Meer der Liebe
Mit ihrem GroÃvater konnte sie nicht über ihre Gefühle reden. Nicht wenn ihr selbst so vieles noch unklar war.
Und da Pop seine Enkelin und ihr Bedürfnis nach Privatsphäre kannte, stellte er auch keine Fragen.
Die Arbeit im Park erledigte sie mechanisch. Die Gesichter, denen sie begegnete, waren ihr alle fremd.
Sie neidete den Menschen die Unbeschwertheit, wo ihr eigenes Leben sich in einem solchen Aufruhr befand. Nur in ihrem Atelier fand sie Ablenkung, und wenn das Licht dort lange bis nach Mitternacht brannte, so fiel ihr nicht einmal auf, wie spät es war.
Eine seltsame, scheinbar unerschöpfliche nervöse Energie trieb sie an und lieà sie rastlos weitermachen.
Es war Nachmittag. Megan stand als Aufsicht beim Kinderkarussell. Sie nahm Fahrmünzen entgegen und tat ihr Bestes, die verwegeneren Kinder davon abzuhalten, sich gegenseitig wegzuschubsen und andere zu drängeln.
Sobald die Feuerwehrautos, Rennwagen und Motorräder ihre Fahrgäste aufgenommen hatten, bediente sie den Hebel, und das Rondell setzte sich in Bewegung.
Kinder mit lachenden Gesichtern umklammerten die Lenkräder und jubelten um die Wette mit den Sirenen und Martinshörnern.
Einer der Kleinen zeigte als Feuerwehrhauptmann so viel Begeisterung, dass er mit seinen strahlenden Augen sogar Megan ein Lächeln entlockte.
»Entschuldigung?«
Megan wandte sich zu der Stimme um, darauf eingestellt, eine Frage der Eltern zu beantworten.
Sie sah in das schöne Gesicht einer blonden Frau.
»Sie sind Megan, nicht wahr? Megan Miller?«
»Ja. Kann ich etwas für Sie tun?«
»Ich heiÃe Jessica Delaney.«
Megan wunderte sich über sich selbst, dass sie die andere nicht sofort erkannt hatte.
»Sie sind Catchs Schwester!«
»Ja.« Jessica lächelte. »Catch hat mir schon erzählt, dass Sie ein scharfes Auge haben. Die wenigsten sehen die Familienähnlichkeit, es sei denn, Catch und ich stehen direkt nebeneinander.«
Megans geübtes Künstlerauge dagegen erkannte die Ãhnlichkeit sofort, ebenso wie die offensichtlichen Unterschiede.
»Freut mich, Sie kennenzulernen.« Megan überlegte, was sie sonst noch sagen sollte. »Sind Sie zu Besuch bei Catch?«
Jessica wirkte nicht wie eine Frau, die ihr Amüsement in Vergnügungsparks suchte. Sie würde wohl eher in den Countryklub oder ins Theater gehen.
»Nur für ein, zwei Tage.«
Jessica deutete auf das Karussell.
»Meine Familie ist mit mir hier. Da ist Rob, mein Mann«, Megan lächelte dem attraktiven dunkelhaarigen Mann grüÃend zu, »und unsere beiden Töchter, Erin und Laura.«
Die beiden blonden Mädchen, ungefähr vier und sechs Jahre alt, flogen begeistert die unvermeidlichen Runden in einem der Karussellflugzeuge.
»Hübsche Kinder«, meinte Megan.
»Ja, uns gefallen sie auch«, erwiderte Jessica trocken, dann lachte sie. »Catch konnte zwar nicht sagen, wo genau im Park wir Sie finden werden, aber er hat Sie uns sehr gut beschrieben.«
»Ist er auch hier?«, fragte Megan bemüht gleichgültig und suchte die umstehende Menge mit den Augen ab.
»Nein, er hatte etwas Geschäftliches zu erledigen.«
Die Glocke ertönte, die das Ende der Fahrt einläutete.
»Entschuldigen Sie mich einen Moment.« Dankbar für die Unterbrechung beaufsichtigte Megan das Ein- und Aussteigen der kleinen Fahrgäste. Die Letzten, die noch saÃen, waren Erin und Laura.
Erin, die Ãltere, lächelte Megan breit an, mit Augen in der gleichen Farbe wie die ihres Onkels.
»Ich bin der Pilot«, behauptete sie überzeugt. »Laura fliegt nur mit.«
»Stimmt gar nicht.« Wild drehte die jüngere Schwester am Steuer.
»Das liegt in der Familie«, sagte Jessica hinter Megan, die die Sicherheitsgurte löste. »Dickköpfigkeit. Ist Ihnen sicherlich schon aufgefallen.«
Megan drehte sich lächelnd zu Jessica um. »Ja, ein- oder zweimal â¦Â«
Die nächsten Fahrgäste stürmten auf die Geräte.
»Ich weiÃ, Sie sind sehr beschäftigt«, sagte Jessica mit einem Blick auf das schon wieder voll besetzte Karussell.
Megan zuckte mit den Schultern. »Eigentlich muss ich nur darauf achten, dass jeder sicher sitzt und angeschnallt bleibt.«
»Meine beiden Engelchen werden darauf bestehen, sofort zum nächsten Abenteuer weiterzuziehen. Können wir uns unterhalten, wenn Sie hier fertig mit
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