Du hast mich im Palast gefunden«, sagte Vin.
    »Kelsier hat mir von seinen Plänen erzählt, und ich hatte angenommen, dass Ihr ihm folgt, was ja auch richtig war. Es war reines Glück, dass ich Euch angetroffen habe, und beinahe wäre ich nicht mehr rechtzeitig gekommen.«
    Vin runzelte die Stirn. »Du hast den Inquisitor getötet.«
    »Getötet?«, fragte Sazed. »Nein, Herrin. Es bedarf größerer Kräfte, als sie mir zur Verfügung stehen, um diese Ungeheuerlichkeiten zu töten. Ich habe ihn nur ... abgelenkt.«
    Vin blieb in der Tür stehen und versuchte herauszufinden, warum Sazed sich so unklar ausdrückte. »Bist du nun ein Allomant oder nicht?«
    Er lächelte und zog einen Schemel unter dem Schreibtisch hervor. »Bitte setzt Euch.«
    Vin gehorchte. Sie durchquerte das Zimmer, nahm auf dem Stuhl Platz und lehnte sich gegen ein massives Bücherregal.
    »Was würdet Ihr davon halten, wenn ich Euch sagte, dass ich kein Allomant bin?«, fragte Sazed.
    »Ich würde denken, dass du lügst.«
    »Habt Ihr mich schon einmal bei einer Lüge erwischt?«
    »Die besten Lügner sind diejenigen, die die meiste Zeit über die Wahrheit sagen.«
    Sazed lächelte und betrachtete sie durch seine Brillengläser. »Ich glaube, das entspricht der Wahrheit. Welchen Beweis habt Ihr für Eure Annahme, ich sei ein Allomant?«
    »Du hast Dinge getan, die man ohne Allomantie nicht tun kann.«
    »Ach ja? Ihr seid seit zwei Monaten eine Nebelgeborene, und schon wisst Ihr, was in dieser Welt möglich ist und was nicht?«
    Vin verstummte. Bis vor kurzem hatte sie nicht gerade viel über Allomantie gewusst. Vielleicht gab es doch mehr auf dieser Welt, als sie vermutet hatte.
    Es gibt immer ein weiteres Geheimnis.
Das waren Kelsiers Worte gewesen.
    »Was genau ist ein Bewahrer?«, fragte sie langsam.
    Sazed lächelte. »Das ist schon eine viel klügere Frage, Herrin. Bewahrer sind ... wie Lagerhäuser. Wir behalten Dinge in Erinnerung, damit sie in der Zukunft benutzt werden können.«
    »Zum Beispiel Religionen«, sagte Vin. Sazed nickte. »Religiöse Wahrheiten sind mein Spezialgebiet.«
    »Aber du hast auch andere Dinge auswendig gelernt?« Sazed nickte noch einmal. »Und was?«
    »Nun«, meinte Sazed und schloss das Buch, in dem er gelesen hatte, »Sprachen zum Beispiel.«
    Nun erkannte Vin den mit seltsamen Schriftzeichen bedeckten Einband. »Das ist das Buch, das ich im Palast gefunden habe! Woher hast du es?«
    »Ich bin darauf gestoßen, als ich nach Euch gesucht habe«, erklärte der Terriser. »Es ist in einer sehr alten Sprache verfasst, die schon seit fast einem Jahrtausend nicht mehr gesprochen wurde.«
    »Aber du sprichst sie?«, fragte Vin.
    »Ja. Zumindest reichen meine Kenntnisse vermutlich aus, um es zu übersetzen.«
    »Und ... wieviele Sprachen beherrschst du?«
    »Hundertzweiundsiebzig«, sagte Sazed. »Die meisten davon werden nicht mehr gesprochen, wie Khlenni zum Beispiel. Die Einheitsbewegung des Obersten Herrschers aus dem fünften Jahrhundert hat dafür gesorgt. Die Sprache, derer sich die Menschen nun bedienen, ist eigentlich die Abwandlung eines Dialekts von Terris, der Sprache meiner Heimat.«
    Hundertzweiundsiebzig,
dachte Vin verblüfft. »Das ... klingt unglaublich. Ein einziger Mensch kann doch nicht so vieles im Gedächtnis behalten.«
    »Kein Mensch«, stimmte Sazed ihr zu. »Aber ein Bewahrer. Was ich tue, besitzt Ähnlichkeiten mit der Allomantie, aber es ist nicht dasselbe. Ihr bezieht Eure Macht aus den Metallen, und ich benutze sie, um

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