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Moorehawke 01 - Schattenpfade

Moorehawke 01 - Schattenpfade

Titel: Moorehawke 01 - Schattenpfade Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Kiernan Celine
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herein. Und noch immer bibberte der große Mann unter seiner Decke.
    Spät am Abend traf Razi schließlich ein, hämmerte laut an die Tür und stürmte an Wynter vorbei, sobald sie geöffnet hatte. Er wirkte gehetzt und zerstreut, nahm ihre Anwesenheit kaum zur Kenntnis. Mitten im Raum blieb er stehen und blickte sich um.
    »Wo ist er?«, fragte er, als hätte er Christopher gerade erst hier zurückgelassen und wäre verblüfft, ihn nicht mehr vorzufinden.
    »Razi!«, rief Wynter. »Das ist Stunden her! Du hast doch nicht ernsthaft damit gerechnet, dass er immer noch wartet?«
    Verwirrt blinzelte er, man sah ihm deutlich an, dass er genau das geglaubt hatte. »Ich … ich muss hier mit ihm sprechen!«, sagte er, als wäre alles andere belanglos.
    Sie stützte die Hände in die Hüften und presste die Lippen zusammen. »Tja«, gab sie schnippisch zurück. »Christopher sagt, du kannst ihn an seinem merronischen Allerwertesten lecken.«
    Razi blieb der Mund offen stehen. »Wynter!«, tadelte er sie entsetzt. Dann wandte er den Kopf ab, fuhr sich mit der Hand durchs Haar und dachte kurz nach. »Wahrscheinlich schläft er, ich werde klopfen müssen. Verdammt …« Er warf den Kopf in den Nacken. »Es bleibt mir nichts anderes übrig.« Er lief an ihr vorbei zur Tür. »Tut mir leid, Schwesterchen«, sagte er abwesend, »ich muss weiter.« Sie musste lächeln. Er hatte den alten Kosenamen ganz unwillkürlich benutzt.
    An der Tür blieb er noch einmal stehen, ohne sich umzudrehen.
»Du weißt ja, dass er spätestens in einer Woche fort ist«, erklärte er mit fester Stimme.
    »Das hast du jedenfalls gesagt.«
    »Und ich meinte es auch so. Wenn ich erst alles in Bewegung setze, muss er so rasch wie möglich weg. Dann gibt es kein Zurück mehr.«
    »Was hast du vor?« Wynters Magen zog sich zusammen. Endlich sah er sie an. »Ich möchte, dass du dich ab jetzt von ihm fernhältst. Das macht es für euch beide leichter. Ich weiß … ich weiß, dass alles immer so einfach scheint, wenn man mit Christopher zusammen ist. Er ist so geradeheraus. Bei ihm vergisst man sich leicht selbst; das ist verhängnisvoll für Menschen wie uns.«
    Es tat weh, das zuzugeben, es zerriss ihr das Herz, doch sie nickte. »Ich weiß«, flüsterte sie.
    Razi zögerte, als wollte er ihr noch etwas mitteilen. Dann verengten sich seine Augen, und er schüttelte grimmig den Kopf. »Also gut«, sagte er und ging.
    Wenige Augenblicke später hörte sie ihn an Christophers Tür hämmern. Es dauerte sehr lange, bis ihr Freund öffnete. Sie hörte Razis tiefe, barsche Stimme, nicht jedoch, ob Christopher antwortete. Das gedämpfte Zuschlagen der Tür schnitt jedes Geräusch ab.
    Wynter ging auf leisen Sohlen in den Gemeinschaftsraum und verharrte mäuschenstill; sie versuchte, das Gespräch nebenan zu belauschen. In Lorcans Kammer prasselte und knisterte das Feuer, und selbst hier im Nebenraum war die Hitze beinahe unerträglich.
    »Wynter?«
    Beim Klang der Stimme ihres Vaters wandte sie sich um.
    »Ja?«
    »Was machst du denn da?«

    Sie errötete und wollte gerade erklären, als die Geheimtür ohne Vorwarnung aufglitt. Sie schrak zusammen und tastete nach ihrem Dolch. Christopher humpelte wütend aus der Dunkelheit herein, das lange schwarze Haar zerzaust und verknotet, als wäre er hastig aus dem Bett gesprungen.
    Verblüfft sah sie ihn mit gesenktem Kopf an sich vorbeistürmen und geradewegs in Lorcans Kammer hinken. Er sagte kein Wort, stapfte einfach nur barfuß zu dem Sessel in der hinteren Ecke und ließ sich darauf nieder. Schweigend und mit steinerner Miene, die Hände im Schoß zu Fäusten geballt, saß er da.
    Lorcan betrachtete ihn verwundert. Halb wach, wie er war, verwirrte ihn Christophers Verhalten.
    Nun kam auch Razi mit giftigem Blick herein. »Sei nicht so verflucht kindisch!«, schimpfte er, blieb mitten im Raum stehen und funkelte Christophers dunklen Scheitel böse an.
    Christopher schwieg.
    »Verdammt noch mal, Chris! Glaubst du, ich würde das in ihrer Gegenwart nicht besprechen? Glaubst du, mein gottverfluchter Stolz würde mich davon abhalten? Bist du deshalb hier?«
    Nun hob Christopher den Kopf, seine Augen glänzten gefährlich unter den geschwollenen Lidern. Razi streckte die Hand aus. »Gib mir den Schlüssel.«
    Christopher zog die Fäuste noch dichter an die Brust und sah ihn trotzig an.
    »Gib mir den gottverdammten Schlüssel!«, bellte Razi. Ohne nachzudenken, rannte Wynter auf ihn zu und schlug ihm fest auf den

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