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Monrepos oder die Kaelte der Macht

Monrepos oder die Kaelte der Macht

Titel: Monrepos oder die Kaelte der Macht Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Manfred Zach
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Anwendung der Spechtschen Technologieförderung unzweideutig nach oben. Die neue Politik zeitigte, wie Professor Wrangel formulierte, eine ›positive Steigung‹, oder, wie Tom Wiener seinem Nebensitzer Gundelach zuraunte: Mit Oskar geht’s immer aufwärts, warum und wieso ist scheißegal!
    Gundelach hatte Specht in einem Vorbereitungsvermerk die Grundzüge seiner politisch-wissenschaftlichen Pioniertat so gut es eben ging aufgeschrieben. Specht war klug genug, sich in seiner Dankesrede nicht auf dieses Terrain zu begeben. Statt dessen plauderte er über Japan und den Grafen Lambsdorff, der ihm vorgeworfen hatte, marktwirtschaftliche Prinzipien zu verraten. Ha! Er hatte, wie stets, die Lacher auf seiner Seite und nahm anschließend strahlend die Urkunde in Empfang.
    Hinterher, beim Stehempfang im Gästehaus der Universität, war Wrangel aufgekratzt wie ein Teenager.
    Bernardo! rief er und boxte Gundelach in die Rippen, wir haben es allen Hosenscheißern gezeigt, was? Guck sie dir an, wie sie jetzt um den MP herumschwänzeln!
    Du hast es ihnen gezeigt, Werner!
    Wir, mein Freund, beharrte Wrangel, und seine schmalen asiatischen Augen glänzten vor Freude und Alkohol, den er, da er ihn selten trank, nicht vertrug. Laß uns genau so weitermachen wie bisher, mit aller Brutalität und Härte. Der Oskar muß nach Bonn, alles andere ist dummes Zeug! Der Kohl schafft das nicht, du wirst sehen, in ein paar Jahren ist er am Ende. Dann führt kein Weg mehr an Specht vorbei –.
    Doktor Specht, bitte!
    Doktor Specht, jawohl, Bundeskanzler Doktor Oskar Specht, zum Teufel, das wäre doch gelacht –.
    Werner, nicht so laut!
    Ach was! Ich werde noch viel lauter, wenn’s sein muß. Und wenn’s ihm hilft, mach ich den Oskar zum Honorarprofessor, du brauchst es mir nur zu sagen …
    Tom Wiener stieß zu ihnen.
    Jungs, sagte er, macht mal Pause, sonst gerät hier einiges durcheinander. Mein lieber Mann, seid ihr machtgeil!
    Kurz darauf erschien der frischgebackene Ehrendoktor in Begleitung von Dr. Pollock, dem örtlichen FDP-Abgeordneten, der zugleich Landes- und Fraktionsvorsitzender seiner Partei und einer von Genschers Stellvertretern war. Pollock hatte an der Technischen Universität, die seinen politischen Kontrahenten gerade ausgezeichnet hatte, Volkswirtschaft studiert. Mit Specht verband ihn ein unverkrampftes, fast freundschaftliches Verhältnis.
    Pollock begrüßte Professor Wrangel halb ehrfürchtig und halb belustigt. Ich habe viel gelernt heute! sagte er schmunzelnd.
    Specht zog Wrangel zur Seite. Wrangel nickte, stellte sein Glas ab und verschwand mit Specht und Pollock aus dem Saal. Als er wiederkam, war er nüchtern und bleckte die Zähne.
    Specht und Pollock sitzen in meinem Zimmer, sagte er. Sie haben was zu besprechen.
    Das Gespräch dauerte über eine Stunde. Die Festversammlung löste sich inzwischen auf. Tom Wiener stieg in seinen Wagen und fuhr zurück ins Büro. Wrangel und Gundelach warteten.
    Schließlich erschien Specht, allein und bester Stimmung. Er schüttelte Wrangel lange und herzlich die Hand und forderte Gundelach auf, ihn nach draußen zu begleiten.
    So, sagte er, das wär auch geschafft.
    Specht schwieg, und es war offenkundig, daß Gundelach ihn fragen sollte.
    Was geschafft? Die Laudatio oder das Händeschütteln?
    Spechts Gesicht strahlte vor Zufriedenheit.
    Ach was, sagte er. Das hier ist doch Kinderkram. Nett und liebenswert, aber letztlich können Sie’s vergessen. Nein, ich meine die Sache mit Pollock.
    Welche Sache? Gundelach wußte, wie er die Rolle weiterzuspielen hatte.
    Oskar Specht platzte fast vor aufgestautem Behagen.
    Der Pollock geht aus der Politik raus. Dem paßt die ganze Richtung bei der FDP nicht mehr. Ich weiß das schon länger, und heut hab ich ihm das Angebot gemacht, Geschäftsführer unserer landeseigenen Liegenschafts-Gesellschaft zu werden. Er hat sofort zugestimmt und will jetzt nur noch die Landtagswahl abwarten, um nicht fahnenflüchtig zu erscheinen. Dann gibt er alle Parteiämter auf.
    Gundelach war sprachlos. Diesmal spielte er nicht.
    Auf die Dauer, fuhr Specht fort, wäre Pollock für uns gefährlich geworden. Die FDP hat eine so dünne Personaldecke, daß sie ihn eines Tages bestimmt als Bundesminister nach Bonn geholt hätten. Das wäre dann für die Liberalen im Land ein gewaltiger Prestigegewinn gewesen. Statt dessen hab ich ihnen heute den Kopf abgehauen. Schon dafür hat sich der Zirkus hier gelohnt!
    Gundelach biß sich auf die Lippen. So ist er,

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