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Koenigsmoerder

Koenigsmoerder

Titel: Koenigsmoerder Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Karen Miller
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so starr wie Stein.
    »Sprecht mir nicht von Rechten, Asher. Nicht nach dem, was Ihr getan habt. Und versucht auch nicht, jetzt Euer Liedchen zu ändern. Ihr habt gestanden, zuerst vor Lord Jarralt und dann vor mir! Ihr habt selbst das Urteil über Euch gesprochen!«
    Er hatte Orrick gegenüber gestanden? Daran erinnerte er sich nicht. Der Schmerz hatte ihm etwa eine Stunde gestohlen. »Ich habe nur getan, was Gar von mir verlangt hat.«
    Orrick verzog das Gesicht. »Das behauptet Ihr.«
    »Jetzt bin ich also ein Lügner, ja?«
    »Asher, ich wage nicht zu denken, was Ihr seid«, erwiderte Orrick, stand auf und wandte sich ab.
    Er schlang die Finger um die Gitterstäbe und zog sich auf die Füße. »Jarralt hat es Euch nicht erzählt, nicht wahr?«
    Widerstrebend drehte Orrick sich um. »Was hat er mir nicht erzählt?«, fragte er schließlich widerwillig.
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    »Gar hat seine Magie verloren.«
    Ein weiteres Schweigen, länger diesmal. Dann schüttelte Orrick den Kopf. »Das ist unmöglich.« »Nein. Es ist wahr.«
    »Dann habt Ihr sie gestohlen«, gab Orrick zurück, »obwohl Barl allein weiß, wie.«
    »Sie gestohlen? Sehe ich für Euch aus wie ein Schwachsinniger?«
    »Ihr seht aus wie ein Verräter.«
    Es hatte keinen Sinn, er konnte nicht länger aufrecht stehen. Mit einem unterdrückten Stöhnen ließ er sich wieder zu Boden sinken. »Nun, ich bin es aber nicht.«
    »Ihr habt Barls erstes Gesetz gebrochen!«
    »Und Jarralt hat das zweite gebrochen! Er hat mir mit Magie Schmerzen zugefügt, Pellen! Kümmert Ihr Euch auch um dieses Gesetz? Oder zählt es nicht, wenn mir jemand Schmerzen bereitet?«
    Zum ersten Mal zeigte sich auf Orricks verstockten Zügen ein Schimmer der Unsicherheit. »Ich bin nicht voreingenommen, was das Gesetz betrifft, Asher«, entgegnete er steif. »Ich gebe zu, dass Lord Jarralt... irregeleitet war. Aber er ist auch aufs Schwerste provoziert worden!«
    »Genauso, wie ich provoziert wurde!«, rief er. »Glaubt Ihr, ich hätte dies freiwillig getan? Gar hat mich angefleht, Orrick. Habt Ihr eine Ahnung, wie es ist, von seinem König angefleht zu werden? Er hatte den verzweifelten Wunsch, Lur vor Jarralt zu schützen, und ich war dumm genug, mich von ihm überreden zu lassen. Fragt ihn, Pellen. Er wird Euch sagen, dass ich nicht lüge. Ich schwöre es.«
    Orrick strich sich mit der Hand übers Gesicht. Er hörte zu, war aber nicht überzeugt. »Ihr habt die Magie Seiner Majestät nicht gestohlen?«
    »Nein.«
    »Woher ist sie dann gekommen?«, flüsterte Orrick. Er schien hin‐und hergerissen zu sein zwischen Furcht und Zorn. »Man bringt es den Olken von der Wiege an bei: Wir haben keine Magie. Also, woher ist Eure gekommen, wenn nicht vom König?«
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    »Ich weiß es nicht, und es kümmert mich auch nicht! Ich weiß nur, dass Gar geschworen hat, mich zu schützen, sollte die Wahrheit herauskommen. Nun, Pellen, sie ist herausgekommen. Und statt Euch aufzuführen wie der Hauptmann der Stadtwache und den König selbst zu fragen, ob ich die Wahrheit sage oder nicht, lauft Ihr wie Conroyd Jarralts Schoßhündchen umher! Ihr glaubt seinem Wort, ohne es zu hinterfragen ‐ dem Wort eines Mannes, der mit Magie foltert.
    Eines Mannes, der während des größten Teils seines Lebens die Krone dieses Königreichs begehrt hat. Der so ziemlich alles tun würde, schätze ich, um sie Gar vom Kopf zu reißen und sich selbst aufzusetzen.«
    Orrick funkelte ihn wutschnaubend an. »Ich bin keines Mannes Schoßhund!«
    Obwohl seine Muskeln schrien, zwang Asher sich auf die Knie. Er umklammerte keuchend die Gitterstäbe und sah Pellen Orrick direkt ins Gesicht. »Beweist es.«
    Orrick schwieg, während tausend Gedanken hinter der gläsernen Oberfläche seiner Augen abliefen. Langsam machte die kategorische Ablehnung in seinen Zügen wachsamem Argwohn Platz. »Warum sollte ich das tun? Ihr seid derjenige, der im Gefängnis sitzt, nicht ich.«
    »Heute«, stimmte Asher ihm zu. Er fühlte sich krank. »Aber wenn Ihr diese Ungerechtigkeit hinnehmt, ohne einen Finger dagegen zu erheben, wird kein Olk in ganz Lur mehr sicher sein. Begreift Ihr denn nicht, Pellen? Wenn Jarralt es wagt, mich mit Magie zu verletzen, wen von uns wird er dann nicht anrühren?«
    Immer noch argwöhnisch, klopfte Orrick mit einem Knöchel auf seine Lippen.
    »Ihr müsst verstehen, Asher. Was Ihr behauptet, übersteigt das Maß aller Dankbarkeit.«
    Es war ein Kampf, aber er sprach mit fester Stimme. Er war so nah daran zu betteln ‐ und

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