Koenigsmoerder
ein Geschenk meines Vaters, Ihr habt kein Recht...«
»Eure Ausgaben müssen irgendwie beglichen werden. Und angesichts der Tatsache, dass Ihr in nächster Zukunft nirgendwohin reiten werdet, wozu braucht Ihr da Pferde? Das Tier wird verkauft, zusammen mit allen anderen.«
Conroyd trat näher, und seine bleichen Augen glitzerten. »Ihr wagt es, Euch zu beklagen? Tut es nicht. Barmherzigkeit hat ihre Grenzen. Ihr seid nur deshalb frei, weil ich es stillschweigend dulde, Junge.«
»Frei?«, sagte er und lachte. »Ich bin Euer Gefangener.«
Holze räusperte sich hörbar. »Wenn dieser Turm zu Eurer Zelle geworden ist, dann ist es eine Zelle, die Ihr selbst geschaffen habt.«
»Und für eine Zelle ist sie nicht mal ohne Annehmlichkeiten«, fügte Conroyd hinzu. »Ich bin sicher, Euer unglückseliger Olk würde nur allzu gern den Platz mit Euch tauschen.«
Ein Krampf durchzuckte Gars Leib. »Es wird ihn niemand anrühren, Conroyd.
Ihr habt Euren Willen bekommen. Er ist im Gefängnis und zum Tode verurteilt.
Das sollte selbst Euch genügen.« Als Conroyd schwieg, wandte er sich an Holze.
»Barlsmann, ich flehe Euch an. Haltet Lord Jarralt zurück. Wenn Ihr es nicht um meinetwillen tut, dann um der Liebe willen, die Ihr für meinen Vater empfunden habt.«
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Holzes Gesicht zuckte. »Eure Börse ist leer, was diese Münze betrifft, Herr.«
»Eure Börse ist leer, was alle Münzen betrifft«, meinte Conroyd. »Bis auf die Kuicks, die ich Euch in den Schoß fallen lasse. Vergesst das nicht. Vergesst auch nicht, dass der Olk als Geisel für Euer gutes Benehmen und Euer Stillschweigen dient. Wenn Ashers Taten über diesen Raum hinausdringen, wird es Konsequenzen haben.«
»Ich verstehe«, sagte Gar, als er seiner Stimme wieder trauen konnte. »Wenn ich nicht gehorche, wird jemand anderer leiden?«
Conroyds Lächeln war reines Gift. »Genau. Und nun schlage ich vor, dass Ihr die nächste Zeit damit verbringt, eine kurze, einschmeichelnde Ansprache für Euren geschätzten Großrat zu verfassen. Was die Versammlung betrifft, werde ich später am Nachmittag zurückkommen, um Euch abzuholen. Lasst mich nicht warten.«
Mit Mühe konnte er sich eine Antwort verkneifen. Stattdessen blickte er zu Holze hinüber. »Was Durm betrifft...«
»Ich werde jetzt in die Krankenstube des Palastes gehen«, sagte der Barlsmann.
»Man wird ihm alle Riten und allen Respekt erweisen. Nichts von diesem schmutzigen Schlamassel ist seine Schuld.«
Entsprach das der Wahrheit? Er wünschte, er hätte es gewusst. Wünschte verzweifelt, er hätte mehr Zeit gehabt, den sterbenden Meistermagier zu befragen. Hätte mehr über Barls Tagebuch und die Frage herausfinden können, wie Durm es benutzt hatte, wenn überhaupt, und warum es ihre einzige Hoffnung war. Er musste das Buch finden. Wenn es ein Entrinnen aus diesem Albtraum gab, würde er es vielleicht dort finden... »Danke, Holze«, erwiderte er steif. »In meinem Namen und im Namen meines Vaters.« Dann sah er wieder zu Conroyd hinüber. »Ihr werdet seinen Nachfolger erwählen müssen.«
Conroyd zuckte die Achseln. »Gewiss. Irgendwann.«
»Nein. Jetzt. Das Gesetz äußert sich dazu ganz klar, Ihr müsst...«
»Gesetz?« Conroyd lachte. »Ihr sitzt dort und belehrt mich über das Gesetz?
Haltet den Mund, Balg. Erinnert Euch an Eure neue Position im Königreich.«
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Er stand auf und fühlte sich dabei höchst eigenartig. Schwerelos, als schwebe er direkt aus seinem Körper. »Das werde ich. Sind wir fertig?«
»Für den Augenblick.«
»Dann geht.«
Conroyd hob die goldenen Brauen. »Geht, Eure Majestät.«
Er öffnete den Mund, um irgendetwas Katastrophales zu sagen, wurde jedoch durch Darrans hektischen Eintritt daran gehindert. »Verzeiht mir, Eure Majestät, aber aus dem Wachhaus der Stadt ist eine dringende Nachricht gekommen. Sie kommt von Hauptmann Orrick. Der Läufer wartet auf Eure Antwort.«
Conroyd streckte die Hand aus. »Gebt sie her.«
Darran zögerte. »Mylord, sie ist an den König gerichtet.«
»Gebt sie her!«
Gar nickte, während Darran ihn unsicher und unglücklich ansah. Die Nachricht wurde überreicht. Conroyd brach das Siegel und las sie. Faltete sie wieder zusammen und schob sie in seine Tasche. »Sag dem Läufer, er solle Hauptmann Orrick davon in Kenntnis setzen, dass ich mich zu gegebener Zeit im Wachhaus einfinden werde.«
Darran machte einen Schritt auf ihn zu. »Herr...?«
Gar starrte zu Boden. »Tut, was Lord Jarralt sagt, Darran.«
»Ja,
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