Kriegsklingen (First Law - Band 1)
sie auf die Soldaten zu. Yulwei wandte sich um. »Was tust du da?«, fragte er.
Ferro sah die drei an. Ein stark gebauter, zäh aussehender altgedienter Krieger, ein dünner Kerl, der an ein Wiesel erinnerte, und ein ehrlich wirkender junger Mann, der gar nicht so recht wie ein Soldat aussah. Ihre Waffen lagen auf dem Boden, in ihren Scheiden, eingewickelt, nicht kampfbereit. Sie umkreiste sie aufmerksam und lauschte.
»Es heißt, sie sei nicht ganz richtig im Kopf«, flüsterte der Dünne dem jungen Mann zu, dem er offenbar Angst einjagen wollte. »Sie sagen, dass sie Hunderte von Männern getötet hat, wenn nicht mehr. Den gut aussehenden Kerlen schneidet sie die Nüsse ab, während sie noch am Leben sind«, er griff sich in den Schritt, »und isst sie vor ihren Augen auf!«
»Ach, halt die Klappe«, sagte der Dicke, »sie wird gar nicht in unsere Nähe kommen.« Er deutete dorthin, wo sich weniger Feuer befanden, und dämpfte die Stimme zu einem Flüstern. »Sie wird zu
ihm
gehen, wenn sie überhaupt diese Richtung einschlägt.«
»Nun, ich hoffe, sie tut es nicht«, sagte der junge Mann. »Leben und leben lassen, das ist mein Wahlspruch.«
Der Dünne verzog das Gesicht. »Und was ist mit all den guten Männern, die sie umgebracht hat? Und mit den Frauen und Kindern? Hätte sie die nicht auch leben lassen sollen?« Ferro knirschte mit den Zähnen. Niemals hatte sie Kinder getötet, jedenfalls nicht, soweit sie sich erinnern konnte.
»Natürlich, das ist eine schlimme Sache. Ich sage ja auch nicht, dass sie nicht erwischt werden sollte.« Der junge Soldat sah sich nervös um. »Nur vielleicht nicht von uns.«
Der Dicke lachte über diese Worte, aber der Dünne schien sie nicht besonders lustig zu finden. »Bist du ein Feigling oder was?«
»Nein!«, antwortete der junge Mann verärgert. »Aber ich habe eine Frau und eine Familie, die auf mich angewiesen sind, und mir wäre es recht, wenn ich hier draußen nicht getötet würde, das ist alles.« Er grinste. »Wir erwarten unser nächstes Kind. Diesmal hoffentlich ein Junge.«
Der dicke Mann nickte. »Mein Sohn ist jetzt schon fast erwachsen. Sie werden so schnell groß.«
Das ganze Gerede über Kinder und Familien und Hoffnung ließ noch mehr Wut in Ferro emporsteigen. Sie schnürte ihr die Brust zu. Wieso sollten die ein Leben haben dürfen, wenn sie gar nichts hatte? Wenn diese Soldaten und ihresgleichen ihr alles genommen hatten? Sie ließ das gebogene Messer aus der Scheide gleiten.
»Was tust du da, Ferro?«, zischte Yulwei.
Der junge Mann sah sich um. »Habt ihr gerade auch etwas gehört?«
Der Dicke lachte. »Ich glaube, ich habe gehört, wie du dir in die Hosen geschissen hast.« Der Dünne kicherte in sich hinein, der Junge lächelte verlegen. Ferro schlich sich von hinten an ihn heran. Sie war nur noch zwei Fuß entfernt und stand im hellen Licht des Feuers, aber keiner der Soldaten sah sie an. Sie hob das Messer.
»Ferro!«, rief Yulwei. Der junge Mann sprang auf und spähte hinaus in die dunkle Ebene, aber seine Augen konzentrierten sich auf einen Punkt weit hinter ihr. Sie konnte seinen Atem riechen. Die Messerklinge glitzerte nur wenige Zoll von seiner stoppligen Kehle entfernt.
Jetzt. Jetzt war der richtige Augenblick. Sie würde ihn schnell töten und die anderen zwei gleich mitnehmen, bevor sie Alarm schlagen konnten. Sie wusste, sie würde es schaffen. Sie waren nicht bereit, sie schon. Jetzt war der richtige Augenblick.
Aber ihre Hand bewegte sich nicht.
»Was ist dir denn in den Arsch gefahren?«, fragte der dicke Soldat. »Da draußen ist nichts.«
»Ich hätte schwören können, ich hätte etwas gehört«, sagte der junge Mann und sah Ferro noch immer direkt ins Gesicht.
»Warte!«, schrie nun der Dünne, sprang auf und deutete in ihre Richtung. »Da ist sie! Genau vor dir!« Ferro erstarrte einen Augenblick und sah ihn gebannt an, dann brachen er und der Dicke in Gelächter aus. Der junge Soldat blickte etwas verlegen drein, wandte sich um und setzte sich wieder.
»Ich dachte bloß, ich hätte was gehört, das ist alles.«
»Es ist niemand da draußen«, sagte der Dicke. Ferro zog sich langsam zurück. Sie fühlte sich elend, ihr Mund war voll saurer Spucke, ihr Kopf dröhnte. Mit einem Ruck schob sie das Messer in die Scheide zurück, dann drehte sie sich um und ging davon, während Yulwei ihr schweigend folgte.
Als das Licht der Feuer und die Unterhaltungen in der Entfernung verschwammen, hielt sie inne und ließ sich
Weitere Kostenlose Bücher