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Mein Weg - Ein politisches Bekenntnis

Mein Weg - Ein politisches Bekenntnis

Titel: Mein Weg - Ein politisches Bekenntnis Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Michail Chodorkowski
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von vergleichbarer Größe, nämlich Technika; auf das ganze Land gesehen reden wir für alle Kooperativen und NTTM -Zentren also über eine »Emission« von insgesamt ein bis zwei Milliarden Rubel – gegenüber 300 Milliarden Rubel allein aus dem Lohnfonds des Staatssektors! Ich kann mich für die exakten Zahlen nicht verbürgen, aber die Größenordnung stimmt. Das »Loch« war also ganz klar nicht hier. 80 Millionen Rubel entsprachen 20 Millionen Dollar zum Schwarzmarktkurs.
    Es geht los
    Der Stadtteil Frunsenski ist sehr studentisch geprägt. Gleich um die Ecke lagen das Moskauer Institut für Luftfahrttechnologie, das Chrunitschew-Raumfahrtinstitut sowie die Konstruktionsbüros der Flugzeughersteller MIG und Iljuschin. Hier gab es reichlich Potenzial. Unser Personalbestand wuchs. Wir zogen in ein Souterrain in der Gottwald-Straße, später mieteten wir weitere Kellerräume dazu.
    Mit der Zeit kristallisierte sich eine neue Idee heraus: Computer. Die Bezugsquelle war klar: von Dienstreisenden, statt der üblichen Klamotten. Es gab vier Probleme: Freiwillige für den Transport zu finden, Kaufinteressenten zu finden, die Hardware der Lieferungen an die Bestellungen anzupassen und Programme auf die Rechner zu spielen, damit das funktionierte, was der Auftraggeber wollte. Und was wollte der Auftraggeber? Er wollte russisch »tippen«. Ich machte einen Jungen ausfindig, der einen der ersten russischen Texteditoren mit dem Namen »Lexikon« entwickelte. Ich bezahlte die Nachrüstung der Software, und dann fingen wir an, alle Geräte damit zu »bespielen«. Ich fand gute Hardware-Spezialisten, die die ersten Reparaturen übernahmen (damals ein riesiges Problem), darüber hinaus entwickelten einzelne Entwicklerteams (die »Kreativen«, wie wir sie nannten) spezielle Produkte für konkrete Auftraggeber, hauptsächlich automatisierte Arbeitsplätze.
    Ab Mitte, Ende 1988 lief das NTTM -Zentrum bereits auf vollen Touren. Leonid Newslin, Michail Brudno und Wladimir Dubow kamen dazu. Wir gründeten die Kooperativen Nigma und Totem. Im Zentrum arbeiteten über 150 Festangestellte, in den Entwicklerteams etwa 5000! Neue Möglichkeiten eröffneten sich. Wir begannen, den Einkauf großer Mengen von Computern selbst zu finanzieren und verzichteten unseren Auftraggebern gegenüber auf die obligatorische Vorauszahlung. Einige zukunftsträchtige Entwicklungen gaben wir selbst in Auftrag, um sie später in Umlauf zu bringen. So orderten wir beispielsweise eine Technologie zur Herstellung von Glasfaserkabeln, die uns auch geliefert wurde. Allerdings zog die Arbeit daran sich lange hin. Konkrete Personen will ich hier nicht nennen. Ich weiß noch, wer das war, aber heute möchte ich ihnen keine Unannehmlichkeiten bescheren.
    Jedenfalls hatten wir gegen Ende 1988 ein Problem mit den Betriebsmitteln. Ich muss dazusagen, dass ich ein Kollektiv versammelt hatte, das bereit war, sämtliche Erträge in die Entwicklung zu stecken. Damals galt ein Gesetz, wonach eine Belegschaft das eigene Unternehmen dem Staat oder, wie in unserem Fall, einer gesellschaftlichen Organisation (dem Komsomol) abkaufen konnte, und zwar zu Lasten des Lohn- und Gehaltsfonds. Ein Großunternehmen konnte man so natürlich nicht einfach aufkaufen, damals war die Inflation schließlich noch nicht wirklich in Fahrt gekommen, aber wir hatten überhaupt kein »Stammkapital«. Die Größe des »Lohnfonds« legte ich selbst fest, und bald darauf, ich glaube 1989, wurden wir unabhängig.
    Ich will aber noch einmal auf eine frühere Etappe zurückkommen. Da ich meine Angestellten alle von meiner Idee überzeugt hatte, hat niemand wahnwitzige Gehälter gefordert. Ich selbst verdiente 500 Rubel im Monat. Es gab keinerlei Luxus in den Büros und keine teuren Autos. 1988 kaufte ich einen Moskwitsch 412, daneben hatte das Zentrum über lange Zeit nur ein eigenes Auto; außerdem wurden Taxikosten übernommen. Es gab Leute, denen diese Verhältnisse womöglich nicht passten, aber die waren schon älter, und wir garantierten ihnen immerhin ein stabiles Einkommen. Viele unserer Mitarbeiter verdienten sich noch etwas in den Entwicklerteams dazu. Wir waren also nicht arm, aber wir warfen das Geld auch nicht zum Fenster hinaus.
    Unser Umsatz im Jahr 1988 belief sich auf 80 Millionen Rubel. Das war sehr viel. Ein Computer kostete damals 40 0 00, ein Auto 10 0 00 bis 20 0 00 Rubel. Was den »Geschäftswert« angeht: Die erste Million machte ich genau zu jener Zeit. Noch vor all den

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