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Kinder Des Nebels

Kinder Des Nebels

Titel: Kinder Des Nebels Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Brandon Sanderson
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diese eine Nacht vor vielen Wochen waren sehr verlockend. Die wundervollen tanzenden Paare, die vollkommene Atmosphäre, die schöne Musik, die fantastischen Bleiglasfenster ...
    Ich merke es nicht einmal mehr, wenn ich Parfüm trage,
erkannte sie entsetzt. Sie zog es inzwischen vor, jeden Tag in Duftwasser zu baden, und die Dienerschaft parfümierte sogar ihre Kleidung. Natürlich war das alles sehr unaufdringlich, aber es würde sie verraten, wenn sie herumschnüffelte.
    Ihre Haare waren gewachsen und sorgfältig von Renoux' Friseur geschnitten worden, so dass sie ihr über die Ohren fielen und sich ganz leicht kräuselten. Trotz ihrer langen Krankheit wirkte sie im Spiegel nicht mehr so dürr; die regelmäßigen Mahlzeiten hatten sie etwas rundlicher gemacht.
    Ich werde noch zu ...
Vin hielt inne. Sie wusste nicht, zu was sie wurde. Sicherlich nicht zu einer Adligen. Adlige Damen ärgerten sich nicht darüber, wenn sie nachts nicht herumpirschen konnten. Aber sie war eindeutig nicht mehr Vin, das Straßenkind. Sie war ...
    Eine Nebelgeborene.
    Vorsichtig legte Vin das schöne rote Kleid zurück auf ihr Bett, durchquerte den Raum und schaute aus dem Fenster. Die Sonne ging bereits unter; bald würden die Nebel kommen. Doch Sazed würde wieder Wachen postieren, die dafür sorgten, dass Vin nicht auf einen unerlaubten allomantischen Streifzug ging. Sie hatte sich über diese Vorsichtsmaßnahme nicht beschwert. Er hatte ja Recht. Wenn sie unbeobachtet wäre, hätte sie ihr Versprechen bestimmt schon vor langer Zeit gebrochen.
    Aus den Augenwinkeln bemerkte sie eine Bewegung rechts von ihr und erkannte undeutlich eine Gestalt auf der Terrasse. Es war Kelsier. Vin stand eine Weile da und verließ dann ihr Zimmer.
    Kelsier drehte sich um, als sie die Terrasse betrat. Sie blieb stehen, wollte ihn nicht stören, doch er schenkte ihr sein charakteristisches Lächeln. Sie kam näher und stellte sich neben ihn vor die steinerne Brüstung der Terrasse.
    Er wandte sich wieder um und schaute nach Westen - nicht auf den Garten, sondern auf etwas dahinter. Auf die Wildnis weit jenseits der Stadt, die von der untergehenden Sonne erleuchtet wurde. »Ist es dir jemals falsch vorgekommen, Vin?«
    »Falsch?«, fragte sie zurück.
    Kelsier nickte. »Die vertrockneten Pflanzen, die wütende Sonne, der rauchschwarze Himmel.«
    Vin zuckte die Achseln. »Wie können diese Dinge falsch oder richtig sein? Sie sind nun einmal so.«
    »Vermutlich«, gestand Kelsier ein. »Aber ich glaube, deine Ansicht ist ein Teil dieser Falschheit. Die Welt sollte nicht so aussehen.«
    Vin runzelte die Stirn. »Woher weißt du das?«
    Kelsier griff in seine Westentasche und holte ein Stück Papier hervor. Sanft entfaltete er es und reichte es Vin.
    Sie nahm es entgegen und hielt es vorsichtig in der Hand. Es war so alt, dass es an den Knickfalten zu brechen drohte. Es enthielt keine Wörter, sondern nur ein verblasstes Bild. Seltsame Umrisse waren zu sehen - so etwas wie eine Pflanze, aber es stellte keine dar, die Vin je gesehen hatte. Sie war zu ... zart. Sie hatte keinen dicken Stängel, und ihre Blätter waren viel zu fein. Am oberen Ende trug sie eine seltsame Ansammlung von Blättern, deren Farbe sich von den anderen unterschied.
    »Das nennt man eine Blüte«, erklärte Kelsier. »Sie wuchsen auf Blumen, vor der Erhebung. Beschreibungen von ihnen findet man in alten Gedichten und Erzählungen, und nur die Bewahrer und die Weisen der Rebellen wissen noch etwas darüber. Anscheinend waren diese Pflanzen wunderschön und hatten einen überaus angenehmen Duft.«
    »Pflanzen, die duften?«, fragte Vin. »Wie Früchte?«
    »Etwas in der Art, glaube ich. Einige der Berichte behaupten sogar, dass diese Blüten zu Früchten wurden, in den Tagen vor der Erhebung.«
    Vin stand still da, machte ein ungläubiges Gesicht und versuchte, sich so etwas vorzustellen.
    »Dieses Bild hat meiner Frau Mare gehört«, sagte Kelsier leise. »Docksohn hatte es unter ihren Habseligkeiten gefunden, als wir gefangen genommen wurden. Er nahm es an sich in der Hoffnung, wir würden zurückkommen. Nach meiner Flucht hat er es mir gegeben.«
    Vin betrachtete noch einmal das Bild.
    »Mare war fasziniert von der Zeit vor der Erhebung«, erklärte Kelsier, der noch immer über den Garten hinwegschaute. In der Ferne berührte die Sonne nun den Horizont. »Sie hat Dinge wie dieses Blatt gesammelt: Bilder und Beschreibungen aus den alten Zeiten. Ich glaube, es war diese Faszination -

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