Leviathan erwacht - Corey, J: Leviathan erwacht - Leviathan Wakes (The Expanse Series Book 1)
Witz.«
»Mann, ich betrachte Sie als Freund«, erwiderte Sematimba, »aber ich kann hier keinen Ärger gebrauchen. Es ist so schon unruhig genug.«
»Ich versuche, nicht anzuecken.«
Sematimba nickte. Weiter unten im Tunnel blökte ein Alarm. Nur ein Fall für die Sicherheitskräfte, nicht der ohrenbetäubende Zweiklang eines Umweltalarms. Sematimba blickte den Tunnel hinunter, als könnte er mit zusammengekniffenen Augen das Gedränge der Menschen, Fahrräder und Imbissstände durchdringen.
»Ich seh da lieber gleich nach«, sagte er resigniert. »Wahrscheinlich macht da mal wieder einer meiner neuen Kollegen Schaufenster kaputt, statt für Ruhe und Ordnung zu sorgen.«
»Es muss schön sein, in so einem Team zu arbeiten«, stichelte Miller.
»Kann man’s vorher wissen?«, erwiderte Sematimba lächelnd. »Falls Sie mal was brauchen …«
»Ebenso.« Miller sah dem Cop hinterher, der sich in den chaotischen Menschenauflauf stürzte. Er war ein großer Mann, doch inmitten der Menschen, die sich dem Alarm gegenüber taub stellten, wirkte er auf einmal klein und unscheinbar. Ein Sandkörnchen in der Wüste, so hieß es wohl. Ein Stern unter Millionen.
Miller sah auf die Uhr und rief die örtlichen Andocklisten auf. Die Rosinante war planmäßig eingelaufen, die Andockbucht war angegeben. Miller schlürfte den Rest Nudeln und warf den Schaumstoffbecher mit der restlichen schwarzen Soße in einen Recycler. Dann suchte er die nächste öffentliche Toilette auf, und als er dort fertig war, steuerte er die Casinos an.
Im Laufe der Zeit hatte sich die Architektur auf Eros verändert. Früher war der Felsen Ceres sehr ähnlich gewesen – ein Netzwerk von Tunneln, die mehr oder weniger auf einen zentralen Verbindungskorridor zuliefen. Inzwischen folgte Eros dem Fluss des Geldes, denn alle Wege führten zur Casino-Ebene. Wenn man irgendwo hinwollte, kam man zwangsläufig durch den Bauch des Wals, in dem die bunten Lichter blinkten. Poker, Blackjack, Roulette, große Becken mit Forellen, die darauf warteten, dass die Preisangler sie fingen und ausnahmen, mechanische und elektronische Spielautomaten, Wettrennen mit Insekten, Würfel, gezinkte Geschicklichkeitsspiele. Blinkende Lichter, tanzende Neonclowns, grelle Werbung auf Videoschirmen drangen auf die Augen ein. Lautes künstliches Gelächter, fröhliche Pfiffe und Glocken erklärten dem Besucher, hier könne er sich vergnügen wie noch nie im Leben. Der Geruch von Tausenden Menschen, die in viel zu kleinen Räumen steckten, wetteiferte mit dem stark gewürzten Retortenfleisch, das fliegende Händler mit kleinen Karren auf dem Korridor feilboten. Gier und die Ansprüche der Casinos hatten Eros in einen Viehtrieb für Menschen verwandelt.
Genau das brauchte Miller jetzt.
Die Station der Röhrenbahn aus der Richtung des Hafens hatte sechs große Türen, die sich direkt in ein Casino öffneten. Miller nahm von einer barbusigen müden Frau, die nur einen G-String trug, einen Drink entgegen und suchte sich einen Bildschirm, von dem aus er alle sechs Türen im Auge behalten konnte. Die Crew der Rosinante musste genau dort herauskommen. Er blickte auf das Handterminal. Die Logfiles der Docks zeigten, dass das Schiff vor zehn Minuten eingetroffen war. Miller tat so, als nippte er an seinem Drink, und wartete.
23 Holden
Die Casinoebene auf Eros war ein überwältigender Angriff auf alle Sinne. Holden hasste sie sofort.
»Mir gefällt’s«, verkündete Amos grinsend.
Holden drängte sich durch eine Traube betrunkener Spieler in mittleren Jahren, die lachten und schrien, bis er vor einer Wand neben einer Reihe von Mietterminals eine kleine freie Fläche erreichte.
»Amos«, sagte er, »wir gehen auf eine weniger stark von Touristen bevölkerte Ebene. Halten Sie uns den Rücken frei. Die Absteige, die wir suchen, befindet sich in einer gefährlichen Gegend.«
Amos nickte. »Alles klar, Käpt’n.«
Während Naomi, Alex und Amos die Sicht auf ihn versperrten, griff Holden nach hinten und rückte die Pistole zurecht, die unangenehm an seinem Hosenbund zerrte. Die Cops auf Eros hielten nicht viel von Leuten, die mit Waffen herumliefen, doch er wollte »Lionel Polanski« auf keinen Fall unbewaffnet begegnen. Auch Amos und Alex waren bewaffnet. Amos hatte seine Waffe in der rechten Jackentasche, in der ständig seine Hand steckte. Nur Naomi hatte sich strikt geweigert, eine Pistole zu tragen.
Holden führte die Gruppe zu den nächsten Aufzügen. Amos, der sich
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