Mein Weg - Ein politisches Bekenntnis
Damals wurden noch keine Lizenzen erteilt, aber es bestand auch kein Verbot für Banken, mit einem gewöhnlichen Konto zu operieren.
Der offizielle Kurs lag bei 65 Kopeken für einen Dollar. Über Devisen verfügten aus irgendeinem Grund besonders die Forstbetriebe, außerdem die Unternehmen der Erdölwirtschaft und einige weitere Unternehmen. Sie kauften für ihre eigenen Mitarbeiter Importklamotten, konnten ihnen aber nicht die Gehälter erhöhen. Die Mitarbeiter verkauften die Klamotten. Der reale Kurs lag somit nicht bei 65 Kopeken, sondern um die 2,80 Rubel. Und hier kamen wir ins Spiel. Fortan gab es keine Probleme mit dem Ankauf und Vertrieb von altem Plunder mehr! Man musste uns nur die Devisen überweisen und erhielt dafür fünf Rubel pro Dollar. Gern auch als Vorschuss. Später sogar acht Rubel, dann zehn, dann zwölf. Nach einem Jahr war der Markt »ausgeglichen«.
Was wir in einem Jahr verdienten! Die Computer brachten 40 Rubel pro investiertem Dollar ein, abzüglich der Kosten für Import, Aufrüstung und Lieferung waren es 30 Rubel pro Dollar. Dabei kauften wir sie für fünf bis zehn Rubel pro Dollar ein. Einfach fantastisch! Das war wirklich Gold! Es wurde aber, wie immer in Russland, in Sibirien gewonnen und nicht in der »Partei«. Man musste sich einfach rühren und im Gespräch den richtigen Ton treffen. Und niemals betrügen. Der Ruf war das Wichtigste. Sonst hätte niemand mit einem zu tun haben wollen.
Jedenfalls waren wir nach einem halben Jahr bei solchen Summen angekommen, dass der Vorsitzende der Zentralbank, Wiktor Gerastschenko, auf uns aufmerksam wurde und mich zu sich bestellte. »Wer hat euch das genehmigt?!« Ich zeigte ihm den Leitfaden. Er las darin herum, suchte nach einem Verbot. Bald war ihm aber klar, wo das »Schlupfloch« steckte. »Sie können gehen.« Drei Monate später wurde der Leitfaden geändert, wir wurden geprüft und es wurde festgestellt, dass wir eine eigene Devisenabteilung mit Mitarbeitern der Vneshekonombank hatten. Wir erhielten eine Lizenz zur Abwicklung von Devisengeschäften. Ganz offiziell. Das war eine schöne Geste von Gerastschenko.
Ich war niemals ein Schüler von Wiktor Wladimirowitsch Gerastschenko, aber ich habe immer verfolgt, was er machte und wie er es machte. Wie er sich verhielt, wie er leitete, wie er mit anderen sprach. Als er zu Yukos kam, 36 bemerkten viele, dass er einen ähnlichen Stil hatte wie ich. Das hatte damit zu tun, dass ich ihn mir eben damals als Vorbild ausgesucht hatte. Und ich hatte deshalb immer Respekt vor der »alten Garde«. Vor Arkadi Wolski und Juri Masljukow, die schon von uns gegangen sind, ebenso wie vor Oleg Baklanow, Georgi Rasumowski und Iwan Silajew. 37 Die Namen derer, die noch am Leben und bis heute sehr »exponiert« sind, nenne ich aus den schon erwähnten Gründen nicht.
Alle diese Leute lernte ich erst nach 1991 kennen und arbeitete mit ihnen zusammen. Boris Jelzin wusste das, viele von ihnen mochte er nicht, aber er hat mir nie etwas gesagt. Ich glaube, dass meine Lehrjahre in der Verwaltung in die Zeit fielen, als ich mit diesen Leuten zu tun hatte, diesen so verschiedenen, komplizierten, vielschichtigen, aber zweifelsohne auch sehr erfahrenen Menschen. Ich nehme an, die Geschichte vom »Parteigold«, das uns angeblich den Start ermöglicht haben soll, hat mit dieser Verbindung zu tun. Viele wussten schließlich, wem ich half und mit wem ich sprach. Aber verstehen, was diese Menschen mir gegeben hatten, konnten sie nicht. Erbärmlich. Außer »Gold« fiel diesen Leuten nichts ein.
Über Banditen habe ich nie ernsthaft nachgedacht
Die NTTM -Zentren waren Joint Ventures des Komsomol und des Staatlichen Komitees für Wissenschaft und Technologie ( GKNT ). Das GKNT war eng mit der Außenaufklärung verbunden (der Ersten Hauptabteilung des KGB ). Doch diese Verbindungen waren weit von uns entfernt: »in himmlischen Höhen«.
Im Jahr 1989 wurde der Kampf gegen die organisierte Kriminalität dem KGB übertragen. Mit unseren Computern statteten wir unter anderem Unternehmen des militärischen Komplexes aus (den ich ja erst 1991 verließ). Deshalb war die KGB -Abteilung Frunsenski für uns zuständig. Das waren tüchtige Jungs. Nach 1991 wechselten sie in die Wirtschaft.
Das erste und einzige Mal wurde ich 1988 oder 1989 zu einem Treffen ins Hotel Ismailowskaja bestellt. Ich glaube, von »Silvester« 38 , genau weiß ich es aber nicht mehr. Wir fuhren zu zweit, ein Kumpel und ich. Empfangen wurden wir von
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