Liebesleben/Mann und Frau/Späte Familie
verließen. Ich lege meine Hand auf sein schlafendes Glied, sofort spannt es sich und erwacht wie ein neugieriges Kind, das nichts versäumen möchte, und ich beuge mich in plötzlicher Freude zu ihm, da ist das einzige Glied an seinem Körper, das nicht gelähmt ist, auf seinen Schwanz ist Verlaß, ein treuer Verbündeter in einem Land, das sich verwandelt hat, nie hätte ich vermutet, daß ich ihm gegenüber noch einmal eine solche Nähe spüren würde, es kommt mir vor, als gehöre er zu mir, wäre fast ein Teil meines Körpers, und ich setze mich vorsichtig auf seinen Bauch, der flach ist wie ein Korkbrett, und schaukele von einer Seite auf die andere. Da kommt sie, die dickflüssige Lust, ausgerechnet wenn ich auf sie verzichtet habe, taucht sie auf wie aus einem tiefen Brunnen, in einem schaukelnden Eimer, ich klemme seinen Körper zwischen meine Schenkel, es ist mir schon egal, ob er aus seinem alkoholisierten Schlaf erwacht, ich beuge mich über ihn, meine Brüste schieben sich in seinen offenen Mund, er leckt sie mit der Zunge, schlägt seine Zähne in die Brustwarzen, bindet mich mit einem Band aus Schmerz an sich, zieht meinen ganzen Körper in seinen Mund, mein müder Körper, vorzeitig abgenutzt, wird neu gebacken im Ofen seines warmen Mundes, bald wird er frisch und duftend aus ihm herauskommen, und ohne Anstrengung, ohne jede Absicht, ergießt sich über mich der Eimer, der gerade aus dem Brunnen hochgezogen wurde, überschwemmt mich mit einer warmen, angenehmen Flüssigkeit. Da schlängelt er sich schon wieder hinab in die Tiefen des Brunnens, seine Bewegungen sind meine Bewegungen, passiv, zufällig, und noch eine schwere Wolke ergießt sich, der Riß in der Wolke ist über meinem Kopf, ich erinnere mich an den alten Brunnen am Rand unseres Städtchens, mitten in den Pflanzungen von Mango- und Avocadobäumen, die Füße versinken in der weichen Unterlage aus Blättern, oben sind sie trocken, unten feucht, Matratzen aus Blättern führen dorthin, und plötzlich schreit jemand, geht von dem Brunnen weg, einmal ist ein kleiner Junge hineingefallen, das Wasser hat seine Schreie verschluckt, er war der einzige Sohn, ein nachgeborener Sohn, und ich winde mich, ich will nicht in dieses Wasser, es ist verflucht, aber der Eimer gibt nicht nach, steigt auf und fällt in mir, mit Schritten, die immer lauter werden, bis sich meine Ohren plötzlich mit einem spöttischen, sorglosen Gelächter füllen.
Du nutzt meinen Zustand aus, beschwert er sich vergnügt, macht die Augen auf, und ich atme schwer auf ihm, verberge meinen schwindligen Kopf in seiner Achselhöhle. Konntest du nicht warten, bis ich aufwache, fährt er fort, erst mich mit Wein abfüllen und dann mich vergewaltigen, wenn ich schlafe, so ausgehungert bist du, wo war denn dieser Hunger die ganzen Jahre? Ich grinse, woher willst du das wissen, vielleicht vergewaltige ich dich jede Nacht, wenn du schläfst, und er gurgelt, schön wär’s ja, und wieder dieses sorglose Lachen, immer nach sexuellen Vergnügungen ist er vollkommen anders, die Bitterkeit, die sonst in ihm steckt, schmilzt dahin, und er strömt über vor Liebe. Er streichelt meinen Rücken, meine No’am, meine Ärmste, du hast dir solche Sorgen um mich gemacht, und ich bin schon bereit, in erleichtertes Weinen auszubrechen, es war schlimm, dich so zu sehen, im Krankenhaus, an diesen Schläuchen hängend, und er fordert mich heraus, die Krankenschwester in der Notaufnahme war gar nicht so übel, und ich beiße ihm in die Schulter, ich habe gesehen, daß du auf sie abfährst, er lacht, Blödsinn, du weißt doch, ich will nur dich, und ich weiß, daß das stimmt, nur daß es sich nicht immer so gut anhört wie in diesem Moment, normalerweise klingt es wie eine Drohung, aber nun streicheln mich seine Worte von innen, beruhigend, die ganze Trennung zwischen innen und außen wird plötzlich verwischt. Ist diese Ruhe, die ich höre, innen oder außen, wieso fährt kein Auto unten auf der Straße vorbei, ich muß an die schreckliche Stille dort in der Höhle denken, da ging ein Rauch auf vom Lande wie der Rauch von einem Ofen, ich sehe die hingeschlachteten Leichen der rauchenden Städte, den zerstörten Garten Gottes, und da sagt er, weißt du, auf meinem Heimweg von der Arava bin ich auf den Berg Sodom gestiegen, hast du gewußt, daß er von innen hohl ist, daß er sowohl Berg als auch Höhle ist? Nein, antworte ich flüsternd, nein, das habe ich nicht gewußt. Es ist der traurigste Ort, den
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