Koenigsmoerder
abschüttelt.«
»Und das ist auch nicht wahr!«
Jetzt stand Gar auf, nur um sich sogleich auf die Armlehne seines Sessels fallen zu lassen. Als sei das Stehen eine Aufgabe, die seine Kräfte überstieg. »Ach nein?
Fragt Asher.«
Er rümpfte die Nase. »Ich pflege keinen Umgang mit Verbrechern.«
»Er ist kein Verbrecher. Er ist ein Opfer.« »Aber er ist unter Arrest gestellt worden! Warum hätte man ihn verhaften sollen, wenn er kein...«
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»Darran!« Gar zögerte und blickte auf den Teppich hinab. »Wenn ich Euch erzähle, was geschehen ist, warum ich meine Krone verloren habe und der Turm geräumt wurde, warum Asher verurteilt wurde...«
»Oh, ich wünschte, Ihr würdet es tun, Herr! Ich kann mir keinen Reim auf all das machen!«
Der Prinz sah auf. Sein Gesicht war ernst, sein Blick durchdringend. »Ihr dürft es niemandem sagen. Von Eurem Schweigen werden Menschenleben abhängen.
Nicht nur Euer Leben und meins, sondern das eines jeden Olks im Königreich.
Versteht Ihr das?«
Darran richtete sich auf und ließ sich ein wenig von seinem gekränkten Stolz anmerken. »Ich habe den größten Teil meines Lebens in königlichen Diensten verbracht, Herr. Ich denke, ich kenne die Bedeutung des Wortes Diskretion.«
Eine schwache Röte stieg in Gars blasse Wangen. »Natürlich tut Ihr das. Vergebt mir.«
»Gewiss. Und nun, bitte, Herr. Sprecht.«
Als der Prinz zum Ende kam, wusste Darran, dass die Welt, in der er gelebt hatte, für immer dahin war oder dass sie vielleicht niemals existiert hatte. Er tastete sich zu dem zweiten Sessel der Bibliothek und setzte sich.
»Barl stehe uns bei«, flüsterte er. »Das alles ist meine Schuld.«
Der Prinz starrte ihn an. »Eure Schuld?«
Von heißer Scham überwältigt, konnte er Gar nicht ansehen. Stattdessen blickte er auf seine manikürten Fingernägel und wünschte sich hoffnungslos, irgendwo anders auf der Welt zu sein, nur nicht in Lur, nur nicht in einer Situation, da er etwas Derartiges gestehen musste. »Ihr müsst wissen: Ich habe Willer immer in seiner Abneigung gegen Asher ermutigt. Ich habe ihm erlaubt, das Ausmaß meines eignen Widerwillens gegen ihn zu sehen. Ein ganzes Jahr, nein, noch länger, haben wir ihn kritisiert und seine Existenz beklagt. Und dann, nachdem Ihr darum gebeten hattet, dass Asher und ich zum Wohle des Königreichs zusammenarbeiteten, habe ich es versäumt, Willer ins Vertrauen zu ziehen oder ihm meinen Gesinnungswechsel zu erklären. Stattdessen habe ich ihn 284
wegen seines schlechten Benehmens getadelt. Als Ihr König wurdet, denke ich, hat Willer irgendeine Art von Beförderung erwartet. Aber sie kam nicht ‐ und dann war ich so beschäftigt. Oh, Herr. Willer hätte sich niemals an Lord Jarralt gewandt, hätte niemals für ihn spioniert, wenn ich die Angelegenheit mit größerem Taktgefühl gehandhabt hätte!«
Nach einem langen Schweigen stieß Gar einen Seufzer aus. »Das könnt Ihr nicht wissen. Ich weiß es nicht. Und es spielt jetzt auch kaum noch eine Rolle. Falls es Euch ein Trost ist, Darran, ich mache Euch keine Vorwürfe. Ich denke, Willer und Asher wären ohnehin Feinde gewesen. Sie sind aus zu unterschiedlichem Holz geschnitzt.«
Darran verschränkte bekümmert die Hände auf dem Schoß. »Ihr seid sehr großzügig, Herr.« Er räusperte sich. »Könnt Ihr irgendetwas für Asher tun?«
»Nein«, antwortete Gar müde. »Ich wünschte, es wäre anders. Ich würde an seiner Stelle sterben, wenn Jarralt es mir gestattete. Aber das Königreich kommt an erster Stelle, und Euer Volk muss geschützt werden. Wenn Willer ihm nicht nachspioniert hätte ‐wenn unser wahnsinniger Plan nicht entdeckt worden wäre
‐, hätten wir dieses Unwetter vielleicht überstanden. Hätten einen Weg in ruhigere Gewässer gefunden oder eine Heilung für mein Gebrechen. Aber jetzt ist es zu spät. Ich kann Asher nicht retten. Ich kann nicht einmal mich selbst retten.«
Darran schüttelte den Kopf. »Es übersteigt jedwedes Vorstellungsvermögen, Herr. Dass ein Olk so etwas tun kann...«
»Ich weiß«, sagte Gar. »Und jetzt müsst Ihr vergessen, was ich Euch erzählt habe.
Ich hätte den Mund halten sollen, statt Euch mit der Wahrheit zu belasten. Es ist nur...« Seine Stimme brach. »Er soll nicht sterben, ohne dass noch jemand davon erfährt, wie viel Gutes er zu tun versucht hat. Davon erfährt, dass er, ganz gleich, was man nach seinem Tod von ihm sagen mag, niemals ein Verräter war.«
Darran befeuchtete sich die trockenen
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