Montags sind die Eichhörnchen traurig: Roman (German Edition)
Arme. Verkündete, dass sie bereit sei, ihr zuzuhören, und bemühte sich, dabei so feierlich wie möglich zu klingen. Zoé sah sie an und biss auf ihren Fingern herum, als könnte sie nicht reden.
»Es wäre mir lieber, wenn du mir Fragen stellst … Das wäre einfacher. Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll.«
Joséphine dachte nach.
»Ist es etwas Schlimmes?«
Zoé nickte.
»Für immer und ewig schlimm?«
Zoé bedeutete ihr, dass das keine gute Frage sei. Sie konnte sie nicht beantworten.
»Geht es um etwas, was du getan hast?«
»Ja …«
»Etwas, was ich nicht gutheißen werde?«
Zoé nickte wieder und ließ den Kopf hängen.
»Etwas Furchtbares?«
Zoé warf ihr einen verzweifelten Blick zu.
»Ist es furchtbar, oder kann es furchtbar werden? Zoé, du musst mir schon helfen …«
»Oh, Maman! Es ist furchtbar.«
Sie vergrub das Gesicht in beiden Händen.
»Ist zwischen dir und Emma etwas vorgefallen?«, fragte Joséphine und tastete nach Zoés Fuß, um ihn zu streicheln.
Es musste sich um einen vorübergehenden Streit handeln. Zoé zankte sich nie mit anderen. Sie versuchte immer, alle miteinander zu versöhnen.
»Du kannst gar nichts Furchtbares getan haben, mein Schatz. Das ist unmöglich …«
»O doch, Maman …«
Joséphine zog ihre Tochter an sich. Sie schnupperte an ihren Haaren, roch den Duft des Apfelshampoos, dachte, es war so einfach, als sie noch ein Baby war. Ich wiegte sie in meinen Armen, ich küsste sie, ich sang ihr ein Lied vor, und der Kummer verflog.
Und leise sang sie, Heile, heile Segen, sieben Tage Regen, sieben Tage Sonnenschein, wird alles wieder heile sein …
Zoé versteifte sich und protestierte.
»Ach, Maman … Ich bin doch kein Baby mehr!«
Dann platzte sie heraus: »Ich habe mit Gaétan geschlafen.«
Joséphine zuckte zusammen. Dann hatte sie also recht gehabt …
»Aber du hattest mir doch versprochen, dass …«
»Ich habe mit Gaétan geschlafen, und seitdem … seitdem ist er so komisch, Maman.«
Joséphine holte tief Luft und dachte nach.
»Langsam, Liebes … Was genau macht dir Kummer? Dass du dein Versprechen gebrochen und mit ihm geschlafen hast oder dass er seitdem so … ›komisch‹ ist, wie du sagst?«
»Beides, Maman! Und zu allem Überfluss sagt Emma jetzt auch noch, dass sie nicht mehr meine Freundin sein will …«
»Warum denn nicht?«
»Weil ich vorher nicht mit ihr darüber gesprochen habe … bevor ich es gemacht habe. Sie sagt, dass ich sie einfach außen vor gelassen hätte … Und ich sage, dass ich gar nicht anders konnte, weil ich doch vorher überhaupt nicht darüber nachgedacht habe, ich wusste nicht, dass es passieren würde …«
Der Amboss und der Hammer dröhnten erneut in Joséphines Kopf. Sie versuchte, sich zu beruhigen, und beschloss, die Probleme der Reihe nach anzugehen.
»Warum hast du denn mit ihm geschlafen, Liebes? Weißt du nicht mehr, was wir vereinbart hatten?«
»Aber ich hatte das nicht geplant, Maman. Wir waren im Keller und …«
Sie erzählte von der weißen Kerze, der Champagnerflasche, der Dunkelheit, den Schritten im Flur, der Angst und schließlich dem Verlangen …
»Es war ganz natürlich … Ich hatte nicht das Gefühl, etwas Unrechtes zu tun …«
»Ich glaube dir, Liebes …«
Erleichtert kuschelte sich Zoé an ihre Mutter. Rieb die Nase an ihrer Brust. Seufzte. Atmete geräuschvoll aus. Richtete sich auf und …
»Bist du mir nicht böse?«
»Nein, ich bin dir nicht böse. Es tut mir leid, dass du so überstürzt gehandelt hast …«
»Und warum ist er dann seitdem so komisch? Er ruft nie an, immer bin ich diejenige, die anruft, und er wirkt abwesend. Er antwortet, weil er muss, aber nicht ein liebes Wort, keine Kosenamen, nichts … Ich weiß nicht, was ich machen soll …«
Wenn ich ihr doch nur helfen könnte, dachte Joséphine, als sie sah, wie Zoé sich auf die Lippen biss, die Stirn runzelte und sich beherrschen musste, um nicht zu weinen.
»Vielleicht bin ich nicht für die Liebe geschaffen?«
»Wie kommst du denn darauf?«
»Ich habe Angst, Maman … Ich wünschte, die Zeit würde einfach vergehen, ohne dass ich etwas davon bemerkte … Ich wünschte, ich könnte für immer fünfzehn bleiben … Der Trick dabei ist, sich ständig einzureden, ich werde nicht älter, ich werde nicht älter …«
»Das darfst du nicht sagen, Zoé. Im Gegenteil, du musst dir sagen, dass das Leben ganz viele neue Dinge für dich bereithält, andere Dinge … die du noch nicht kennst, und
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