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Monrepos oder die Kaelte der Macht

Monrepos oder die Kaelte der Macht

Titel: Monrepos oder die Kaelte der Macht Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Manfred Zach
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Breitbandverkabelung die entscheidenden Infrastrukturen der Zukunft sein? Wenn wir feststellen: das sind die Schnellstraßen der Informationsgesellschaft von morgen, dann bedeuten staatliche Investitionen in diese Technologien etwas völlig Marktkonformes, was Ludwig Erhard ohne Bedenken quergezeichnet hätte. Es handelt sich in diesem Fall, wie bei Schienen und Straßen, um die Bereitstellung notwendiger öffentlicher Güter, mit dem einzigen Unterschied, daß es derartige Kommunikationsgüter zu Erhards Zeiten noch nicht gegeben hat. Wer aber Infrastrukturen immer nur auf den technischen Stand beschränken will, der sich schon durchgesetzt hat, macht den Staat zum Verwalter des Bestehenden und verzerrt damit den Wettbewerb zu Lasten des Neuen, Innovativen. Das ist doch ein weit größerer Staatskapitalismus …
    Der Kaffee kam und, in riesigen Schwenkern, altgolden funkelnder Armagnac. Specht ließ ihn im Glas kreisen und sog genießerisch den Duft ein. Herrlich, sagte er. Der sowjetische Botschafter hat mir einen Krim-Armagnac aus meinem Geburtsjahrgang geschenkt. Habe ich Ihnen davon schon erzählt?
    Nein, sagte Gundelach.
    Verbunden mit der offiziellen Einladung, die Sowjetunion zu besuchen. Ich denk aber, ich warte damit bis nächstes Jahr und unternehme die Reise dann als Bundesratspräsident.
    Gundelach schwieg. Er ärgerte sich, überhaupt so viel geredet zu haben.
    Also, sagte Specht, das ist ein interessanter Gedankengang. Den können Sie an geeigneter Stelle einbauen. Aber nicht zu tief ins Theoretische einsteigen, und den Lambsdorff nicht über Gebühr herausstreichen. Der überlebt die Flick-Affaire sowieso nicht, da wette ich. Und jetzt sollten wir noch festlegen, wie wir das mit dem Buch rein praktisch machen. Ich werde natürlich wenig Zeit haben, selbst viel zu schreiben.
    Sicher nicht, sagte Gundelach.
    Vielleicht können wir’s so machen, daß Sie mir bis zu meinem Sommerurlaub eine Gliederung vorlegen und die eine oder andere These schon mal ausformulieren, so daß ich’s mir in Ruhe anschauen kann. Danach reden wir darüber, und dann können Sie zu schreiben anfangen und ich nehme mir das, was fertig ist, jeweils in die Ferien mit. Im Herbst will ich eine Woche nach Irland, und über Weihnachten bin ich wahrscheinlich in Berghoffs neuem Hotel im Allgäu. So müßten wir hinkommen.
    Ja, sagte Gundelach, so ähnlich dachte ich mir das auch. Ich müßte allerdings in den nächsten Monaten von der Tagesarbeit weitgehend freigestellt sein und auf einen oder zwei Mitarbeiter der Grundsatzabteilung für Recherchezwecke zugreifen können.
    Selbstverständlich, entgegnete Specht. Sie sagen, was Sie brauchen. Und übers Finanzielle sprechen wir noch.
    Vielleicht wird’s ja ein Bestseller, scherzte Gundelach. Haben wir überhaupt schon einen Verlag?
    Ich habe einen, sagte Specht und grinste vor Freude bis zu den Ohren. Und das ist der eigentliche Knüller! Der Spiegel ist bereit, das Buch zu verlegen. Die haben jetzt eine neue Taschenbuchreihe. Augstein, mit dem ich vor kurzem in Hamburg fürchterlich verhockt bin, hat es mir selbst angeboten. Der Tom war dabei und auch Böhme, der Chefredakteur. Die sind ganz heiß auf das Ding. Nicht schlecht, was?
    Gundelach nickte und dachte: Diese Chuzpe möchte ich haben. Hat noch keine Zeile geschrieben und verkauft das Buch schon an den Spiegel. Was macht er, wenn mir morgen ein Ziegelstein auf den Kopf fällt? Aber mir fällt kein Ziegel auf den Kopf, und Menschen wie er wissen das.
    Und weil er das Gefühl hatte, auch etwas Chuzpe zeigen zu müssen, ein wenig nur, versteht sich, Ministerialrats-Chuzpe gewissermaßen, orderte er ohne zu fragen eine Monte Christo, sechzig Mark das Stück, ließ die Zigarre aus der klimatisierten Box holen und fachmännisch über der Kerze vorbereiten, führte sie an den geblähten Nüstern vorbei, befeuchtete sie ausgiebig mit kreisrund gespitztem Gourmetmäulchen und war auch dadurch nicht aus der Ruhe zu bringen, daß Specht, der gerade mal wieder mit dem Rauchen aufgehört hatte, zappelig wurde und nach Herrn Schmitt verlangte, um ihn über den Hersteller der fantastischen Gläser zu befragen; beugte sich dann über die Flamme des Sandelholzspans, den ihm der Kellner darbot, und stieß mit einem Seufzer des Behagens die ersten Rauchwölkchen in die Luft, ihrem bläulichen Schimmer nachblickend, bis er verflogen war.
    Sie sagen, was Sie brauchen. Eben.
    Anderntags spielten sie Tennis und verließen das Hotel noch vor dem

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