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Marionetten

Marionetten

Titel: Marionetten Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Carre
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dann und wandte sich wieder zu ihr um. »Vielleicht können Sie sie mir beantworten. In den Bestimmungen, die das Konto seines angeblichen Vaters betreffen, wird ein sogenanntes Instrument erwähnt. Ein solches Instrument wäre unerläßlich, um einen Anspruch geltend zu machen.«
    »Handelt es sich um einen Schlüssel?«
    »Möglich.«
    »Einen kleinen, mit drei Bärten?«
    »Denkbar.«
    »Ich werde ihn fragen«, sagte sie.
    Lächelte sie? Brue wollte es scheinen, als wäre zwischen ihnen ein konspirativer Funke übergesprungen. Er hoffte es.
    »Natürlich nur, wenn er seinen Anspruch geltend macht«, fügte er ernst hinzu. »Nur, wenn man ihn dazu überreden kann. Ansonsten stehen wir wieder am Anfang.«
    »Ist es viel Geld?«
    »Falls er seinen Anspruch geltend macht und falls er damit Erfolg hat, wird er Sie zweifellos darüber informieren, um welche Summe es sich handelt«, antwortete er steif.
    Doch unvermittelt ging entweder seine Gutherzigkeit mit ihm durch, oder er vergaß ganz einfach für einen Augenblick, daß er ein in der Wolle gefärbter knallharter Geschäftsmann war. Ihn überkam das unheimliche Gefühl, daß ein anderer von ihm Besitz ergriffen hatte und aus ihm sprach – ein echter Mensch, der spontane mitmenschliche Regungen begrüßte, statt sie als Gefahr für ein korrektes Finanzgebaren zu sehen:
    »Aber wenn ich bis dahin als Privatperson irgend etwas tun kann – um zu helfen, meine ich, solange es sich halbwegs im Rahmen hält –, würde ich das sehr gern tun. Ganz im Ernst. Es wäre mir eine Ehre.«
    * * *
    Sie betrachtete ihn so regungslos, daß er sich fast nicht mehr sicher war, ob er tatsächlich etwas gesagt hatte.
    »Wie, helfen?« fragte sie dann.
    Jetzt gab es kein Zurück mehr: auch nicht schlimm, denn er preschte bereits weiter vor. »Solange es sich im Rahmen hält, auf jede mir mögliche Weise. Das würde ich ganz Ihnen überlassen. In jeder Hinsicht. Immer angenommen, ihm ist zu glauben. Das müßte ich dann, selbstredend.«
    »Das müssen wir beide«, sagte sie ungeduldig. »Ich versuche herauszubekommen, was Sie meinen, wenn Sie sagen, daß Sie gern helfen möchten.«
    Brue hätte es selbst gern gewußt. Immerhin sah sie ihn nicht mehr vorwurfsvoll an, sondern so, als ob er etwas Nützliches von sich gegeben hätte, etwas, was sie auf einen Gedanken brachte.
    »Ich meinte vermutlich Geld«, antwortete er peinlich berührt.
    »Könnten Sie ihm zum Beispiel etwas leihen, als ersten Abschlag auf das, was er zu erwarten hat?«
    Kurz meldete sich der Bankier in ihm zurück. »Aus Mitteln der Bank? Nein. Nicht, solange seine Anwartschaft nicht nachgewiesen ist und er seinen Anspruch nicht geltend gemacht hat. Das wäre ausgeschlossen.«
    »Wie haben Sie es dann gemeint?«
    »Hat Ihre Organisation denn keine Mittel für solche Eventualitäten?«
    »Die Mittel von Fluchthafen reichen gerade aus, um die Fahrt direkt ins Abschiebezentrum zu bezahlen.«
    Brue wollte noch nicht aufgeben. »Und wenn er wirklich krank ist? Wenn er sich auf Krankheitsgründe beruft? Einen schwerkranken Mann wird ja wohl niemand abschieben.«
    »Wenn er sich auf Krankheitsgründe beruft – was die Hälfte der Asylbewerber tut, was wir in Magomeds Fall getan haben – und die Ärzte ihm die Reiseunfähigkeit bescheinigen, wird er in ein Krankenhaus gebracht, wo er unter Bewachung steht, bis er wieder reisefähig ist und abgeschoben werden kann. Ich frage Sie noch einmal: Was für Geld haben Sie gemeint?«
    »Nun, die Summe würde sich wohl am tatsächlichen Bedarf orientieren«, sagte Brue der Bankier. »Wenn Sie mir einen Anhaltspunkt geben könnten, was Sie damit vorhaben …«
    »Nein. Das fällt unter mein Berufsgeheimnis.«
    »Natürlich. Unbedingt. Gar keine Frage. Aber wenn es Ihnen um eine, nun ja, relativ bescheidene Summe geht, als Überbrückungshilfe …«
    »So bescheiden nun auch wieder nicht …«
    »… dann käme das Geld unter den gegebenen Umständen aus meinem Privatvermögen. Bestimmt für Ihren Mandanten. Über Sie, aber zu seiner Verwendung.«
    »Brauchen Sie eine Sicherheit?«
    »Um Gottes willen, nein!« Warum war er so schockiert? »Ein formloses Privatdarlehen, das man zu gegebener Zeit gern wieder zurückerstattet bekäme – oder aber auch nicht. Je nachdem, was für eine Summe Ihnen vorschwebt, selbstredend. Aber nein. Keine Sicherheiten verlangt oder benötigt.«
    Er hatte es gesagt. Und nachdem er es gesagt hatte, wußte er, daß er es glaubte und bereit wäre, es nochmals

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