Kriegsklingen (First Law - Band 1)
Geschlossenen Rates, und das hier.
Jalenhorm beeilte sich, seinen Platz einzunehmen, während die Schreiber ihre Berge von Akten und Papieren auf der polierten Tischplatte ausbreiteten. Der Lord Schatzmeister warf sich zwischen ihnen auf seinen Platz und rief sofort nach Wein. Das Oberhaupt der Inquisition Seiner Majestät schwang sich neben ihm auf einen Stuhl mit hoher Lehne und lächelte ein wenig in sich hinein. Kronrichter Marovia ließ sich langsam und mit finsterem Gesicht ebenfalls auf einen Platz sinken. Das gespannte Flüstern in der Halle schwoll nun noch einmal an, und die Gesichter der hohen Würdenträger in der ersten Reihe waren ernst und misstrauisch. Der Ratssprecher nahm vor dem erhöhten Tisch Aufstellung, aber diesmal war es nicht der grell gekleidete Narr, der sonst durch die Versammlung führte, sondern ein dunkler, bärtiger Mann mit breiter Brust. Er hielt den Stab in die Höhe und schlug ihn dann auf den Boden, als wolle er die Toten aufwecken.
»Hiermit erkläre ich die Versammlung des Offenen Rats der Union für eröffnet!«, bellte er. Das Gemurmel verebbte allmählich.
»Heute Morgen gibt es lediglich eine Angelegenheit zu besprechen«, erklärte der Lord Schatzmeister und blickte die Versammlung unter seinen dichten Brauen düster an, »eine Sache der königlichen Gerechtigkeit.« Hier und da wurde geflüstert. »Es geht um die königlichen Handelsrechte in der Stadt Westport.« Es wurde wieder lauter: zorniges Flüstern, unbehagliches Hin-und-her-Rutschen der edlen Hinterteile auf den Bänken, das vertraute Kratzen der Federn in den dicken Akten. Jezal sah, dass Lord Brock die Augenbrauen zusammengezogen hatte und Lord Heugens Mundwinkel nach unten wiesen. Ihnen schien diese Ankündigung nicht besonders zu gefallen. Der Lord Schatzmeister zog heftig die Luft durch die Nase ein und nahm einen Schluck Wein, während er darauf wartete, dass wieder Ruhe einkehrte. »Allerdings bin ich nicht berufen, über diese Angelegenheit zu sprechen …«
»In der Tat nicht!«, rief Lord Ischer scharf, der sich unruhig und mit verbissenem Gesichtsausdruck auf seinem Platz bewegte.
Hoff fasste den alten Lord ins Auge. »Daher rufe ich einen Mann auf, der sich besser auskennt! Mein Kollege aus dem Geschlossenen Rat, Erzlektor Sult.«
»Der Offene Rat erteilt Erzlektor Sult das Wort!«, donnerte der Ratssprecher, als das Oberhaupt der Inquisition elegant vom Podest herunter und auf den gefliesten Boden trat, wobei er den verärgerten Gesichtern, die ihm entgegenblickten, freundlich zulächelte.
»Meine edlen Herren«, begann er mit langsamer, melodiöser Stimme und begleitete seine Worte mit fließenden Handbewegungen, »in den vergangenen sieben Jahren, seit unserem ruhmreichen Sieg über Gurkhul, hat die Ehrenwerte Gilde der Tuchhändler exklusive königliche Handelsrechte in der Stadt Westport genossen.«
»Und sie haben gute Arbeit geleistet!«, brüllte Lord Heugen.
»Sie haben diesen Krieg für uns gewonnen!«, grollte Barezin und trommelte mit fleischiger Faust auf die Sitzbank neben ihm.
»Gute Arbeit!«
»Hervorragend!«, erscholl es aus der Versammlung.
Der Erzlektor nickte, während er darauf wartete, dass die Zwischenrufe wieder verebbten. »Das haben sie in der Tat«, sagte er und schritt wie ein Tänzer über die Fliesen, während seine Worte über die Seiten der Folianten kratzten. »Ich wäre der Letzte, der das in Frage stellen wollte. Gute Arbeit.« Mit einem Ruck wirbelte er herum, die Schöße seines weißen Mantels flatterten hinter ihm her, und sein Gesicht war von harter Brutalität verzerrt. »Gute Arbeit dabei, den König um seine Steuern zu betrügen!«, schrie er. Die Menge sog wie mit einem Mund die Luft ein.
»Gute Arbeit dabei, das Gesetz des Königs mit Füßen zu treten!« Wieder erschrockenes Atmen, diesmal lauter.
»Gute Arbeit dabei, Hochverrat zu begehen!« Ein Sturm des Widerspruchs, hochgereckter Fäuste und auf den Boden geworfener Papiere brandete durch das Fürstenrund. Wutentbrannte Gesichter starrten von der Besuchergalerie hinunter, und auf den Bänken vor dem erhöhten Tisch wurde zorniges Geschrei laut. Jezal sah sich unsicher um und fragte sich, ob er richtig gehört hatte.
»Wie können Sie es wagen, Sult!«, brüllte Lord Brock den Erzlektor an, der wieder auf das Podest zurückgeglitten war und ein leichtes Lächeln auf den Lippen trug.
»Wir verlangen Beweise!«, bellte Lord Heugen. »Wir verlangen Gerechtigkeit!«
»Die königliche
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