Mach sie fertig
Gebrauchtwagen nach einem Auto. Niklas war nicht gerade mit dem Internet aufgewachsen, aber er hatte sich hin und wieder Zugang verschafft. Dennoch fehlte ihm der Durchblick: Es kostete ihn einen halben Tag, um überhaupt zu kapieren, wie es funktionierte. Welche Suchmaschinen relevante Treffer erzielten, welche Autoseiten das umfangreichste Angebot bereithielten, wo man mit Privatpersonen verhandeln und Unternehmen umgehen konnte, wo er einigermaßen preiswerte APC – Armored Personel Carriers mit Vierradantrieb finden konnte.
Nahezu nichts war bisher geklärt. Er wusste nicht, wann/wo/wie er den Wagen benötigen würde. Ob er etwas würde transportieren müssen, ob die Kiste möglicherweise von der Polizei beschossen wurde, wie geländegängig sie sein musste. Nur zwei Dinge standen fest: Er musste jetzt anfangen, die Männer zu beschatten. Und der Wagen musste getönte Scheiben haben.
Anfänglich stach ihm ein Jeep Grand Cherokee von 2006 ins Auge. Der Verkäufer behauptete in der Anzeige: extrem gut gepflegt, nur neunzigtausend Kilometer, Dieselmotor. Klang perfekt, der Wagen würde in jedem Gelände fahren können. Die hinteren Scheiben: groß, dunkel, nicht einsehbar. Der Nachteil: der Preis – er verlangte dreihundert Riesen. Niklas fuhr zur Sicherheit raus nach Stocksund. Der Wagen war schick, würde sich perfekt eignen. Er hatte einiges gespart, aber der Krieg würde noch weitere Ausgaben erfordern als nur den Wagen. Er musste sein Geld zusammenhalten.
Nächste Alternative: ein Audi Avant mit Vierradantrieb von 2002 . Sah ziemlich flott aus: komplett ausgefülltes Scheckheft, GPS , Seitenairbag, Winterreifen mit Spikes, Xenonscheinwerfer. Getönte Scheiben. Das ganze Programm. Niklas pfiff auf die Felgen, das Lenkrad, die Bezüge und so weiter. Aber GPS – ihm wurde plötzlich klar: Ein Navigator war genau das, was er benötigte, denn er kannte sich in Stockholm nicht gerade gut aus. Außerdem stand in der Anzeige, dass der Wagen von einer Frau gefahren worden war. Der Preis, zweihunderttausend Mäuse, mehr als okay.
Sehr guter Zustand, absolut gepflegt! Rufen Sie zwecks Besichtigung an.
Er tippte die Nummer in sein Handy.
Der Wagen wurde von einer Nina Glavmo-Svensén in Edsviken, Sollentuna angeboten.
Der Vikingaväg: Schwedenidyll mit viel Grün. Er fingerte an seinem Trekkinggürtel herum. Dort hatte er den Barscheck stecken. Hundertachtzigtausend. Außerdem: zwanzigtausend in bar für den Fall, dass sich der Preis nicht drücken ließ. Im Stillen dankte er DynCorp für die Abwicklung des finanziellen Transfers. Ohne deren Professionalität wäre sein Honorar da unten in bar ausgezahlt worden. Der Vorteil: Ihre Vernetzung mit Banken über die ganze Welt löste das Problem. Sie überwiesen die Knete unmittelbar an die Geschäftsstelle der Manhattan Chase, die sie unverzüglich über ihre Filiale in Nassau, wo vorteilhaftere Regelungen in Bezug auf das Bankgeheimnis herrschten, zur sicheren Handelsbank in Stockholm weitertransferierte. Niklas’ noch übriggebliebene Ersparnisse nach dem Fiasko in Macao: eine halbe Million Kronen. Und jetzt würde er fast die Hälfte des Geldes verprassen.
Nummer einundzwanzig. Eine zweigeschossige Villa aus gelb angestrichenem Holz mit Garage. Zwei üppig sprießende Obstbäume im Garten. Ein Rasensprenger und ein aufblasbares Babyplanschbecken auf dem Rasen. Es war zu schön, um wahr zu sein. Hinter der perfekten Fassade musste irgendetwas faul sein.
Niklas klingelte.
Eine Frau öffnete. Die Inserentin, Nina Glavmo-Svensén. Ungefähr drei Sekunden lang bekam Niklas kein Wort heraus. Er hatte nicht erwartet, dass die Frau so alt wie er selbst sein würde. Wohnten etwa Leute, die noch nicht einmal dreißig waren, in solchen Häusern? Er wusste nicht, was er sagen sollte. Nina Glavmo-Svensén: verdammt hübsch. In Shorts und Top. Mit leicht schiefem Lächeln. Ein Baby auf dem Arm. Niklas konnte nicht ausmachen, wie alt es war, oder ob es ein Mädchen oder Junge war.
Er streckte die Hand vor: »Hej, ich bin Johannes. Ich wollte mir das Auto ansehen.« Ein guter Deckname, Johannes.
Nina schien ebenfalls erstaunt. Lächelte nervös.
Niklas lachte.
Nina sah ihm in die Augen. Er erwiderte ihren Blick. Was konnte er da sehen? Wie war ihr Leben? Wer hatte entschieden, dass das Auto verkauft werden sollte? War es ihr eigener Entschluss, oder hatte jemand anders das Sagen? Er meinte, etwas Dunkles in ihren Augen zu erblicken, einen Anflug von Missmut. Nicht
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