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Legende von Eli Monpress 02 - Herr des Windes

Legende von Eli Monpress 02 - Herr des Windes

Titel: Legende von Eli Monpress 02 - Herr des Windes Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Rachel Aaron
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geführt, aber bald wird er vorbei sein. Der Dämon ist inzwischen so stark wie ich. Wir sind perfekt ausbalanciert. Doch der Dämon kann noch stärker werden, ich aber nicht. Es braucht nur einen einzigen Bissen von einem Geist. Ein Windhauch, ein paar Tropfen Regen« – Nivels glühende Augen glitten über Nicos Körper –, »ein kleines Mädchen, und der Dämon kann mich abwerfen wie eine Schlange ihre Haut und in die Freiheit entfliehen. Deswegen habe ich Slorn gesagt, er soll mich in dieses Tal einsperren, aus dem sich alle Geister zurückgezogen haben, sodass es nichts zu essen gibt. Hier kann ich ihn unter Kontrolle halten. Aber«, Nivels raue Stimme brach, »es ist fünf Jahre her, dass ich mich auf diesen Stein gesetzt habe, und ich bin müde. So müde.«
    »Aber du lebst noch!«, sagte Nico. »Solange du noch lebst, kannst du kämpfen.«
    Nivel lachte ein trauriges, leeres Lachen. »Kein Mensch hat einen Willen, der stark genug ist, allein für immer durchzuhalten. Nur am Leben zu bleiben reicht nicht. Du brauchst etwas, wofür du lebst. Eine Bestimmung. Meine ist Slorn. Ich habe ihn und Pele allein gelassen, und doch bringt er sich fast um, um einen Weg zu finden, mich zurückzuholen. Ich dachte, dass ich es ihm schulde, stark zu bleiben, wenn er bereit ist, für mich zu kämpfen und das Unmögliche zu versuchen. Dieser Glaube hat mich weit über meine Zeit hinaus angetrieben. Doch alles hat ein Ende.«
    Während sie sprach, fingen die Schellen um Nivels Handgelenke an, unentwegt zu vibrieren. Nico verzog das Gesicht, als das kalte, dunkle Gefühl wieder über sie kroch. Nivel holte tief Luft und schloss die Augen. »Du solltest jetzt gehen«, sagte sie leise.
    Nico biss die Zähne zusammen. »Ich werde nicht Lebewohl sagen«, erklärte sie und stand auf. Ihre Hand schoss nach vorne und umschloss Nivels Finger. »Wir werden uns wiedersehen, also gib nicht auf.«
    Damit ließ Nico die andere Frau los, drehte sich um und ging auf die Felswand zu. Als sie die hohe Klippe erreicht hatte, fing sie an zu klettern. Ihre unglaublich starken Finger fanden noch an den kleinsten Vorsprüngen im Stein einen Halt.
    Nivel beobachtete, wie sie verschwand, während sie die Hand umklammerte, die Nico berührt hatte, und das Gefühl eines menschlichen Kontaktes genoss.
    Ich hoffe, du bist glücklich, sagte eine tiefe, glatte Stimme in ihrem Kopf. Du hast gerade den Tod deiner Welt davonwandern lassen. Wir hätten sie fressen sollen, als wir die Chance dazu hatten . Die Stimme seufzte tief. Das wirst du noch bereuen. Hör auf meine Worte .
    Nivel lächelte nur und ignorierte die Stimme, wie sie es immer tat, während sie Nico dabei beobachtete, wie sie sich über die Kante der Klippe zog und in die sonnendurchflutete Welt darüber entschwand.

    Hoch über Nivel ließ Nico sich keuchend auf die trockenen Blätter fallen. Sie kniff die Augen zu, bis sie sich wieder an das Licht gewöhnt hatte. Slorn wartete genau an der Stelle, wo sie ihn verlassen hatte, ruhig auf dem Boden.
    »Also«, sagte er langsam, »jetzt hast du der Wahrheit über die Dämonenbrut Auge in Auge gegenübergestanden. Willst du immer noch, dass ich dir den Mantel anfertige?«
    Nico stand auf und schlug sich die Blätter von der Kleidung. »Ja«, antwortete sie. »Nichts hat sich geändert.«
    Slorn grinste und enthüllte dabei ein Maul voller scharfer gelber Zähne. »Dann hast du die letzte Prüfung bestanden. Komm«, sagte er und stand auf. »Pele und die anderen sollten inzwischen alles fertig haben.«
    Nico nickte und folgte ihm wieder den Abhang hinunter, vorbei an den seltsamen schwarzen Bäumen. Alle paar Schritte hielt sie an, um über die Schulter zurückzuschauen, selbst nachdem das Tal schon lange aus dem Blickfeld verschwunden war.

Kapitel 5

    M iranda teilte Meister Banage ihre Entscheidung beim Frühstück mit. Sie diskutierten, aber es war dasselbe Streitgespräch, das sie schon am Abend vorher geführt hatten. Es gab keine neuen Erkenntnisse. Letztendlich musste Banage nachgeben, denn was sollte er sonst tun? Miranda riskierte ihre Karriere und ihr Leben, und er konnte sie nicht dazu zwingen, den einfachen Weg zu wählen. Ihr Abschied war knapp und bitter, als Miranda sich entschuldigte, um sich auf den Prozess vorzubereiten.
    Zurück in ihrem Zimmer, nahm sie sich mit den Vorbereitungen mehr Zeit, als sie es normalerweise getan hätte. Sie nutzte Karons Hitze, um das Wasser im Becken zu erwärmen, bevor sie sich das Gesicht wusch und

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