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Kinder Des Nebels

Kinder Des Nebels

Titel: Kinder Des Nebels Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Brandon Sanderson
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vermutlich genauso berauschend wie eine Prise Straßenwürz.
    Verdrießlich nippte sie an ihrem Tee und beäugte die Diener in ihrer Nähe. Sie erschienen Vin wie lauernde Vögel, die nur darauf warteten, es ihr so bequem - und langweilig - wie möglich zu machen.
    Auch Renoux war keine Hilfe. Seine Vorstellung vom Mittagessen mit Vin bestand darin, mit ihr am Tisch zu sitzen und sich um seine eigenen Angelegenheiten zu kümmern - Notizen in Bücher zu machen oder Briefe zu diktieren -, während er aß. Ihre Anwesenheit schien ihm wichtig zu sein, doch er schenkte ihr selten größere Aufmerksamkeit und fragte sie nur, wie denn ihr Tag gewesen sei.
    Doch sie zwang sich, ihre Rolle als affektierte Adelsdame zu spielen. Graf Renoux hatte einige neue Diener eingestellt, die kaum Ahnung von ihren Aufgaben hatten - sie waren keine Hausbediensteten, sondern Gärtner und Handlanger. Kelsier und Renoux hatten befürchtet, die anderen Häuser könnten misstrauisch werden, wenn es ihnen nicht gelang, wenigstens ein paar Dienerspione auf Renoux' Besitzungen zu postieren. Kelsier sah das nicht als Gefährdung ihres Plans an, aber es bedeutete, dass Vin ihre Rolle möglichst immer spielte.
    Ich kann einfach nicht glauben, dass es Leute gibt, die andauernd so leben,
dachte Vin, als ein paar Diener die Reste des Mahls abräumten.
Wie kann eine Adlige den Tag mit so viel Nichts anfüllen? Kein Wunder, dass alle begierig daraufsind, an diesen Bällen teilzunehmen!
    »Schreitet deine Erholung zufriedenstellend voran, meine Liebe?«, fragte Renoux, während er über einem Kassenbuch saß.
    »Ja, Onkel«, sagte Vin durch zusammengebissene Zähne. »Recht gut.«
    »Du solltest bald einen Einkaufsbummel machen«, meinte Renoux und schaute sie an. »Vielleicht würdest du gern die Kentonstraße besuchen? Du könntest den einfachen Knopf, den du am Ohr trägst, durch ein Paar schöne Ohrringe ersetzen.«
    Vin griff sich ans Ohr, wo noch immer der Ohrring ihrer Mutter steckte. »Nein«, sagte sie. »Ich möchte ihn behalten.«
    Renoux runzelte die Stirn, sagte aber nichts mehr, denn ein Diener näherte sich und beanspruchte seine Aufmerksamkeit. »Mein Herr«, sagte der Diener zu Renoux, »gerade ist eine Kutsche aus Luthadel eingetroffen.«
    Vin hob den Kopf. Auf diese Weise teilten die Diener mit, dass Mitglieder der Mannschaft angekommen waren.
    »Ah, sehr gut«, sagte Renoux. »Bring sie her, Taunsohn.«
    »Ja, Herr.«
    Einige Minuten später traten Kelsier, Weher, Yeden und Docksohn auf die Terrasse. Renoux gab den Dienern ein kleines Zeichen, worauf diese die gläsernen Terrassentüren schlossen und die Mannschaft allein ließen. Einige Männer bezogen ihre Positionen auf der anderen Seite der Türen, damit niemand Gelegenheit zum Lauschen hatte.
    »Stören wir euch beim Essen?«, fragte Docksohn.
    »Nein«, meinte Vin rasch und verhinderte somit eine Antwort des Grafen Renoux. »Setzt euch bitte.«
    Kelsier schlenderte zum Rand der Terrasse und schaute hinaus auf den Garten. »Einen hübschen Blick habt ihr von hier aus.«
    »Ist das klug, Kelsier?«, fragte Renoux. »Für einige der Gärtner kann ich meine Hand nicht ins Feuer legen.«
    Kelsier kicherte. »Wenn sie mich aus dieser Entfernung erkennen, dann sind sie mehr wert, als ihnen die Großen Häuser bezahlen.« Er trat allerdings vom Rand der Terrasse zurück, ging zum Tisch, drehte einen der Stühle um und setzte sich falsch herum darauf. In den letzten Wochen war er fast wieder ganz zu seinem alten, vertrauten Selbst zurückgekehrt. Doch einiges an ihm war noch immer anders. Er hielt öfter Versammlungen ab und besprach mehr mit seiner Mannschaft. Und er schien nachdenklicher geworden zu sein.
    Sazed hatte Recht,
dachte Vin.
Unser Angriff auf den Palast mag mir zwar fast den Tod gebracht haben, aber er hat Kelsier zu seinem Vorteil verändert.
    »Wir haben uns entschlossen, unser Treffen diese Woche hier abzuhalten, da ihr beiden so selten daran teilnehmen könnt.«
    »Das ist sehr zuvorkommend von euch«, sagte Graf Renoux. »Aber eure Sorgen sind unbegründet. Es geht uns gut hier ...«
    »Nein«, unterbrach Vin ihn. »Nein, es geht uns nicht gut. Wir brauchen Informationen. Wie geht es der Mannschaft? Wie kommt die Rekrutierung voran?«
    Renoux sah sie verärgert an, doch Vin beachtete ihn nicht.
Er ist kein richtiger Graf,
rief sie sich in Erinnerung.
Er ist nur ein weiteres Mitglied der Bande. Meine Meinung zählt genauso viel wie seine. Jetzt, da die Diener weg sind,

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