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Mein Weg - Ein politisches Bekenntnis

Mein Weg - Ein politisches Bekenntnis

Titel: Mein Weg - Ein politisches Bekenntnis Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Michail Chodorkowski
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Finanzgebaren des Unternehmens zu tun haben. Das Gebiet entspricht in Teilen den Aufgaben der Innenrevision / Unternehmenssicherheit im deutschen Wirtschaftsraum. (Anm. d. Ü.)
    19 In der Technitscheski-Gasse 2 befand sich seinerzeit die Abteilung der Generalstaatsanwaltschaft für besonders wichtige Verfahren. (Anm. Natalija Geworkjan)
    20 1 13 6 vertrieben die Bewohner von Nowgorod Fürst Wsewolod Mstislawowitsch. (Anm. Natalija Geworkjan)
    21 Alexej Wenediktow, Chefredakteur des Radiosenders Echo Moskwy . (Anm. Natalija Geworkjan)
    22 Sojus prawych sil, Union der rechten Kräfte (Anm. d. Ü.)
    23 Geplantes System von Erdölleitungen, die die westsibirischen Vorkommen mit der Stadt Murmansk verbinden sollen, die trotz ihrer Lage nördlich des Polarkreises über einen weitgehend eisfreien Hafen mit Zugang zum Arktischen Ozean verfügt. (Anm. d. Ü.)
    24 Stierlitz, der bei den Nazis eingeschleuste sowjetische Spion, ist eine Figur aus dem populären TV-Mehrteiler Siebzehn Augenblicke des Frühlings. (Anm. Natalija Geworkjan)

MICHAIL CHODORKOWSKI
    KAPITEL 3
    Ich wollte der Beste sein
    Ich bin jemand, der Erinnerungen nicht allzu sehr mag. Mein Gedächtnis ist so strukturiert, dass es alles verwirft, was keine logische Verbindung zur Gegenwart oder keinen emotionalen Gehalt hat. Letzteres kommt in meinem Leben nur selten vor.
    Dennoch erinnere ich mich, dass ich immer schon Führungsrollen angestrebt habe. Ich brauchte die formale Führungsposition in einer organisierten Struktur, denn so wie meine Eltern mein Leben eingerichtet hatten, konnte ich nicht der Anführer irgendwelcher Straßenjungs werden. Obwohl ich in der Straße der Kosmonauten wohnte, die zum Einzugsgebiet der berüchtigten »Masutka«-Bande gehörte. Dort gab es Gangs, Prügeleien zwischen verschiedenen Straßenzügen und so weiter.
    Der Sport, mein Ehrgeiz in der Schule – ich wollte einfach der Beste sein. Wie man mir das eingeimpft hat, weiß ich selbst nicht. Ich versuche, es zu analysieren, und komme doch nicht dahinter.
    Mit sechs Jahren schickten meine Eltern mich in einen Schwimmverein. Ich fuhr quer durch ganz Moskau, zur Schwimmhalle »Lokomotive«. Große Erfolge erzielte ich nicht, obwohl ich sechs Tage die Woche trainierte. Immerhin kam ich mit elf schon in die unterste Erwachsenenmannschaft, ich war ausdauernd und hatte eine gesunde Lunge (ich konnte 15 Kilometer am Stück laufen und fünf Kilometer schwimmen). Aber meine totale Unfähigkeit, mich zu prügeln, war für einen Jungen in meinem Alter und meinem Stadtbezirk einfach nicht mehr hinnehmbar. Meine erste eigenständige Entscheidung war daher, das Schwimmen aufzugeben und zum Kampfsport zu gehen.
    Freistil, Sambo, Karate, Boxen. Von allem etwas, nicht wegen der sportlichen Leistungen, sondern um mich prügeln zu können. Mit 18, als ich mit dem Studium anfing, gab ich den Sport auf. Ich hatte einfach keine Zeit mehr dafür. Zum letzten Mal habe ich mich mit 23 geprügelt – wegen meiner späteren Frau, wie sich zeigen sollte. Das Ganze war also nicht umsonst.
    Seit ich 18 bin, jogge ich und mache Hanteltraining, später habe ich auch angefangen, an Fitnessgeräten zu trainieren. Bis zu meiner Verhaftung bin ich täglich fünf Kilometer gelaufen. Schwimmen hasse ich. Ich muss es in der Kindheit damit wohl übertrieben haben. Die Gewohnheit, täglich körperlich zu trainieren, hilft mir im Gefängnis, mich nicht gehenzulassen.
    In der Schule habe ich übrigens zum Vergnügen Fußball und Hockey gespielt (das Spartak-Stadion lag ganz in unserer Nähe). Ich hatte haufenweise Verletzungen. Seit meinem 35. Lebensjahr etwa fangen sie an, sich auch bemerkbar zu machen.
    Um noch einmal auf meine Kindheit zurückzukommen: In einem Bereich führend zu sein und in einem anderen die Führerschaft zu verlieren, war damals keine Option für mich. Später musste ich mich natürlich nicht nur einmal entscheiden. Zum Beispiel zwischen einer Hochschulkarriere und der Welt des Big Business. Zwischen der Bankwirtschaft und der Industrie. Zwischen einer Beamtenkarriere und der Freiheit. Zwischen der Freiheit und der eigenen Würde. Aber das war erst später.
    Letztlich waren es die Mitgliedschaft bei den Jungen Pionieren und dann beim Komsomol, die mir halfen, meine Führungsqualitäten zu verwirklichen, ohne das, was ich im Sport und in der Schule erreicht hatte, aufzugeben. Natürlich habe ich vieles andere versäumt. Aber damals hatte ich nicht das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Auch jetzt tut

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