Liebesleben/Mann und Frau/Späte Familie
Geliebter, flüstere ich zu dem Spiegel, mein Geliebter, mein Mann, ich war es, die diese Nacht mit dir zusammen war, mach mich nicht zu deiner Feindin, trenne uns nicht, schließlich hast du immer solche Nächte gewollt, eine Schicht Liebe über die andere ziehen, wie Unterhemden im Winter, warum wendest du ausgerechnet jetzt dein Gesicht ab, und wieder beuge ich mich über den Hahn, trinke und trinke und fülle mich mit Zorn, als ströme giftiges Wasser aus seiner Öffnung, nichts wird helfen, keine Worte, er kann das Gute nicht ertragen, er ist wie ein Kind, das sein liebstes Spielzeug kaputtmacht, nur damit niemand es ihm wegnehmen kann, aber ich bin kein Spielzeug, das irgend jemandem gehört, schon juckt es mich, zurückzuschreien, wie kannst du es wagen, mir die Schuld an deinen Krankheiten zu geben, aber meine Stimme ist unhörbar, schau nur, du bist in dein Gekränktsein versunken, während er nichts sieht, das ist jetzt das Problem, alles andere ist überflüssig.
Na’ama, höre ich ihn im despotischen Ton eines Kranken rufen, Na’ama, wo bist du, ich brauche dich, und ich zwinge mich, das Badezimmer zu verlassen, was willst du, frage ich und betrachte mißtrauisch seine geschlossenen Augen, und er sagt, ich will, daß du mir zuhörst, ich versuche schon seit ein paar Tagen, das zu verstehen, was mit mir passiert, was nicht stimmt mit meinem Leben, und heute morgen wird mir klar, daß alles an dem vergeudeten Samen liegt, deshalb bin ich krank. Bist du verrückt geworden, rufe ich erschrocken, worüber redest du da? Er zischt mit sicherer Stimme, als handelte es sich um das Ergebnis einer wissenschaftlichen Forschung, darüber, daß ich mit dir schlafe, darüber rede ich, darüber, daß du mir meinen Samen herauspreßt, ich darf nicht mehr mit dir schlafen, mein Samen ist die Essenz meines Lebens, ich habe zugelassen, daß du mein Leben trinkst, mit allen Lippen deines Körpers.
Erschrocken setze ich mich auf das Bett, halte mir beide Hände vor den Mund, genau so hat man die Juden beschuldigt, das Blut eines christlichen Kindes getrunken zu haben, und jetzt ist alles ins Gegenteil verkehrt, er ist durch die Krankheit konvertiert und beschuldigt mich unverfroren. Wütend stelle ich fest, daß sein Gesicht ganz ruhig ist, es zeigt eine neue Sicherheit, eine verzerrte und entstellte Sicherheit, die mein Blut zum Kochen bringt. Ein abgerissener Schrei dringt aus meiner Kehle, der Schrei eines gefangenen Tieres, du bist es doch, der die ganze Zeit mit mir schlafen will, wie wagst du es also, mich zu beschuldigen? Ich kann es nicht mehr hören, daß ich es immer bin, der will, zischt er, du bist es doch, die mich dazu bringt, es zu wollen, wäre ich ohne dich, hätte ich es doch nicht gewollt, und ich schreie, na großartig, dann bleib doch allein, ich habe genug von deinen Beschuldigungen.
So schnell wirst du mich nicht los, nachdem du mich krank gemacht hast, knirscht er mit zusammengebissenen Zähnen, und ich zittere am ganzen Körper, ich habe dich krank gemacht, wie undankbar du doch bist, ich habe dich krank gemacht? Aber die Worte bleiben mir in der Kehle stecken, sie weigern sich, herauszukommen, wer hat uns eine so kurze Zeit der Gnade zugeteilt, wohin führt das, was wird mit Noga sein, und als ich an sie denke, springen mir Tränen in die Augen, sie wird enttäuscht sein, bestimmt wartet sie darauf, daß wir morgen ruhig und fröhlich zu ihr zurückkommen und sie in unsere Freude führen wie in einen prächtigen Palast.
Durch die Flure nähern sich schon die Staubsauger und beeilen sich, die Gäste aus ihren Zimmern zu vertreiben, damit sie sich von den für sie bestimmten Vergnügungen aufsaugen lassen, nur wir liegen im Zimmer wie düstere Basaltbrocken, wir sind uns fremd, und fremd sind wir den Resten unserer Liebe auf dem Laken, das bald gewechselt wird, fremd der schönen Umgebung. Ich jammere in das feuchte Handtuch, ich kann so nicht mehr weitermachen, ich kann nicht mehr, und er faucht, ich bin sie leid, deine Tränen, du denkst nur an dich, ich bin krank, und du hast Mitleid mit dir selbst! Ich schaue mich um, was soll ich tun, wenn ich mich anziehe und hinausgehe, wird er sagen, ich hätte ihn im Stich gelassen, und wenn ich bleibe, habe ich keinen Platz, mich vor ihm zu verstecken, bin gefangen in der Schußlinie eines Blinden, der aus Versehen töten kann. Wütend gehe ich ins Bad, stütze mich auf das Waschbecken und betrachte mich im Spiegel, meine Lider sind geschwollen über den
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