Leviathan erwacht - Corey, J: Leviathan erwacht - Leviathan Wakes (The Expanse Series Book 1)
Männer und Frauen einander zum Vergnügen der Massen scheinbar bewusstlos schlugen. Dabei stellte er sich vor, Julie liefe neben ihm und lächelte ironisch wie er selbst, während er die großen Reklametafeln las. RANDOLPH MAK, SEIT SECHS JAHREN UNANGEFOCHTENER FREISTILMEISTER DES GÜRTELS IN EINEM KAMPF AUF LEBEN UND TOD GEGEN DEN MARSIANER KIVRIN CARMICHAEL!
Daran ist ganz bestimmt nichts manipuliert, sagte Julie trocken in seinem Kopf.
Ich frage mich, wer gewinnen wird, dachte er und hörte sie im Geiste lachen.
Er blieb an einem Nudelimbiss stehen und erstand für zwei neue Yen Eiernudeln mit schwarzer Soße, die in dem Becher dampften. Auf einmal klopfte ihm jemand auf die Schulter.
»Detective Miller«, sagte eine vertraute Stimme. »Ich glaube, Sie befinden sich ein Stück außerhalb Ihres Zuständigkeitsbereichs.«
»Oh, Inspector Sematimba«, antwortete Miller. »Wie er leibt und lebt. Sie können ein armes Mädchen ganz schön erschrecken, wenn Sie sich so anschleichen.«
Sematimba lachte. Selbst für einen Gürtler war er ein großer Mann, und er hatte die dunkelste Haut, die Miller je gesehen hatte. Vor einigen Jahren hatten er und Sematimba bei einem besonders hässlichen Fall zusammengearbeitet. Ein Schmuggler, der Designerdrogen beförderte, hatte mit seinem Lieferanten gebrochen. Bei den folgenden Auseinandersetzungen waren auf Ceres drei Leute umgekommen, und der Schmuggler hatte sich nach Eros abgesetzt. Dank der traditionellen Konkurrenz und der Abschottung der Sicherheitskräfte auf den verschiedenen Stationen wäre der Täter beinahe davongekommen. Nur Miller und Sematimba hatten sich bemüht, ihre Ermittlungen außerhalb der offiziellen Kanäle zu koordinieren.
»Was führt Sie hierher?« Sematimba lehnte sich an ein dünnes Stahlgeländer und deutete zum Tunnel. »Hierher in den Nabel des Gürtels, in das Zentrum von Ruhm und Macht, das Eros heißt?«
»Ich folge einer Spur«, erklärte Miller.
»Hier gibt es nichts Gutes mehr«, erwiderte Sematimba. »Seit Protogen sich zurückgezogen hat, wendet sich alles zum Schlimmeren.«
»Wer hat den Kontrakt jetzt?«
»CPM«, sagte Sematimba.
»Nie gehört.«
»Carne Por la Machina«, erklärte der Cop und schnitt eine Grimasse. Die übertriebene Männlichkeit, die in dem Namen zum Ausdruck kam, behagte ihm wohl nicht. Er trommelte sich auf die Brust und knurrte, dann schüttelte er den Kopf. »Eine neue Firma von Luna. Sie setzen überwiegend Gürtler ein und tun so, als wären sie die Allerhärtesten, aber sie sind größtenteils Amateure. Große Klappe, nichts dahinter. Protogen kam von den inneren Planeten, und das war ein Problem, aber sie haben aufgeräumt. Sie haben einige Köpfe eingeschlagen, aber für Frieden gesorgt. Die neuen Möchtegerncops sind die korruptesten Ganoven, für die ich je gearbeitet habe. Ich glaube nicht, dass die Regierung den Kontrakt erneuern wird, wenn er ausläuft. Das habe ich natürlich nie gesagt, aber es ist wahr.«
»Mein früherer Partner ist jetzt bei Protogen«, erklärte Miller.
»Die sind nicht übel«, meinte Sematimba. »Ich wünschte fast, ich hätte sie bei der Scheidung in Anspruch genommen.«
»Warum haben Sie es nicht getan?«, fragte Miller.
»Sie wissen doch, wie das ist. Ich bin von hier.«
»Ja«, stimmte Miller zu.
»Also wussten Sie gar nicht, wer jetzt hier das Sagen hat? Anscheinend sind Sie nicht auf Arbeitsuche.«
»Nein«, bestätigte Miller. »Ich habe frei und bin privat unterwegs.«
»Haben Sie denn genug Geld dafür?«
»Eigentlich nicht, aber es macht mir nichts aus, eine Weile sparsam zu leben. Haben Sie mal was von einer Juliette Mao gehört? Sie nennt sich Julie.«
Sematimba schüttelte den Kopf.
»Mao-Kwikowski Mercantile«, erläuterte Miller. »Ist aus der Schwerkraftsenke gekommen und hat sich hier niedergelassen. War bei der AAP. Es war ein Entführungsauftrag.«
»War?«
Miller lehnte sich an die Wand der Imbissbude und stellte sich vor, wie Julie die Augenbrauen hochzog.
»Seit ich den Auftrag bekam, hat sich einiges verändert. Möglicherweise steht der Fall mit etwas anderem in Verbindung, mit einer großen Sache.«
»Wie groß?«, fragte Sematimba. Der scherzende Unterton war verflogen, jetzt war er durch und durch Cop. Jeder außer Miller hätte das leere, fast zornige Gesicht beängstigend gefunden.
»Mit dem Krieg«, sagte Miller, worauf sein Gegenüber die Arme vor der Brust verschränkte.
»Das ist ein schlechter Witz.«
»Es ist kein
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