Little Brother
ichs, aufzustehen - etwas musste in meinem Mund gestorben sein, nachdem es mir die Augenlider zugekleistert hatte - und die Dusche zu finden.
Ich erlaubte meiner Mom, eine Scheibe Toast und eine Banane in mich reinzuzwingen, und wünschte mir nichts mehr, als dass meine Eltern mich daheim mal Kaffee trinken ließen. Ich konnte mir zwar einen auf dem Weg zur Schule besorgen, aber ihnen dabei zuzusehen, wie sie ihr schwarzes Gold schlürften, während ich meinen Hintern durchs Haus schleppte, mich anzog und meine Bücher in die Tasche packte, das war mies.
Ich bin den Weg zur Schule schon tausend Mal gegangen, aber dieses Mal wars anders. Ich ging über die Hügel runter ins Mission-Viertel, und überall waren Trucks. Ich sah, dass an vielen Stoppschildern neue Sensoren und Verkehrsüberwachungskameras installiert waren. Irgendjemand hatte eine Menge Schnüffelzeug rumliegen gehabt und nur auf die erste Gelegenheit gewartet, es installieren zu können. Der Anschlag auf die Bay Bridge war genau das gewesen, was diese Leute brauchten.
Das alles machte die Stadt irgendwie gedämpfter, wie in einem Fahrstuhl, die erhöhte Aufmerksamkeit deiner Nachbarn und die allgegenwärtigen Kameras waren bedrückend.
Der türkische Coffeeshop auf der 24. Straße peppte mich mit einem Türkischen Kaffee zum Mitnehmen auf. Im Grunde ist Türkischer Kaffee Schlamm, der behauptet, Kaffee zu sein. Er ist dickflüssig genug, dass ein Löffel drin stehenbleibt, und hat viel mehr Koffein als Red Bull und diese ganze Kinderbrause. Glaubt es jemandem, der den Wikipedia-Eintrag gelesen hat: Das Ottomanische Reich wurde erobert von wildgewordenen Reitern, die von tödlich-tiefschwarzem Kaffeeschlamm angetrieben waren.
Ich zog meine Kreditkarte zum Zahlen raus und er zog ein Gesicht. "Kein Kredit mehr", sagte er.
"Was? Warum nicht?" Meine Kaffeesucht hatte ich beim Türken schon seit Jahren mit der Kreditkarte gezahlt. Er zog mich ständig auf, behauptete, ich sei noch zu jung, das Zeug zu trinken, und weigerte sich komplett, mir während der Unterrichtszeit was zu verkaufen, weil er sicher war, ich würde die Schule schwänzen. Aber im Lauf der Jahre hatten der Türke und ich so eine Art stillschweigendes Einvernehmen entwickelt.
Er schüttelte traurig den Kopf. "Das würdest du nicht verstehen. Geh zur Schule, Junge." Der sicherste Weg, mich dazu zu bringen, etwas verstehen zu wollen, ist zu behaupten, das würde ich nicht verstehen. Ich beschwätzte ihn und bestand drauf, dass ers mir erzählte. Erst guckte er, als sei er drauf und dran, mich rauszuwerfen, aber als ich ihn fragte, ob ich ihm als Kunde nicht mehr gut genug sei, taute er auf.
"Sicherheit", sagte er und schaute über seinen kleinen Laden mit den Packungen voll getrockneter Bohnen und Samen, den Regalen mit türkischem Obst und Gemüse. "Die Regierung. Überwachen jetzt alles; stand in der Zeitung. PATRIOT Act II hat Kongress gestern beschlossen. Jetzt können sie immer sehen, wenn du deine Karte benutzt. Ich sage nein. Ich sage, mein Laden hilft ihnen nicht dabei, meine Kunden auszuschnüffeln."
Meine Kinnlade klappte runter.
"Denkst du vielleicht, was macht das schon? Wo ist das Problem, wenn Regierung weiß, wann du Kaffee kaufst? Weil sie wissen, wo du bist und wo du warst. Warum denkst du, ich bin aus Türkei fort? Wo Regierung immer das Volk ausspioniert, ist nicht gut. Ich komme vor zwanzig Jahren wegen Freiheit hierher - ich helfe ihnen nicht, Freiheit wegzunehmen."
"Aber Sie verlieren so viele Kunden", stammelte ich. Ich wollte ihm sagen, dass er ein Held sei, und seine Hand schütteln, aber nur das kam raus. "Jeder benutzt Kreditkarten."
"Vielleicht nicht mehr so viel. Vielleicht kommen meine Kunden hierher, weil sie wissen, ich liebe auch Freiheit. Ich mache Schild für Fenster. Vielleicht machen andere Läden auch. Ich höre, ACLU ( 2 ) will sie deshalb verklagen."
"Ich komm ab jetzt jedenfalls nur noch zu ihnen", sagte ich und meinte es so. Dann kramte ich in der Hosentasche.
"Oh, ich habe gar kein Geld dabei."
Er deutete ein Lächeln an und nickte. "Viel Leute sagen dasselbe. Alles gut. Geld von heute kannst du der ACLU geben."
Binnen zwei Minuten hatten der Türke und ich mehr Worte gewechselt als in all der Zeit, seit ich in seinen Laden kam. Ich hatte nie geahnt, dass er all diese Leidenschaft hatte. Ich hatte ihn immer nur als den freundlichen Koffein-Dealer von nebenan betrachtet. Jetzt schüttelte ich ihm die Hand und verließ den Laden. Ich hatte
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