Koenigsmoerder
Haufen Lügen über Verschwörungen und Anstiftung ausdenken. Dies ist Jarralts verdammte Schurkerei! Gar würde niemals...«
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»Das reicht, Asher!«, rief Orrick und riss die Proklamation wieder an sich. »Seine Majestät hat sich von Euch losgesagt. Es ist vorbei.«
Conroyd Jarralt räusperte sich. »Nun... nicht ganz, Hauptmann. Vor dem Tod kommt Unbehagen. Es sei denn natürlich, Asher würde gern hier und jetzt die Namen jener enthüllen, die ihm geholfen haben?«
»Niemand hat mir geholfen«, sagte er. »Es gab nichts, wobei man mir hätte helfen müssen! Es gibt keine Verschwörung!«
»Der König sagt etwas anderes«, erwiderte Conroyd Jarralt. »Und das reicht mir.
Wachen?«
Die Zellentür wurde aufgeschlossen. Bunder und Lallard traten ein, legten ihn in Fesseln und befestigten die Ketten an den Seiten der Zelle, bis er ausgestreckt wie eine Vogelscheuche auf einem Feld dastand.
»Hervorragend«, sagte Jarralt. »Jetzt lasst uns allein.«
»Was ist mit einer Gerichtsverhandlung?«, fragte Asher, als die äußere Tür zuschlug. Schon jetzt brannten seine Schultern. Er sah, wie Willer mit vor Eifer leuchtenden Augen näher an den Käfig herantrat. »Bekomme ich keine Gerichtsverhandlung? Timon Spake hat eine bekommen!«
»Ihr seid nicht Timon Spake«, versetzte Jarralt. »Der König selbst hat Euer Geständnis bekräftigt und Euch auf der Stelle verurteilt.«
»Das würde er nicht tun! Er hat es versprochen.«
Jarralt beachtete ihn nicht, sondern wandte sich stattdessen zu Orrick um.
»Hauptmann, es ist wahrscheinlich, dass die Mitverschwörer dieses Verräters in seinem engsten Bekanntenkreis zu finden sind. Sucht sie und stellt sie ohne Aufhebens unter Arrest, bevor sie eine Gelegenheit haben, der Gerechtigkeit zu entfliehen.«
Dathne. Asher erstickte einen Protestschrei. Nein. Oh, wenn er sie doch nur hätte warnen können. Es musste einen Weg geben, es mit Magie zu tun, wenn er ihn nur gekannt hätte.
Verfluchte Magie. Sie musste zu mehr gut sein, als ihm Ärger einzutragen.
Orrick nickte. »Ja, Mylord.«
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»Willer?« »Mylord?«
»Unterstützt Hauptmann Orrick. Ihr werdet am besten wissen, nach wem Ihr suchen müsst und wo die betreffenden Personen zu finden sind.«
Willers Enttäuschung war beinahe komisch. »Mylord? Ich wollte bleiben, ich wollte Euch helfen...« »Willer.«
Die Schnecke krümmte sich und zog sich zurück. »Ja, Mylord. Natürlich, Mylord.«
»UndWiller? Hauptmann? Ein Letztes noch.« Mit einem Fingerschnippen und einem leise gesprochenen Wort ließ Jarralt Orrick und die Schnecke an Ort und Stelle erstarren. »Gebt genau Acht. Asher wurde dabei ertappt, wie er versuchte, Magie zu wirken, aber es ist ihm nicht gelungen. Er verfügt über keinerlei Macht.
Das ist es, was Ihr wisst und woran Ihr Euch erinnern werdet.«
»Das ist eine Lüge«, sagte Asher. Die Leere in Pellen Orricks Zügen verursachte ihm Übelkeit. Es war, als hätte Jarralt die Seele des Mannes ausgelöscht. Und bei Willer war es dasselbe ‐ falls der kleine Straßenköter eine Seele besaß. »Ich kann Magie wirken. Ich würde Euch damit töten, wenn ich es könnte!«
Der Ausdruck in Jarralts Augen war erschreckend. »Das könntet Ihr nicht. Aber wenn Ihr es in der kurzen Zeit, die Euch noch bleibt, wagen solltet, irgendjemandem gegenüber anzudeuten, dass Ihr es versuchen könntet, werde ich die betreffenden Personen töten. Und auch ihre Familien. Ist das klar?«
Asher, der ihm aufs Wort glaubte, nickte. »Ja.«
»Gut.« Mit einem weiteren Fingerschnippen ließ Jarralt die Erstarrung von seinen Opfern abfallen. »Führt jetzt Eure Befehle aus. Und sorgt dafür, dass ich nicht gestört werde, Hauptmann.«
Orrick verneigte sich. Was immer Jarralt getan hatte, es schien ihm nicht geschadet zu haben. »Mylord.« Ohne einen Blick zurück verließ er die Zelle, den betrübten Willer im Schlepptau.
Asher beobachtete, wie Jarralt vor der äußeren Zellentür die Hand bewegte. Sah, wie die Luft schwarz erbebte. Fühlte einen flüchtigen Druck auf der Brust.
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Jarralt drehte sich um. Lächelte. Kam näher. »Endlich allein.«
Ashers Lungen krampften sich zusammen. »Gar hat diese Proklamation niemals unterzeichnet.«
Jarralt, der in der offenen Zellentür lehnte, zog die Augenbrauen hoch.
»Natürlich hat er das getan.«
»Nein. Ihr habt das Schriftstück gefälscht. Ihr...«
»Asher.« Jarralts Lächeln verzerrte sich zu einem vielschichtigeren Ausdruck. »Er hat es
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