Leviathan erwacht - Corey, J: Leviathan erwacht - Leviathan Wakes (The Expanse Series Book 1)
konnte zehn oder fünfzehn Schritte weit sehen, ehe es zu dunkel wurde. Das einzige Licht stammte von LEDs, die alle drei Schritte auf den in der Wand montierten Trägern befestigt waren. Naomi musste sich beim Eintreten ducken, sie war etwa fünf Zentimeter zu groß, um aufrecht zu stehen. Sie lehnte sich an und ging in die Hocke.
»Man sollte doch meinen, dass die Wartungsgänge groß genug sind, damit Gürtler hier arbeiten können«, meinte sie gereizt.
Holden berührte fast andächtig die Wand und fand eine Nummer, die der Orientierung diente.
»Die Gürtler, die den Gang gebaut haben, waren nicht sehr groß«, erklärte er. »Dies sind Hochspannungsleitungen. Der Tunnel wurde von den ersten Kolonisten im Gürtel gebaut. Die Leute, die ihn gefräst haben, sind in der Schwerkraft aufgewachsen.«
Miller, der sich ebenfalls ducken musste, setzte sich grunzend und mit knackenden Kniegelenken auf den Boden.
»Für die Geschichtsstunden haben wir später noch Zeit«, sagte er. »Lassen Sie uns überlegen, wie wir diesen Felsen verlassen können.«
Amos, der die Kabel aufmerksam betrachtet hatte, sagte über die Schulter: »Falls ihr irgendwo eine ausgefranste Stelle seht, haltet euch fern. Hier laufen ein paar Millionen Volt durch. Ihr würdet im Handumdrehen zerschmelzen.«
Alex setzte sich neben Naomi und schnitt eine Grimasse, als sein Hintern mit dem kalten Steinboden in Berührung kam.
»Wenn sie die Station wirklich dichtmachen, könnten sie auf die Idee kommen, die Luft aus den Wartungsgängen zu pumpen«, sagte er.
»Schon klar«, antwortete Holden laut. »Es ist ein beschissenes, unbequemes Versteck. Ihr habt meine Erlaubnis, in dieser Hinsicht den Mund zu halten.«
Er hockte sich gegenüber von Miller hin. »Na gut, Detective. Und was jetzt?«
»Jetzt warten wir, bis die Suchtrupps vorbei sind. Sobald wir hinter ihnen sind, gehen wir zum Dock. Die Leute in den Schutzräumen sind kein Problem, die sehen uns nicht. Die Schwierigkeit besteht darin, auf den Casinoebenen an den Wachtposten vorbeizukommen.«
»Können wir nicht einfach durch die Wartungsgänge laufen?«, fragte Alex.
Amos schüttelte den Kopf. »Nicht ohne Karte. Wenn man sich hier drin verirrt, dann hat man wirklich ein Problem«, sagte er.
Holden achtete nicht auf die beiden. »Also gut, wir warten, bis alle in den Strahlenschutzräumen sind, und brechen dann auf.«
Miller nickte, und die beiden Männer starrten einander einen Augenblick an. Zwischen ihnen schien dicke Luft zu herrschen, das Schweigen wurde lastend. Miller zuckte mit den Achseln, als säße seine Jacke unbequem.
»Was glauben Sie, warum eine Bande Ganoven von Ceres die Leute in die Strahlenschutzräume treibt, obwohl es überhaupt keine Strahlung gibt?«, fragte Holden schließlich. »Und warum lassen die Cops von Eros so etwas zu?«
»Das sind gute Fragen«, erwiderte Miller.
»Die Tatsache, dass sie solche Ganoven einsetzen, erklärt natürlich, warum der Entführungsversuch im Hotel so kläglich gescheitert ist. Sie scheinen keine Profis zu sein.«
»Nein«, antwortete Miller. »Normalerweise arbeiten sie nicht auf diesem Gebiet.«
»Könntet ihr zwei mal still sein?«, sagte Naomi.
Sie schwiegen fast eine Minute.
»Wahrscheinlich wäre es wirklich dumm zu erkunden, was da draußen eigentlich vor sich geht, oder?«, fragte Holden.
»Ja. Was in den Schutzräumen auch passiert, man kann davon ausgehen, dass genau dort die meisten Wächter und Streifen sind«, erklärte Miller.
»Genau«, bestätigte Holden.
»Kapitän«, sagte Naomi warnend.
»Trotzdem«, sagte Holden zu Miller. »Sie hassen Geheimnisse.«
»Auch wieder wahr.« Miller nickte und lächelte leicht. »Und Sie, mein Freund, sind eine ganz schöne Nervensäge.«
»Das hab ich doch schon mal gehört.«
»Verdammt noch mal«, sagte Naomi leise.
»Was ist denn, Boss?«, fragte Amos.
»Die beiden haben gerade unseren Fluchtplan zunichtegemacht«, antwortete Naomi. Dann sagte sie zu Holden: »Ihr zwei seid sehr schlecht füreinander und damit auch für uns.«
»Nein«, antwortete Holden. »Sie kommen nicht mit. Sie bleiben hier bei Amos und Alex. Geben Sie uns …«, er sah auf sein Terminal, »… drei Stunden, um uns umzusehen und zurückzukommen. Wenn wir dann nicht hier sind …«
»Dann überlassen wir euch den Gangstern, suchen uns auf Tycho einen Job und leben glücklich und zufrieden bis ans Ende aller Tage«, sagte Naomi.
»Genau«, grinste Holden. »Spielen Sie ja nicht die
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