Legenden der Traumzeit Roman
aber es ist nicht ihre Art. Sie würden sich nicht für etwas bedanken, was sie als Einmischung empfinden.«
»Mr. Lawrence ist derselben Meinung«, erwiderte sie traurig. »Es ist so schade, denn solche Infektionen führen zu Blindheit, und man könnte sie so einfach vermeiden.«
»Wie ich sehe, haben Sie sich viele Gedanken über das Problem gemacht, Miss Searle, aber ich versichere Ihnen, da können Sie nichts machen.«
Jessie beendete ihre Mahlzeit schweigend, und als die Teller abgeräumt wurden, war ihr klar, dass Abel recht hatte. Die Lebensweise der Eingeborenen war ihnen fremd, und obwohl sie nicht verstand, warum sie Hilfe und Rat ablehnten, musste sie sich mit der Tatsache abfinden, dass es sie nichts anging.
»Warum geht ihr beide nicht ein bisschen spazieren?«, fragte Hilda und machte es sich in den von Motten angefressenen Polstern auf dem Verandasessel bequem. »Ich genehmige mir gern ein Schläfchen nach dem Mittagessen, und hier ist es so herrlich kühl.«
»Würden Sie gern ein Schnabeltier sehen?«, fragte Abel. »Unten im Fluss gibt es eine ganze Horde, und vielleicht haben wir Glück und sehen eins, obwohl sie sehr scheu sind.«
»Was ist ein Schnabeltier?«
Abel zupfte sich am Ohr und runzelte die Stirn. »Es hat einen Schnabel und Schwimmhäute wie eine Ente, Fell wie ein Otter und einen flachen Schwanz wie ein Biber. So etwas finden Sie woanders nicht, aber man kann sie nur schwer entdecken, also seien Sie nicht enttäuscht, wenn wir heute keins finden.«
Jessie fragte sich, ob er sie neckte, denn seine Beschreibung klang sehr eigenartig. »Sie haben mich neugierig gemacht«, gab sie zu. »Wenn es dieses Geschöpf wirklich gibt, würde ich es zu gern sehen.«
Sie schlenderten an den Fluss, und das einvernehmliche Schweigen wurde nur vom Streifen des Grases an ihren Beinen und dem gelegentlichen Schrei eines Regenbogenloris unterbrochen.
»Schön ist es hier«, sagte Jessie, als Abel eine Decke auf dem Gras am Rand des von Bäumen gesäumten Ufers ausbreitete. »Ich kann verstehen, warum es Ihnen so gut gefällt.«
»Ist das so deutlich zu spüren?«
Sie nickte. »Vielen Dank, dass Sie es mir zeigen.«
»Ist mir ein Vergnügen«, brummelte er und zupfte an seinem Hutrand. »Und ich habe dafür gesorgt, dass keine Bartagamen da sind, damit Sie nicht in Gefahr geraten.«
Sie kicherte. »Ich muss mich ziemlich töricht angestellt haben.«
»Oh, ich weiß nicht – mir hat es ziemlich gut gefallen, Sie zu retten.«
Seine Mundwinkel zuckten belustigt, und sie wusste, dass er sie neckte, war aber unwillkürlich verlegen bei der Erinnerung daran, wie sie sich in seine Arme geworfen hatte. »Sie können versichert sein, Mr. Cruickshank, dass ich nicht so dumm sein werde, es noch einmal zu tun.«
Seine grauen Augen betrachteten sie nachdenklich, dann grinste er. »Ihre Art gefällt mir, Miss Searle. Und jetzt wollen wir sehen, ob wir ein Schnabeltier finden, aber Sie müssen ganz still sein, sonst jagen Sie ihnen Angst ein.«
Jessie zögerte, warf dann alle Bedenken beiseite, folgte seinem Beispiel und legte sich auf den Bauch, damit sie ins schattige Wasser schauen konnte. Es war würdelos, aber seine Begeisterung steckte an, und es machte Spaß, sich wieder wie ein Kind zu benehmen, denn es erinnerte sie an die Zeit, als sie in Cornwall nach Kaulquappen gefischt hatte.
Es platschte, und Abel streckte den Zeigefinger aus. Jessie spähte ins Wasser, erhaschte einen Blick auf etwas Dunkles, das schnell durch die seichten Stellen huschte, um dann unter dem Schilf zu verschwinden. Es war so flink gewesen, dass sie kaum mehr als einen Schatten gesehen hatte. Sie wollte schon ihrer Enttäuschung Ausdruck verleihen, als Abel aufgeregt noch einmal auf etwas zeigte, und diesmal sah sie das eigenartige Geschöpf deutlicher. Es war genau so, wie er es beschrieben hatte, eine Kuriosität, wie erschaffen aus Teilen anderer Tiere.
Verzaubert beobachtete Jessie das außergewöhnliche Wesen, als es über das schlammige Ufer kroch und sich ins Wasser fallenließ, wo es sich zu einigen anderen gesellte. Ihr Fangspiel dauerte ein paar Minuten, dann waren sie verschwunden. Jessie wartete in der Hoffnung, sie würden wiederkommen, doch anscheinend hielten die Tiere sich weiter flussabwärts auf.
Sie richtete sich auf und glättete die Falten an Rock und Bluse. »So welche habe ich noch nie gesehen«, flüsterte sie.
Er grinste über beide Ohren. »Bin froh, dass sie Ihnen gefallen haben. Wir
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