Leviathan erwacht - Corey, J: Leviathan erwacht - Leviathan Wakes (The Expanse Series Book 1)
Polizei hat erst durch meinen Anruf erfahren, dass etwas im Gange war.«
Holden legte den Kopf schief. »Verdammt, wir müssen hier verschwinden.«
»Wartet mal«, rief Alex. »Jetzt wartet doch mal. Wie kommt es, dass niemand über den verdammten Mutantenhorror redet, den wir in dem Zimmer gesehen haben? War ich denn der Einzige, dem es überhaupt aufgefallen ist?«
»Ja, verdammt, was hatte das zu bedeuten?«, fragte Amos leise.
Miller holte den Beweismittelbeutel mit Julies Handterminal aus der Jackentasche.
»Kennt sich einer von Ihnen mit der Technik aus?«, fragte er. »Vielleicht können wir es herausfinden.«
»Wahrscheinlich kann ich das Ding hacken«, erklärte Naomi, »aber ich werde es auf keinen Fall berühren, solange wir nicht wissen, was mit ihr passiert ist, und dass es nicht ansteckend ist. Ich fasse nichts an, was sie vorher angefasst hat.«
»Das müssen Sie auch nicht. Der Beutel bleibt verschlossen, sie können durch das Plastik tippen. Der Touchscreen müsste funktionieren.«
Naomi überlegte kurz, dann nahm sie den Beutel entgegen.
»Ich brauche etwas Zeit.« Sie machte sich sofort an die Arbeit.
Miller lehnte sich zurück und stieß abermals ein tiefes Seufzen aus.
»Kannten Sie Julie schon vorher?«, fragte Holden. »Naomi meint, es hätte Sie umgehauen, als Sie das Mädchen tot vorfanden.«
Miller schüttelte langsam den Kopf. »Wenn man so einen Auftrag bekommt, zieht man Erkundigungen ein. Der persönliche Hintergrund, man liest die Mails, redet mit den Freunden. Man macht sich ein Bild.«
Miller unterbrach sich und rieb sich mit den Daumen die Augen. Holden drängte ihn nicht, und tatsächlich sprach Miller von selbst weiter.
»Julie war ein gutes Mädchen«, sagte Miller, als sei es ein Geständnis. »Sie hat mit einem schnellen Schiff an Rennen teilgenommen. Ich … ich wollte sie nur lebendig zurückschicken.«
»Das Ding verlangt ein Passwort.« Naomi hielt das Terminal hoch. »Ich könnte die Hardware hacken, aber dazu müsste ich die Hülle öffnen.«
Miller streckte die Hand aus. »Lassen Sie es mich mal versuchen.«
Naomi händigte ihm das Terminal aus, und er tippte ein paar Buchstaben ein, dann gab er ihr das Gerät zurück.
»Razorback«, las Naomi. »Was ist das denn?«
»Ein schneller Schlitten«, erwiderte Miller.
»Redet der überhaupt mit uns?« Amos deutete mit dem Kinn auf Miller. »Denn sonst ist ja niemand hier, aber ich habe die meiste Zeit keinen Schimmer, was er von sich gibt.«
»Tut mir leid«, antwortete Miller. »Ich habe oft allein gearbeitet, und dabei legt man sich unangenehme Angewohnheiten zu.«
Naomi zuckte mit den Achseln und machte sich wieder an die Arbeit, während Holden und Miller ihr über die Schulter blickten.
»Sie hat hier eine Menge gespeichert«, erklärte Naomi. »Wo sollen wir beginnen?«
Miller deutete auf eine Textdatei gleich auf dem Desktop des Terminals, die einfach nur NOTIZEN hieß.
»Beginnen Sie da«, sagte er. »Sie legt Wert darauf, alles richtig einzuordnen. Wenn sie das auf dem Desktop abgelegt hat, war sie nicht sicher, wohin es gehört.«
Naomi öffnete das Dokument, das sich als grob geordnete Sammlung von Textstücken entpuppte, die den Eindruck eines Tagebuchs erweckten.
Zuerst mal richtig nachdenken. Panik nützt überhaupt nichts und bringt dich nicht weiter. Tief durchatmen. Denk darüber nach und triff die richtigen Entscheidungen. Angst macht dumm. Ha. Superhirn.
Für ein Shuttle:
Kein Reaktor, nur Batterien, sehr niedrige Strahlung.
Vorräte für acht Passagiere.
Viel Reaktionsmasse.
Dagegen:
Kein Epstein, kein Strahlentriebwerk.
Com nicht nur abgeschaltet, sondern ganz und gar ausgebaut (ihr seid wohl etwas paranoid, Jungs).
Der nächste Hafen ist Eros. Fliegen wir dorthin? Vielleicht zu einem anderen Ort? Das hier ist ein Teekessel, eine langsame Mühle. Zu einem anderen Ziel brauchen wir sieben Wochen länger. Also Eros.
Ich kann mir nichts mehr vormachen, habe das Phoebe-Virus. Bin nicht sicher, wie, aber dieser braune Mist war überall. Es ist anaerob, ich muss etwas berührt haben. Ist jetzt egal, löse das Problem.
Ich habe gerade DREI WOCHEN geschlafen. Bin nicht mal aufgestanden, um zu pinkeln. Wie geht so was?
Ich bin im Arsch.
Nicht vergessen:
* BA834024122
* Strahlung ist tödlich. Kein Reaktor auf diesem Shuttle, aber lass das Licht aus. Behalte den Raumanzug an. Der Arsch im Video sagt, das Ding frisst Strahlung. Also nicht füttern.
* Irgendwie Bescheid geben
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