Kinder Des Nebels
auch nicht so elegant wie die der anderen Gäste. Sie schien absichtlich locker geschnitten zu sein, damit sie bequem war, und damit lief sie der Mode des engen Schnitts zuwider.
Elant durchblätterte sein Buch. Geduldig wartete Vin darauf, dass er sie begrüßte, doch er las einfach weiter. Schließlich hob Vin eine Braue. »Ich erinnere mich nicht, Euch die Erlaubnis gegeben zu haben, an meinem Tisch Platz zu nehmen, Graf Wager«, sagte sie.
»Beachtet mich einfach nicht«, sagte Elant und schaute auf. »Ihr habt einen großen Tisch, an dem genug Platz für uns beide ist.«
»Für uns beide vielleicht«, erwiderte Vin. »Aber ich bin mir nicht so sicher, was diese Bücher angeht. Wohin sollen die Diener meine Mahlzeit stellen?«
»Da ist noch ein bisschen Platz links von Euch«, meinte Elant lässig.
Sazeds Blick verfinsterte sich immer stärker. Er trat vor, sammelte die Bücher ein und legte sie auf den Boden neben Elants Stuhl.
Elant las unbekümmert weiter. Allerdings hob er die Hand. »Das ist der Grund, warum ich keine Bediensteten aus Terris beschäftige. Ich muss schon sagen, sie sind einfach unerträglich effizient.«
»Sazed ist wohl kaum unerträglich«, bemerkte Vin kühl. »Er ist ein guter Freund und vermutlich ein besserer Mensch, als Ihr je sein werdet, Graf Wager.«
Endlich sah Elant von seinem Buch auf. »Es ... tut mir leid«, sagte er aufrichtig. »Ich bitte um Entschuldigung.«
Vin nickte. Elant jedoch versenkte sich wieder in sein Buch.
Warum sitzt er an meinem Tisch, wenn er nur lesen will?
»Was habt Ihr auf diesen Festen getan, bevor Ihr mich belästigen konntet?«, fragte sie mit verärgertem Ton.
»Wieso belästige ich Euch denn?«, wollte er wissen. »Ich meine das ernst, Valette. Ich sitze doch nur hier und lese.«
»An
meinem
Tisch. Ich bin sicher, Ihr könntet einen eigenen bekommen. Ihr seid schließlich der Wager-Erbe. Nicht dass Ihr mir diese Tatsache bei unserem letzten Treffen mitgeteilt hättet.«
»Das stimmt«, sagte Elant. »Ich erinnere mich aber, dass ich Euch gesagt habe, die Wagers seien eine unangenehme Sippe. Ich versuche bloß, dieser Beschreibung zu entsprechen.«
»Ihr seid derjenige, der diese Beschreibung gegeben hat!«
»Das ist korrekt«, sagte Elant und lächelte leise, während er weiterlas.
Vin seufzte und bedachte ihn mit einem bösen Blick.
Elant spähte hinter seinem Buch hervor. »Das ist ein verblüffendes Kleid. Es ist fast so schön wie Ihr.«
Vin erstarrte; ihr Mund stand leicht offen. Elant lächelte spitzbübisch und wandte sich wieder dem Buch zu. In seinen Augen glitzerte es, als hätte er das Kompliment nur gemacht, weil er wusste, welche Reaktion er damit hervorrief.
Sazed beugte sich über den Tisch und versuchte nicht, seine Missbilligung zu verbergen. Doch er sagte nichts. Offenbar war Elant so wichtig, dass ein einfacher Diener ihn nicht maßregeln durfte.
Schließlich fand Vin die Sprache wieder. »Wie kommt es, Graf Wager, dass ein begehrenswerter Junggeselle wie Ihr allein auf diese Bälle geht?«
»Oh, ich bin nicht allein«, wandte Elant ein. »Meine Familie hat für gewöhnlich das eine oder andere Mädchen in der Hinterhand, das mich begleitet. Heute Abend ist es Herrin Stase Blanches - das ist die junge Dame in dem grünen Kleid, die uns gegenüber in der unteren Reihe sitzt.«
Vins Blick schweifte über die Tische. Herrin Blanches war eine prachtvolle Blondine. Sie sah immer wieder hinüber zu Elant und Vin und versuchte vergeblich, ihren Unmut zu verbergen.
Vin errötete und wandte den Blick ab. »Solltet Ihr nicht unten bei ihr sitzen?«
»Möglicherweise«, sagte Elant. »Aber ich will Euch ein Geheimnis verraten. Die Wahrheit ist, dass ich nicht unbedingt ein zuvorkommender Mensch bin. Außerdem habe
ich
sie nicht eingeladen. Erst als ich in die Kutsche stieg, wurde ich über meine Begleiterin informiert.«
»Ich verstehe«, sagte Vin und runzelte die Stirn.
»Dennoch ist mein Verhalten beklagenswert. Unglücklicherweise neige ich zu solchen Ausbrüchen von beklagenswertem Verhalten. Nehmt zum Beispiel meine Vorliebe für das Lesen von Büchern bei Tisch. Entschuldigt mich einen Augenblick, ich hole etwas zu trinken.«
Er stand auf, steckte das Buch in seine Westentasche und ging hinüber zu einem der Getränketische im Saal. Vin sah ihm sowohl verärgert als auch verwirrt nach.
»Das ist nicht gut, Herrin«, sagte Sazed mit gedämpfter Stimme.
»So schlimm ist er auch wieder nicht.«
»Er benutzt
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