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Moorehawke 01 - Schattenpfade

Moorehawke 01 - Schattenpfade

Titel: Moorehawke 01 - Schattenpfade Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Kiernan Celine
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widerstrebend. »Sie haben meinen Hintern gebrandmarkt. Es ist nur das Zeichen des Händlers, und das soll man möglichst nicht sehen.«
    »Oh, Chris!«, murmelte Wynter voller Mitleid.
    Lorcan jedoch brummte und dachte nach. »Das ist nicht allzu schlimm«, stellte er nüchtern fest. »Ihr hattet noch Glück. Wenn man Euch weiterverkauft hätte, dann hätte Euer Hausvater das Zeichen vielleicht auf den Arm oder die Brust gebrannt …«
    »Mein Gesicht«, unterbrach Christopher leise. »In dem Haus, für das ich bestimmt war, hätte man mir das Zeichen ins Gesicht gebrannt.«

    Schreckensstarr sahen Lorcan und Wynter ihn einen Moment lang an, dann schluckte Lorcan und fuhr mit gleichmä ßiger Stimme fort: »Es ist viel umständlicher für einen Soldaten, Euch die Hose herunterzuziehen, als nur das Hemd hochzuheben. Mit ein bisschen Glück wird sich keiner die Mühe machen, Euch so sorgfältig zu durchsuchen. Es wird schon gutgehen!« Er machte einen kläglichen Versuch zu grinsen. »Das heißt, natürlich nur, wenn Ihr einmal in Eurem Leben den Hosenlatz geschlossen lasst!«
    Mit einem ausdruckslosen Blick auf Wynter wiederholte Christopher: »Es ist ja nicht von Bedeutung.«
    »O doch, das ist es!«, widersprach sie heftig. »Razi setzt für dich alles aufs Spiel. Es sollte dir sehr viel bedeuten zu überleben.«
    Bei ihrem Tonfall wandte er kläglich den Blick ab.
    Doch sie hatte einfach zu viel Angst, um sanft zu bleiben; ihre barschen Worte verbargen nur die tiefe Sorge um ihre beiden Freunde.
    Ein entlaufener Sklave – das war Christopher ohne seine Papiere, nur ein entlaufener Sklave. Je nach Hoheitsbereich, in dem er aufgegriffen wurde, drohten ihm Verstümmelung, Weiterverkauf oder vielleicht sogar der Tod. Und solange sich Razi hier aufhielt und diese Papiere in seinem Besitz hatte, konnte er als Sklavenhalter vor Gericht gebracht werden, als Menschenhändler. Es war eines der am härtesten bestraften Verbrechen in Jonathons Königreich.
    Sie schwebten beide in solcher Gefahr, es schien das Risiko kaum wert. Doch sosehr Wynter auch grübelte, es wollte ihr kein klügerer Plan einfallen.
    Sie seufzte und vergrub das Gesicht in den Händen.
    Genau so fand Razi die drei vor, als er zurückkehrte: Wynter und Christopher auf einander gegenüberliegenden Seiten
des Raums, die Köpfe gesenkt, Lorcan auf dem Rücken, den Arm über das Gesicht gelegt.
    Wynter bemerkte ihn im Türrahmen und blickte auf. Sie hatte erwartet, dass er die Papiere in Händen hielte, doch natürlich trug er sie irgendwo am Körper, sicher verborgen – so wie sie seinen Brief, den sie stets an ihrem Herzen aufbewahrte.
    Er sah sie forschend an, und sie lächelte voller Mitgefühl. Das schien etwas in ihm zum Schmelzen zu bringen, dieses Lächeln. Er blinzelte, und für einen kurzen Moment wirkte er erleichtert und verletzlich zugleich.
    Christopher hob jetzt ebenfalls den Kopf, seine Hände hingen zwischen den Knien herab. Die beiden Männer sahen einander in die Augen. Razi schwenkte den Schlüsselring. »Ich habe mich bemüht, deine Sachen nicht in Unordnung zu bringen«, sagte er leise.
    »Danke.« Christopher streckte die Hand aus.
    »Es tut mir leid«, flüsterte Razi, als er ihm den Schlüssel wieder aushändigte.
    »Hättest du die Truhe meines Vaters aufgebrochen?« Razi zögerte, woraufhin Christopher die Hand abwehrend hochhielt. »Ist ja einerlei«, sagte er und wandte rasch den Blick ab. »Ich muss es nicht wissen.«
    »Wann werdet Ihr es dem König mitteilen?«, ließ sich Lorcan vernehmen.
    »Morgen. Ich habe eine Audienz im siebten Viertel.« Er hielt inne, musterte Lorcan von Kopf bis Fuß und neigte dann besorgt den Kopf. »Wie geht es Euch?« Lorcan zog eine Grimasse und wedelte mit der Hand, doch Razi ließ nicht ab. »Die Hitze in Eurer Kammer ist beinahe unerträglich. Und doch friert Ihr, nicht wahr?«
    Lorcan zog die Brauen zusammen und warf einen Seitenblick
auf Wynter. Ihr Haar klebte am Kopf, das Gesicht war gerötet. Dann nahm er Christopher in Augenschein, der die Bänder seines Gewands gelöst und die Brust entblößt sowie die Ärmel bis zur Schulter hinaufgeschoben hatte. Fiebrige Unruhe erfasste ihn, sein Blick wurde unstet.
    Razi betastete Lorcans Finger und hob Wynter knapp das Kinn entgegen, woraufhin sie sofort vom Bett rutschte. Dann tastete er unter der Decke nach Lorcans Füßen. »Wynter«, bat er, »hol eine Wärmeflasche für deinen Vater.«
    Sie beeilte sich, seinem Wunsch zu gehorchen.
    Razi

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