Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Marionetten

Marionetten

Titel: Marionetten Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Carre
Vom Netzwerk:
zu sagen, und wenn nötig auch ein drittes Mal.
    Jetzt war sie diejenige, die unsicher wurde. »Es könnte – nun ja – ziemlich viel sein.«
    »Gut, da ist die Frage natürlich, wieviel viel ist«, konnte er sich nicht verkneifen zu erwidern, mit dem Bankierslächeln, das besagte, daß das, was für einen anderen nach viel klang, für jemanden wie ihn noch lange nicht viel sein mußte.
    »Wenn er es doch nicht braucht, gebe ich es Ihnen wieder zurück. Das müssen Sie mir glauben.«
    »Daran hege ich keinen Zweifel. An welchen Betrag hatten Sie denn nun gedacht?«
    Was rechnete sie da? Wieviel sie ihm abknöpfen konnte oder wieviel sie für das, was sie im Sinn hatte, benötigte? Und wie lange hatte sie es bereits im Sinn? Schon seit sie in diesem Zimmer waren oder erst seit er sie auf die Idee gebracht hatte?
    »Für das, was ich mit ihm vorhabe – wenn ich ihn dazu überreden kann –, braucht er mindestens … dreißigtausend Euro.« Sie stieß die Summe hastig hervor, als ob sie dadurch kleiner würde.
    Brue schwirrte der Kopf, aber nicht vor Schreck. Sie ist keine zwielichtige Unternehmerin. Sie ist keine schlechte Schuldnerin, kein fauler Kredit und auch keine geniale Verliererin mit einem verrückten Einfall. Der verrückte Einfall kam von mir, oder besser gesagt: Der Einfall kam von mir, und er war nicht verrückt.
    »Bis wann benötigen Sie es?« rutschte es ihm heraus – noch so eine Standardfrage.
    »Sehr bald. Spätestens in ein, zwei Tagen. Es könnte plötzlich alles ganz schnell gehen. Dann müßte ich das Geld gleich zur Verfügung haben.«
    »Und heute ist Freitag. Dann erledigen wir es doch am besten sofort. Nicht, daß noch etwas dazwischenkommt. Und weil Sie mir ja sowieso alles zurückgeben, was Sie nicht brauchen, legen wir zur Sicherheit lieber noch ein paar Euro drauf« – als ob sie gemeinsam etwas aufbauen wollten, aber genauso fühlte es sich in seinem entrückten Zustand für ihn an.
    Wie immer hatte Brue sein Scheckheft zur Hand, ausgegeben von einer großen Clearingbank. Aber wo um alles in der Welt steckte sein Füllhalter? Vergeblich klopfte er seine Taschen ab – bis ihm einfiel, daß er ihn bei seinem Notizbuch im Wohnzimmer liegenlassen hatte. Sie gab ihm ihren und sah zu, wie er auf Annabel Richter einen Scheck über fünfzigtausend Euro ausstellte, datiert auf den heutigen Freitag. Auf einer Visitenkarte, von denen er in seinem Sportjackett ein halbes Dutzend bei sich trug, schrieb er ihr seine Handynummer auf und fügte – wennschon, dennschon! – auch gleich noch seine Durchwahl in der Bank hinzu.
    »Dann höre ich von Ihnen, ja?« murmelte er befangen, als er merkte, daß sie ihn immer noch anstarrte. »Tommy ist übrigens der Name.«
    Im Wohnzimmer hatte Issa sich mittlerweile überreden lassen, den Kopf an den Sofarücken zu lehnen, und Leyla kühlte ihm mit einem nassen Umschlag die Stirn. Brue sammelte seinen goldenen Füllhalter wieder ein.
    »Besser, Sie kommen nicht mehr zu uns«, knurrte Melik, als er Brue zur Tür brachte. »Besser, Sie vergessen, wo wir wohnen. Wir kennen Sie nicht, Sie kennen uns nicht. Abgemacht?«
    »Abgemacht«, sagte Brue.
    * * *
    »Die von Essens mogeln«, verkündete Mitzi, während sie ihre Saphirohrringe abnahm und sich im Frisierspiegel betrachtete, ihrerseits betrachtet von Brue, der schon im Bett lag. Mit ihren fünfzig Jahren ging sie dank bester Wartung und der Dienste eines angesagten Schönheitschirurgen noch immer als hinreißende Neununddreißigj ährige durch – beinahe zumindest.
    »Mit allen Tricks spielen die«, fuhr sie fort und unterzog ihre Halssehnen einer kritischen Prüfung. »Gefummel im Gesicht, Gefummel an den Karten, Kopfkratzen, Gähnen, Spiegel. Und dieses nuttige kleine Hausmädel von ihnen schiebt die Drinks rum und lurt dabei, wenn sie nicht grade dem Bernhard schöntut.«
    Es war zwei Uhr morgens. Manchmal sprachen sie Deutsch, manchmal Englisch und aus Spaß auch schon einmal einen Mischmasch. Heute war Deutsch an der Reihe: beziehungsweise Mitzis weiche Wiener Mundart.
    »Ihr habt also verloren«, riet Brue.
    »Und stinken tut’s bei denen auch noch«, fügte sie hinzu, ohne ihn zu beachten. »Kein Wunder, wo das Haus doch direkt auf der Kanalisation steht. Der Bernhard hätte den König nicht ausspielen dürfen. Immer ist er gleich so panisch. Wenn er nicht den Kopf verloren hätte, hätten wir den Rubber gewinnen können. Höchste Zeit, daß er erwachsen wird.«
    Bernhard, ihr fester Partner, und

Weitere Kostenlose Bücher