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Kinder Des Nebels

Kinder Des Nebels

Titel: Kinder Des Nebels Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Brandon Sanderson
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das stimmen sollte, wollte ich lieber sterben, als es zu glauben.«
    Das wäre wohl besser als das, was Kelsier passiert ist: durch die Person, von der man geglaubt hat, dass sie einen liebt, an den Obersten Herrscher verraten zu werden.
    »In letzter Zeit ist Kelsier so anders«, sagte Vin. »Er ist verschlossener geworden. Ist das so, weil er sich schuldig für das fühlt, was mit mir passiert ist?«
    »Ich vermute, das ist einer der Gründe«, bestätigte Sazed. »Allerdings hat er auch erkannt, dass es einen großen Unterschied zwischen dem Anführen einer kleinen Diebesbande und dem Organisieren einer großen Rebellion gibt. Er kann nicht mehr dieselben Risiken eingehen wie früher. Ich glaube, das verändert ihn gerade zum Guten hin.«
    Dessen war sich Vin nicht so sicher. Doch sie sagte nichts dazu und erkannte enttäuscht, wie müde sie war. Selbst das Sitzen auf dem Schemel war anstrengend für sie.
    »Geht und schlaft ein wenig, Herrin«, schlug Sazed vor, nahm den Federkiel wieder auf und suchte nach der Stelle im Buch, an der er vorhin seine Arbeit unterbrochen hatte. »Ihr habt etwas überlebt, das Euch durchaus hätte umbringen können. Gebt Eurem Körper den Dank, den er verdient hat, und schenkt ihm Ruhe.«
    Vin nickte müde, stand mühsam auf und ließ ihn schreibend im nachmittäglichen Licht zurück.

Manchmal frage ich mich, was wohl geschehen wäre, wenn ich dort geblieben wäre - in jenem verschlafenen Dorf meiner Geburt. Ich wäre Schmied geworden, wie mein Vater. Vielleicht hätte ich jetzt eine Familie und eigene Söhne.
    Vielleicht würde dann jemand anderes diese schreckliche Last auf den Schultern tragen. Jemand, der damit viel besser fertig wird als ich. jemand, der es verdient hat, ein Held zu sein.

Kapitel 17
    B evor Vin zum Haus Renoux gekommen war, hatte sie noch nie einen planvoll angelegten Garten gesehen. Bei ihren Einbrüchen oder Spähmissionen waren ihr gelegentlich Zierpflanzen untergekommen, doch sie hatte ihnen nie große Beachtung geschenkt. Wie viele andere Interessen der Adligen war ihr auch diese als leichtfertig und sinnlos erschienen.
    Sie hatte nie zuvor bemerkt, wie schön Pflanzen sein konnten, wenn sie sorgfältig arrangiert waren. Die Terrasse des Hauses Renoux war schmal und oval und bot einen herrlichen Blick auf die Gärten. Sie waren nicht groß, denn sie benötigten zu viel Wasser und Aufmerksamkeit, um mehr als eine dünne Grenzlinie um den rückwärtigen Teil des Hauses bilden zu können.
    Dennoch waren sie wunderbar. Anstatt des alltäglichen Braun und Weiß wiesen die gezüchteten Pflanzen tiefere, sattere Farben auf: Rot, Orange und Gelb, die sich in den Blättern konzentrierten. Die Gärtner hatten sie so gepflanzt, dass sie verschlungene, wunderschöne Muster bildeten. In der Nähe der Terrasse spendeten exotische Bäume mit tiefgelben Blättern Schatten und Schutz vor dem Ascheregen. Die Luft war kühl hier, und das Rascheln der Zweige im Wind wirkte beruhigend.
    Beinahe so beruhigend, dass Vin vergaß, wie verärgert sie war.
    »Möchtest du noch etwas Tee haben, mein Kind?«, fragte Graf Renoux. Er wartete nicht auf eine Antwort, sondern winkte einfach einen Diener herbei, der sofort vorstürzte und ihre Tasse füllte.
    Vin saß auf einem Plüschkissen, und ihr Korbsessel war höchst bequem. Während der letzten vier Wochen hatte man all ihren Wünschen und Launen entsprochen. Diener räumten hinter ihr auf, kümmerten sich um ihr Äußeres, brachte ihr Speisen und halfen ihr sogar beim Bad. Renoux sorgte dafür, dass sie alles erhielt, worum sie bat, und es wurde eindeutig nicht von ihr erwartet, etwas Anstrengendes, Gefährliches oder auch nur entfernt Unangenehmes zu tun.
    Mit anderen Worten, ihr Leben war wahnsinnig langweilig. Früher war ihre Zeit im Hause Renoux von Sazeds Lektionen und Kelsiers Ausbildung in Anspruch genommen worden. Während des Tages hatte sie geschlafen und nur sehr geringe Kontakte zum Personal des Hauses gehabt.
    Doch jetzt war die Allomantie ihr verboten worden - zumindest jene des nächtlichen Springens. Ihre Wunde war erst teilweise verheilt, und bei zu viel Bewegung würde sie sich wieder öffnen. Sazed gab ihr gelegentlich noch Lektionen, doch seine Zeit widmete er hauptsächlich der Übersetzung des Buches. Er verbrachte viele Stunden in der Bibliothek und saß mit einer inneren Aufregung über den Seiten, die für ihn untypisch war.
    Er hat neue Überlieferungen gefunden,
dachte Vin.
Für einen Bewahrer ist das

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