Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Montags sind die Eichhörnchen traurig: Roman (German Edition)

Montags sind die Eichhörnchen traurig: Roman (German Edition)

Titel: Montags sind die Eichhörnchen traurig: Roman (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Katherine Pancol
Vom Netzwerk:
jovialen Österreicherin, die weder Hals noch Kinn hatte, dafür aber ein unauslöschliches, in drei Fettringe gemeißeltes Lächeln.
    Jacques Clavert widerstrebte dieser Botengang. Mit den Jahren fiel es ihm immer schwerer, sich an der Maskerade zu beteiligen. Widerwillig schlurfte er los, schimpfte über seine Frau, über alle Frauen, über ihre Heimtücke, ihre Falschheit, Zwerge sind wir Männer, murrte er, bemitleidenswerte Zwerge, denen sie auf der Nase herumtanzen. Beim Ausfahren aus der Garage rammte er eine Delle in den Kotflügel seines Wagens, er ritzte sich einen Finger an einem Windbeutelkarton, fluchte, spürte, wie sich der Stachel des Hasses in sein Fleisch bohrte, und verließ Madame Keitels Laden mit dem Vorsatz, dass dies endgültig das allerletzte Mal gewesen sei und er das Geheimnis lüften werde.
    Und seine Seele retten.
    »Ach, du hast eine Seele?«, fragte Bérengère achselzuckend.
    »Spotte nur! Irgendwann werde ich dich auffliegen lassen …«
    Lächelnd sprühte Bérengère Haarlack auf ihren braunen Pony und tippte gereizt mit dem Finger auf drei neue Fältchen neben ihren braunen Augen.
    Ihr Ehemann drohte zwar, aber er setzte seine Drohungen nie in die Tat um.
    Ihr Ehemann war ein Waschlappen.
    Das wusste sie schon lange.
    Bérengères Windbeutel waren der Höhepunkt des Abends.
    Man redete vorher von ihnen, man redete nachher über sie, man dachte das ganze Jahr an sie, man wartete gespannt auf sie, und wenn sie aufgetragen wurden, betrachtete man sie, nahm sie in die Hand, kostete sie mit geschlossenen Augen, im Stehen, ernst und würdevoll, beinahe verzückt; und jede noch so raffinierte Frau, jeder noch so skrupellose Mann wurde für die Dauer eines Windbeutels wieder unschuldig und sanft. Um Zugang zu Bérengère Claverts Windbeuteln zu erhalten, versöhnten sich unversöhnliche Gegner, wurden beste Freundinnen wieder zu Freundinnen, fraßen böse Zungen Kreide. Man fragte sich zwar, wie Bérengère diese cremige, fluffige Konsistenz, diesen Hauch von Karamell hinbekam … aber man fragte es sich nicht sehr lange: Eine Woge der Begeisterung fegte alle kritischen Gedanken hinweg.
    Während das Personal an diesem Abend mit den Vorbereitungen beschäftigt war, trat Bérengère Clavert in das eheliche Schlafzimmer und sah erstaunt, dass ihr Mann in Unterhose und schwarzen Socken auf dem Bett lag. Er las Le Monde Magazine , eine Zeitungsbeilage, die er jeden Freitag beiseitelegte, um sich am Sonntag damit die Zeit zu vertreiben. Sein größtes Bemühen galt dabei der Lösung des Sudokus in den Schwierigkeitsstufen »Experte« oder »sehr schwer«, welches die Zeitung auf den letzten Seiten veröffentlichte. Wenn es ihm gelang, stieß er ein Gebrüll aus wie ein wildes Tier, boxte in die Luft und schrie I did it, I did it , die einzigen englischen Worte, die er sich merken konnte.
    »Holst du die Windbeutel nicht?«, fragte Bérengère und bemühte sich, den Zorn zu unterdrücken, der angesichts der saloppen Aufmachung ihres Mannes in ihr aufstieg.
    »Ich werde die Windbeutel nie wieder holen«, antwortete Jacques Clavert, ohne den Kopf von seinem Sudoku zu heben.
    »Aber …«
    »Ich werde die Windbeutel nicht mehr holen …«, wiederholte er und schrieb eine 7 und eine 3 in ein Kästchen.
    »Aber was werden denn unsere Freunde sagen?«, stammelte Bérengère. »Du weißt doch, wie sehr sie sich …«
    »Sie werden furchtbar enttäuscht sein, und du wirst dir als Ausrede eine weitere Lüge ausdenken müssen!«
    Er schaute zu ihr auf und fügte mit einem breiten Grinsen hinzu: »Und ich werde mich totlachen!«
    Dann wandte er sich wieder dem Ausfüllen seines Sudokus zu.
    »Ich bitte dich, Jacques! Du bist verrückt geworden!«
    »Ganz und gar nicht. Im Gegenteil, ich bin endlich wieder bei klarem Verstand. Ich werde nie wieder deine Windbeutel holen, und morgen ziehe ich aus dieser Wohnung aus …«
    »Und dürfte ich erfahren, wohin du gehst?«, fragte Bérengère, während ihr Herz zu rasen begann.
    »Ich habe eine Einzimmerwohnung in der Rue des Martyrs gemietet; dorthin ziehe ich mich mit meinen Büchern, meiner Musik, meinen Filmen, meinen Akten und meinem Hund zurück. Die Kinder überlasse ich dir … Ich hole sie sonntagmorgens ab und bringe sie abends wieder zurück. Ich habe keinen Platz, um sie bei mir unterzubringen.«
    Bérengère ließ sich auf die Bettkante sinken. Mit offenem Mund und hängenden Armen. Sie spürte, wie das Unglück nach und nach den ganzen Raum

Weitere Kostenlose Bücher