Koenigsmoerder
was passiert ist.«
»Oh, Fräulein Dathne!«, flüsterte Finny. »Meister Asher ist verhaftet worden!«
»Verhaftet?«, wiederholte sie scharf. »Unsinn! Wo hast du eine so verrückte Geschichte aufgeschnappt?«
Finella wich vor ihr zurück. »Ich habe es von meinem Bruder gehört, von Deek!
Er hat in der Gasse gegenüber dem Wachhaus die Straße gefegt und gesehen, wie sie Asher herbeibrachten. Er war an Händen und Füßen gefesselt, hatte ein Tuch überm Gesicht und eine Schlinge um den Hals! Aber das Tuch ist verrutscht, und Deek hat ihn erkannt. Es war schrecklich, hat er gesagt! Hauptmann Orrick war dort und Lord Jarralt ebenfalls.«
Verhaftet ‐ und auf eine so schurkische Art und Weise. Sie konnte kaum klar denken, so heftig hämmerte ihr Herz. »Und haben sie gesehen, dass Deek ihnen nachspioniert hat?«
Entrüstete Röte trat in Finnys Wangen. »Er hat nicht spioniert, er hat nur seine Arbeit getan! Aber nein, er sagt, sie hätten ihn nicht gesehen, weil er so still wie ein Mäuschen gewesen sei. Deek sagt, ein kluger Mann, der etwas Derartiges beobachtet, sei taub und stumm und blind!«
»Und trotzdem hat er es dir erzählt?«
»Ich bin immer als Erste auf, weil ich in der Bäckerei so früh anfangen muss«, antwortete Finny achselzuckend. »Er hat gesagt, er müsse es jemandem erzählen.
Er hatte ganz wackelige Knie, und er wusste, dass ich den Mund halten würde.
Und das werde ich auch! Ich erzähle es Euch nur, weil ich weiß, dass Ihr Ashers Freundin seid!«
Dathne umarmte sie zitternd. »Und ich bin dir wirklich dankbar, Finny. Aber nun fort mit dir, zu Frau Tuttle, bevor du zu spät kommst und dir einen Tadel einfängst. Und, Finny, kein Wort über diese Angelegenheiten, zu niemandem.
Versprichst du mir das?«
Finny nickte heftig. »O ja, ich verspreche es. Fräulein Dathne, wird mit Asher alles gut gehen?«
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Sie zwang sich zu einem Lächeln. »Natürlich wird es das. Ich bin davon überzeugt, dass alles nur ein schrecklicher Fehler ist.«
Solchermaßen beruhigt, eilte Finny davon. Atemlos vor Angst setzte Dathne sich mit Veira in Verbindung.
Verhaftet?, wiederholte die alte Frau. Die Verbindung zwischen ihnen vibrierte, so mächtig war ihr Erschrecken. Weißt du, warum?
»Nein«, sagte Dathne. »Aber Veira... er hat die Wettermagie. Ich fürchte, seine Fähigkeiten sind ans Licht gekommen.« Veira fluchte.
»Es tut mir leid!«, jammerte Dathne. »Das ist alles meine Schuld! Ich hätte ihm schon vor Wochen sagen sollen, wer er ist, ich hätte auf Matt hören sollen, ich hätte niemals...«
Die Frage, wer die Schuld an alledem trägt, können wir später klären. Pack alles ein, was dich verraten könnte, Kind, und verlasse sofort die Stadt.
»Ich soll fortgehen?«, fragte sie. »Veira, nein! Ich muss Asher retten, ich muss...«
Das kannst du nicht, Kind. Nicht allein. Und in der Stadt wird es jetzt nicht mehr sicher für dich sein. Komm zu mir, und gemeinsam werden wir einen Weg finden.
Dathne verschmierte mit zitternden Fingern die Tränen auf ihren Wangen und nickte. »Also gut. Wo bist du?«
Das Wissen quoll durch den Zirkelstein von Veiras Geist in ihren.
»Im Schwarzen Wald? Dann bist du gar nicht so weit von hier entfernt.«
Weit genug. Geh nicht das Risiko ein, dir ein Pferd zu nehmen, weil man dir dann möglicherweise mehr Aufmerksamkeit schenken wird. Hüll dich in einen Umhang und schlüpfe durch einen der Seiteneingänge aus der Stadt. Geh, so schnell du kannst. Auf der Straße zum Schwarzen Wald sind zu dieser Jahreszeit nicht viele Menschen unterwegs. Wenn du jemanden siehst, verstecke dich, bis er vorübergegangen ist. Ich werde dir entgegenkommen.
Sie war nicht allein! Die Erleichterung war überwältigend. Dann 267
richtete sie sich jäh auf, weil ihr etwas eingefallen war. »Matt! Veira, ich muss Matt warnen.«
Überlass Matthias mir. Denk nur an dich selbst, Kind. Wenn du noch viel länger bleibst, könnte das nächste Klopfen an deiner Tür ein Wachmann mit unbequemen Fragen sein.
Benommen starrte sie in das pulsierende Herz des Zirkelsteins. »Asher wird denken, ich hätte ihn im Stich gelassen«, flüsterte sie. »Er wird denken, ich hätte kein Wort, das ich je gesagt habe, ernst gemeint.«
Vielleicht wird er es denken, vielleicht nicht, erwiderte Veira. Das zu entscheiden, liegt nicht bei dir. Und nun beeil dich!
Gesättigt von Befriedigung, streute Morg Salz auf die nasse Tinte der Proklamationen, die Gar in Kürze unterzeichnen würde,
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