Kriegsklingen (First Law - Band 1)
genug gestraft, überlegte er. Jeder verdiente eine Möglichkeit, um sich zu entschuldigen. Er eilte mit einem breiten Lächeln auf dem Gesicht auf sie zu. Dann erkannte er, in wessen Gesellschaft sie sich befand.
»Dieser kleine Drecksack!«, murmelte er unterdrückt.
Leutnant Brint stand in seiner billigen Uniform dort und unterhielt sich gut gelaunt mit Ardee, wobei er ihr näher kam, als Jezal für anständig hielt, und seine langatmigen Ausführungen mit ausufernden Armbewegungen unterstrich. Sie nickte lächelnd, dann warf sie den Kopf zurück, lachte und gab dem Leutnant einen spielerischen Klaps auf die Brust. Brint lachte ebenfalls, der dreckige kleine Scheißer. Sie lachten zusammen. Aus irgendeinem Grund fühlte Jezal heiße Wut in sich aufsteigen.
»Jezal, wie geht es Ihnen?«, rief Brint, immer noch kichernd.
Er trat zu ihnen. »Für Sie immer noch Hauptmann Luthar!«, fauchte er. »Und mein Befinden geht Sie nichts an! Haben Sie nichts zu tun?«
Brint blieb kurz der Mund wenig geistreich offen stehen, dann zogen sich seine Brauen zu einem mürrischen Schmollen zusammen. »Jawohl, Herr Hauptmann«, murmelte er, drehte sich um und stolzierte davon. Jezal sah ihm mit noch größerer Verachtung nach als sonst.
»Das war ja sehr freundlich«, sagte Ardee. »Ist das die feine Art, die man in Gegenwart einer Dame an den Tag legt?«
»Das wüsste ich wirklich nicht zu sagen. Wieso? War denn eine zugegen?«
Er drehte sich zu ihr und sah sie an, und einen Herzschlag lang dachte er, ein selbstzufriedenes Lächeln auf ihrem Gesicht zu sehen. Ein recht hässlicher Gesichtsausdruck – so, als hätte sie Spaß an seinem kleinen Ausbruch gehabt. Einen dummen Augenblick lang fragte er sich, ob sie das Treffen vielleicht arrangiert und sich mit diesem Idioten absichtlich an einem Ort getroffen hatte, wo Jezal sie entdecken musste, in der Hoffnung, ihn eifersüchtig zu machen. Dann lächelte sie ihn an und lachte, und Jezal spürte, wie sein Zorn verrauchte. Sie sah sehr gut aus, dachte er, wie sie hier gebräunt und voller Leben in der Sonne stand, laut lachte und sich nicht darum scherte, wer es hörte. Sehr gut. Besser noch als zuvor. Es war nur ein zufälliges Treffen, was sonst? Sie blickte ihn mit ihren dunklen Augen an, und all sein Misstrauen verschwand. »Mussten Sie so hart mit ihm umspringen?«, fragte sie.
Jezal schob das Kinn ein wenig vor. »Das ist doch ein arroganter, nichtswürdiger Aufsteiger, wahrscheinlich allenfalls der Bastard eines reichen Mannes. Kein edles Blut, kein Geld, keine Manieren …«
»Von diesen drei Dingen hat er jedenfalls mehr als ich.«
Jezal verfluchte seine große Klappe. Statt sie nun dazu zu bewegen, sich bei ihm zu entschuldigen, würde er das zunächst einmal selbst tun müssen. Verzweifelt grübelte er über einen Ausweg aus dieser selbstgebauten Falle nach. »Ach, aber er ist ein echter Schwachkopf!«, brachte er in quengelndem Tonfall heraus.
»Na ja.« Jezal sah erleichtert, dass sich Ardees Lippen zu einem schlauen Lächeln verzogen. »Das ist er wohl. Wollen wir ein wenig spazieren gehen?« Damit schob sie ihm ihre Hand unter den Arm, bevor er überhaupt antworten konnte, und zog ihn zum Weg der Könige. Jezal ließ es zu, dass sie ihn durch die verängstigten, zornigen und aufgeregten Menschen führte.
»Stimmt es denn nun?«, fragte sie.
»Was denn?«
»Dass die Tuchhändler erledigt sind?«
»Sieht so aus. Ihr alter Freund Sand dan Glokta hat ganz vorn dabei mitgemischt. Für einen Krüppel hatte er einen ganz schön starken Auftritt.«
Ardee sah zu Boden. »Man sollte sich nicht mit ihm anlegen, Krüppel oder nicht.«
»Nein.« Jezals Gedanken kehrten zu Salem Rews’ verängstigten Augen zurück, wie sie ihn verzweifelt angesehen hatten, als der Kaufmann in die Dunkelheit hinter der kleinen Tür gezogen wurde. »Nein, das sollte man wohl nicht.«
Schweigen wuchs zwischen ihnen, als sie die Prachtstraße hinunter schlenderten, aber es war kein unbehagliches. Jezal ging gern mit Ardee spazieren. Es schien keine Rolle mehr zu spielen, ob sich jemand entschuldigte. Vielleicht hatte sie ja auch recht gehabt mit dem, was sie übers Fechten gesagt hatte, jedenfalls ein bisschen. Ardee schien seine Gedanken zu lesen. »Wie geht’s bei der Beherrschung des Degens voran?«, fragte sie.
»Nicht übel. Wie geht’s mit dem Trinken voran?«
Sie hob eine dunkle Augenbraue. »Ganz ausgezeichnet. Wenn es da doch bloß auch jedes Jahr ein Turnier gäbe, dann
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