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Kristall der Träume

Kristall der Träume

Titel: Kristall der Träume Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Barbara Wood
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privat tut… «
    »Es ist ja nicht nur das. Es ist der Junge. Lucius.« Das Waisenkind, das Cornelius adoptiert hatte.
    Amelia schaute zu Lucius hinüber, der unbekümmert mit seinem Hündchen spielte. »Was ist mit ihm?«
    »Er nennt dich Mutter.«
    »Ich bin seine Mutter, zumindest vor dem Gesetz«, erwiderte Amelia mit einem unguten Gefühl. »Er ist ein Blutsverwandter«, fuhr sie fort, während es ihr kalt über den Rücken lief. »Seine Eltern waren Vitellii.«
    »O Mutter, wie kannst du nur so blind sein?« Jetzt war es endlich heraus. Amelia hatte es insgeheim gewusst und sich immer wieder eingeredet, die Ähnlichkeit des Jungen mit Cornelius läge an der Blutsverwandschaft. Jetzt gestand sie sich ein, was Cornelia ihr enthüllen wollte: Lucius war Cornelius’ Sohn. Ihre Hand fuhr zu ihrer Halskette, suchte Trost bei dem kalten Stein, während sie innerlich Gott um Kraft anflehte.
    »Kein Wort mehr darüber«, sagte sie knapp.
    »Und es stört dich nicht, dass Lucius Lucillas Sohn ist? Dass ganz Rom weiß, dass Papa den Bastard seiner Mätresse adoptiert hat und sich immer noch mit ihr trifft?«
    »Das reicht! « Als Amelia dem herausfordernden Blick ihrer Tochter begegnete, bemerkte sie, dass Cornelias einst weiche Gesichtszüge eine gewisse Schärfe, wie die ihres Vaters, angenommen hatten. »Cornelia, was habe ich getan, dass du mich so verachtest?« Das Mädchen schlug die Augen nieder. »Du hast Papa betrogen.«
    »Nachdem er mein Kind weggeworfen hatte.« Da. Jetzt war es heraus.
    »Er hat das einzig Richtige getan! Es war missgebildet. Du musst etwas falsch gemacht haben!«
    Amelia war überrascht, die Tochter den Tränen nahe zu sehen.
    Gerade als Cornelia losplatzte: »Es ist alles dein Fehler. Das Kind –
    alles!«, kam ein Sklave in den Garten gerannt und rief: »Gebieterin!
    Gebieterin! Die Stadt brennt!«
    Sie beobachteten das Feuer sechs Tage lang. Täglich kamen Läufer aus der Stadt und berichteten vom Stand der Dinge. Die Villa war in Aufruhr, das Tagesgeschehen kam beinahe zum Erliegen, weil die Familie mit den Sklaven auf dem Dach stand und auf den glutroten Himmel in der Ferne starrte. Rom brannte… War das das Ende der Welt, fragte sich Amelia. War es das, was Rahel und ihre Freunde prophezeit hatten? Jesus auf dem Weg nach Rom?
    Cornelius hatte über einen Boten mitteilen lassen, dass es ihm gut ging. Er war nach Antium geritten, dem Kaiser Bericht zu erstatten.
    Amelias größte Sorge galt jedoch ihren Freunden: Phoebe, die alt und krank war, Japheth, der nicht um Hilfe rufen konnte, und Gaspar, dem Einarmigen. Wie sollten sie der Feuersbrunst entfliehen? Später sollten sie erfahren, dass der Brand in Geschäften mit leicht entflammbarer Ware ausgebrochen war. Vom Wind angefacht, von Mauern ungehindert, hatte sich das Feuer im unteren Teil der Stadt ausgebreitet, sich dann in die Hügel gefressen und jeden Löschversuch unmöglich gemacht. Die engen, verwinkelten Straßen und Gassen hatten den Brand noch angefacht. Unter den Bewohnern brach Panik aus, sämtliche Straßen waren mit flüchtenden Menschen verstopft. Augenzeugen berichteten, dass hilflose Menschen einfach niedergetrampelt wurden. Wer blindlings eine qualmende Straße hinunterrannte, wurde von einer Feuerwand gestoppt oder vom Feuer eingekesselt. Wichen die Menschen in ein Nachbarviertel aus, folgte das Feuer ihnen wie ein Raubtier auf der Suche nach Beute. In Todesangst flohen die Massen aufs Land, retteten sich auf Weiden und Felder.
    Nero kehrte in die schwelende Stadt zurück, nicht ohne publik zu machen, dass er die sicheren Mauern Antiums nur aus Liebe zu seinem Volk verlassen habe, und ließ die Tore der öffentlichen Gebäude am Marsfeld, ja selbst seine eigenen Gärten, für die obdachlos gewordenen Massen öffnen. Aus Nachbarstädten ließ er Lebensmittel bringen und senkte den Getreidepreis. Doch erntete er mit diesen Maßnahmen keinen Dank. Inzwischen kursierten nämlich Gerüchte, dass Nero, während die Stadt brannte, seinem inneren Zirkel Lieder vorgetragen und von der Zerstörung Trojas gesungen habe. Und noch schlimmer: dass Nero das Großfeuer selbst angelegt habe, um sich Raum für seine riesigen Bauvorhaben zu schaffen. Am sechsten Tag fanden die rasenden Flammen keine Nahrung mehr, das Feuer erstarb am Fuß des Esquilinischen Hügels. Große Teile der Stadt lagen in Schutt und Asche. Drei Distrikte waren dem Boden gleichgemacht, von anderen standen nur noch verkohlte Ruinen. Der Schaden an Häusern,

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